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Konstanz Kurze Streifen mit langem Nachhall

Beim Kurzfilmfestival gab es skurrile, verstörende und sehr komische Filme. Gewonnen hat eine alte Bekannte

Die Jury und glücklicher Drittplatzierter bei den Kurzfilmfestival im Neuwerk (von links): Andrzej Król, Nadja Dumouchel, Sandra Lösel, Kilian Schütz, Shaheen Dill-Riaz und Isabell Otto.
Die Jury und glücklicher Drittplatzierter bei den Kurzfilmfestival im Neuwerk (von links): Andrzej Król, Nadja Dumouchel, Sandra Lösel, Kilian Schütz, Shaheen Dill-Riaz und Isabell Otto. | Bild: Bild: Hanser

Es ist Sonntag, kurz vor 21 Uhr. Der Raum ist aufgeheizt, Spannung liegt in der Luft. Die Jury zieht sich zurück. Im abgedunkelten Raum des Neuwerks warten rund 80 Zuschauer auf die Verkündung des diesjährigen Siegers beim Kurzfilmfestival. Die Juroren werden es nicht leicht haben: 43 Filme von 60 Sekunden bis zu 30 Minuten Länge sind an diesem Wochenende über die Leinwand gelaufen und viele haben in ihrer Einzigartigkeit einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Die Organisatoren des Zebrakinos wurden zur siebten Auflage des Festivals unter der Leitung von Heinz Baumgartner mit knapp 400 Einreichungen überhäuft – ein Rekord. Die mühevolle Auswahlarbeit hat sich jedoch gelohnt: Das Programm war ebenso abwechslungsreich wie hochkarätig. Zu sehen gab es Dramatisches und Skurriles, Surreales und Poetisches, Verstörendes und umwerfend Komisches – mit oft rabenschwarzem Anstrich. Von Thriller über Dokumentarfilm, Puppentrick und Knet-Animation bis hin zur Roboter-Romanze war alles vertreten. Trotz des vielversprechenden Programms füllte sich der Zuschauersaal erst zum zweiten Festivalteil. Vor der endgültigen Auswahl hatte die Jury, in der unter anderem der Adolf-Grimme-Preisträger Shaheen Dill-Riaz sitzt, schon einige Zwischensitzungen hinter sich.

Das Gemurmel im Saal verstummt, als die Moderatoren Patrizia Hinkelbein und Michel Schreiber die Jury vor das Publikum bittet. Ein wenig Aufregung merkt man selbst den Juroren an. „Wir haben nicht einfach den besten Film gewählt“, erklärt Dill-Riaz, „sondern wir waren auf der Suche nach Besonderheiten, die einen Film von allen anderen abheben.“ Und das scheint ihnen gelungen zu sein. Mit dem ersten Preis ausgezeichnet hat die Jury einen Film, der im Vergleich zu vielen anderen eher leise, fast nüchtern, aber sehr eindringlich erzählt. „Hunger“ von Carolina Hellsgard zeigt einen Moment im Leben zweier vernachlässigter Jungen in einem Berliner Viertel. Als die Nachbarsfamilie abgeschoben wird, schleichen sich die Kinder in die Wohnung und entdecken eine ihnen bisher fremde Welt. Die Gewinnerin ist damit eine alte Bekannte: Carolina Hellsgard überzeugte bereits 2008 die Jury und räumte den ersten Preis ab. Mit „Musik und ein bisschen Melone“ hat sich ein Dokumentarfilm für den zweiten Preis durchgesetzt. Das Erstlingswerk von Korbinian Dufter wirft einen Blick auf den Alltag dreier blinder Münchner Musiker. Über Details lässt er den Zuschauer eindrucksvoll in ihre Welt eintauchen. Mit „Evelyn's Mind“ hat die Jury beim dritten Platz einen weiteren Akzent gesetzt. Marcus Meyer, Kilian Schütz und ihr Team nutzen darin auf faszinierende Weise filmtechnische Mittel, um unterschiedliche Realitäten ihrer Figuren zu charakterisieren.

Insgesamt hat sich der Kurzfilm wieder einmal grenzgängerisch und radikal gezeigt, in der Wahl der Themen wie auch der Techniken. Mit ihrer Auswahl hat es die Jury geschafft, aus der Vielfalt der Beiträge dennoch einige wenige zu würdigen, die sich durch ihre Besonderheit auszeichnen. Damit ging der vom Künstler Sandor Stieb designte Pokal auf die Reise nach Berlin, wo Carolina Hellsgard lebt und arbeitet – wenn sie nicht gerade in Schweden ist, so wie an diesem Festivalwochenende.

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