Die Natur ist komplexer als manche politische Debatte. Darin sind sich Biologen und Förster einig, wenn sie mal wieder erklären müssen, warum im Lorettowald Bäume gefällt werden. Die Debatte ist neu entbrannt, dabei ist von „Holzmüll“ die Rede. Die Förster schütteln nur den Kopf, schließlich geht es um natürliche Kreisläufe. Martin Schreiner, der Leiter des Kreisforstamts, findet den Begriff erschreckend: „Ist eines unserer wichtigsten natürlichen heimischen Produkte im Stadtgebiet von Konstanz sofort schon Müll, sobald es am Boden liegt?“
Der Lieblingswald der Konstanzer beschäftigt stets die Gemüter. Sobald Waldarbeiter mit der Säge anrücken, geht ein Aufschrei durch die Stadt. Die Förster verweisen dagegen an die längst gängige Wirtschaftsweise in den Wäldern: Der Begriff Nachhaltigkeit kommt aus der Forstwirtschaft, weil sie nur so viel Holz entnimmt, wie nachwächst. Nun ärgern sie sich über die neuerliche Debatte, nachdem Stadtrat Alexander Stiegeler (FWG) jüngst im Gemeinderat vom „Holzmüll“ im Lorettowald gesprochen hat. Für Martin Schreiner ist das Wort nicht nachvollziehbar: „Für ökologisch denkende und so wirtschaftende Menschen ist diese Bezeichnung erschreckend.“ Die Wortwahl erschwere nur die Umweltbildung, die man mit viel Aufwand gerade bei Schülern betreibe. Der Förster kennt die anhaltende Kritik, die mit der stadtnahen Lage zusammenhängt. Schreiner drückt es so aus: „Der Lorettowald ist uns lieb, er hat aber seine Schwierigkeiten.“
Alexander Stiegeler fühlt sich missverstanden. Ihm gehe es nur darum, dass das geschlagene und bereits verkaufte Holz von manchen Erwerbern zu lange liegen gelassen werde. Verrottendes Holz trage zur Verbreitung von Waldschädlingen bei. Das wird heute in der Waldwirtschaft aber vielfach anders gesehen, da Altholz zu einem naturnahen Wald gehört und zur Artenvielfalt entscheidend beiträgt. Seltene Käfer etwa sind darauf angewiesen.
Die Spitalstiftung vermarktet als Eignerin des Lorettowalds nur das Hackholz und die Reisschläge. Restholz bleibe im Wald liegen, berichtet Leiterin Ingeborg Rath: „Das Material stellt ökologisch wertvolles Totholz und Nährstoff für nachwachsende Bäume dar.“
Generell sei das Thema ökologischer Waldbau den Menschen in einem Erholungs- und Freizeitsport-Gebiet schwer zu vermitteln, schreibt Alexander Stiegeler an das Kreisforstamt. Dabei leiste Förster Michael Flöß im Lorettowald sehr gute Arbeit.
Martin Schreiner setzt auf Aufklärung. Es ist bereits eine Begehung mit den Stadträten geplant. Ein Termin mit Vertretern des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz) 2011 sei sehr erfolgreich gewesen. „Aus den Gesprächen heraus haben wir eine Bachelor-Arbeit bei der Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg angeregt“, berichtet er. Diese Arbeit zu Alt- und Totholz im Lorettowald werde dieses Jahr vorliegen.

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