Konstanz Kultur im Wohnzimmer
Spannende Momente: Autorin Ulrike Blatter las aus ihrem Kriminalroman „Der Mann, der niemals töten wollte“. Bild: Bild: Scherrer
Es war eine richtige Kulturbewegung, die in Konstanz zu verzeichnen war. Rund 300 Literaturinteressierte machten sich rechtzeitig vor Veranstaltungsbeginn um 18 Uhr auf, um in einer von 17 Privatwohnungen einer Lesung beizuwohnen. Spannend war für sie schon alleine die Tatsache, zu Gast bei Fremden zu sein und in privater Atmosphäre einem bekannten Schauspieler, Autoren oder Verleger zu lauschen.
So öffneten auch Brigitte und Herrmann Homburger ihre Tür und hießen die Gäste willkommen. Was für ein Empfang! Schon im Eingangsbereich sahen sich die Gäste einer Bücherwand gegenüber. Im Wohnzimmer ebenfalls viele Bücher und Sitzgelegenheiten für die Besucher, die hier quasi hautnah von Literatur umgeben waren. Eine junge Frau war sichtlich von dem Ambiente angetan. „Ich bin das erste Mal in einem Altstadthaus“, strahlte sie, die erst seit einem Jahr in Konstanz lebt. Und gleichzeitig überlegte sie, da sie für Veranstaltungen an ungewöhnlichen Orten ein Faible hat, ob sie im nächsten Jahr für die Veranstaltungsreihe „Literatur in den Häusern der Stadt“ nicht auch ihre Wohnung zur Verfügung stellen sollte.
Gastgeberin Brigitte Homburger hieß die Zuhörerschar nochmals offiziell herzlich willkommen: „Wir sind gespannt. Es wird interessant und gut werden. Ich kenne das Buch“, plauderte sie. „Man merkt die Fachkenntnis, was sehr wohltuend ist“, laudierte sie die Autorin Ulrike Blatter, die anschließend ihren Krimi „Der Mann, der niemals töten wollte“ zur Hand nahm und las. Von der ersten Minute an gelang es ihr, die Zuhörer in ihren Bann zu ziehen. Gekonnte Betonung der spannungsgeladenen und exquisit beschreibenden Textpassagen zeigte rasch ihre Wirkung. Im Raum knisterte beinahe die Spannung, denn bei mancher Szene trauten sich einige kaum mehr zu atmen.
Ulrike Blatter nahm die Besucher mit auf eine Achterbahn der Gefühle, als sie aus ihrem Krimi las, der traumatisierte Soldaten thematisiert. Und raffiniert machte sie neugierig. Gezielt hatte sie Textpassagen gewählt, die einen möglichst umfassenden Einblick in die verschiedenen Handlungsstränge des Krimis gaben, aber gleichzeitig neugierig auf das weitere Geschehen und natürlich den Schluss machten. Aber das Ende verriet sie wohlweislich nicht. Anschließend berichtete die Autorin, die im Hauptberuf Ärztin ist, von ihrer Arbeit im Kosovo und in Bosnien und von der Arbeit mit traumatisierten Soldaten. „Der Dialog zwischen den beiden Soldaten im Prolog – es sind fast alles Originalzitate“, berichtete Ulrike Blatter.
Warum sie gerade einen Kriminalroman als Genre wählte, wollte jemand wissen. Eigentlich hatte Ulrike Blatter mit Gedichten angefangen, aber „damit lässt sich kein Geld verdienen“. Krimis seien gefragt und: „Im Krimi kann man aktuelle gesellschaftspolitische Themen aufgreifen“, so Blatter, die auf Afghanistan und die traumatisierten deutschen Soldaten zu sprechen kam. Jetzt übrigens, wo sie mit ihren Kriminalromanen erfolgreich ist, „interessiert sich ein Verlag auch für meine Gedichte“, schmunzelte sie. Gerne beantwortete sie die zahlreichen Fragen, zum Beispiel nach dem Schreibprozess oder Täter- und Opferrolle.
Die Gespräche wurden sehr entspannt bei Wein und Snacks weitergeführt und so manches Buch von der Autorin signiert. Mit Worten wie „Danke für den tollen Abend“ und „Danke für Ihre Gastfreundschaft“ verabschiedeten sich die Besucher später bei Brigitte und Herrmann Homburger. Viele von ihnen gingen anschließend noch zur Salonnacht ins Café Wessenberg, um sich dort auszutauschen. Die zentrale Frage, die in den nächsten Tagen noch oft im Bekanntenkreis zu hören sein wird, lautete: „Und wie war's bei euch?“
