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Bodman/Radolfzell/Konstanz Kopf hoch und laut rufen: Stopp!

16.01.2008


Ob Trainingscamps oder Kinderknast - derzeit wird eine Verschärfung des Jugendstrafrechts in der Öffentlichkeit sehr kontrovers diskutiert. Die einen wollen strengere Gesetze, die anderen setzen auf Prävention, so wie Juliane Reuter aus Bodman. Seit einem Jahr ist sie mit ihrem Gewaltpräventionsteam Bodensee in der Region unterwegs und zeigt Kindern und Jugendlichen, ihre Grenzen zu ziehen.

Bodman/Radolfzell/Konstanz - Der achtjährige Ben steht fest auf beiden Beinen, streckt seinen Arm aus und sagt laut und bestimmt: "Stopp!" Die Trainerin Juliane Reuter erklärt ihm: "Die Armlänge ist dein Bereich. Da darf keiner eindringen." Es ist wichtig, dass Ben aufrecht steht, seinen Kopf hoch hält und seinem Gegenüber in die Augen sieht. "75 Prozent macht allein die Körpersprache aus", erklärt Juliane Reuter. Es geht zum einen darum, Gefahren zu erkennen und einzuschätzen, zum anderen darum, sich selbst zu behaupten durch den Einsatz von Stimme, Optik, Mimik, Gestik und Haltung. Und es geht darum, einfache und effektive Selbstverteidigungstechniken umzusetzen. Juliane Reuter hat das Programm zusammen mit Polizeibeamten, Lehrern, Erziehern, Psychologen, erfahrenen Selbstverteidigungsexperten und Wing Tsun-Trainern erarbeitet. Unterstützt wird das Gewaltpräventionsteam von der Polizeidirektion Konstanz. In das Programm fließen Elemente von Wing Tsun, einer alten chinesischen Kampfkunst: Geschärfte Wahrnehmung, effektive Technik und Aufbau des Selbstbewusstseins.

Derzeit setzt Juliane Reuter ihr Gewaltpräventionsprogramm in der Konstanzer Schule am Buchenberg um. Finanziert wird die Maßnahme über Spendengelder. Erst kürzlich hat sie einen Vertrag mit der Grund- und Hauptschule Allenbach über mehrere Jahre unterschrieben. Gewaltprävention insbesondere in der Grundschule hält der dortige Schulleiter Martin Holzinger für außerordentlich wichtig. Damit alle Kinder erreicht werden, soll das Projekt ab dem kommenden Schuljahr in den Schulvormittag eingebaut werden, und auch die Klassenlehrer sollen daran teilnehmen. "Je früher Kinder sensibilisiert werden, nein und stopp zu sagen, desto besser", ist Holzinger überzeugt. Geschult werden in der Allensbacher Schule dritte und fünfte Klassen. Froh ist Holzinger darüber, dass sich die Gemeinde an den Kosten beteiligt. "Wir haben das Gewaltpräventionsprogramm in den Schuletat mit aufgenommen. Für die Eltern entstehen keinerlei Kosten", erklärt der Schulleiter, der früher die Sernatingen Schule in Ludwigshafen geleitet hat und sich auch dort für Gewaltprävention stark gemacht hat.

Viele Schulen würden sich leider mit der Problematik nicht auseinandersetzen, insbesondere dann, wenn es sich nicht um so genannte Brennpunktschulen handele, bemängelt Juliane Reuter. "Sinnvoll wäre aber, alle Klassen komplett, inklusive der Lehrer zu unterrichten", formuliert sie ihren Wunsch. Lehrer könnten das Erlernte weiter anwenden, für den Klassenverbund, für die Schule wäre dies ein Gewinn. Juliane Reuter ermutigt nicht nur Schwächerer, sondern hilft auch den Kindern, die lernen müssen, ihre überschäumende Energie zu kontrollieren. "Gerade mit dritten und vierten Klassen kann man toll arbeiten."

Am 29. Februar und 1. März veranstaltet der TSV Bodman einen neun Unterrichtseinheiten umfassenden Selbstbehauptungskurs für Kinder im Grundschulalter. Juliane Reuter und das Gewaltpräventionsteam Bodensee arbeiten ehrenamtlich für die Kinder in Bodman. Die Kinder müssen zwar eine Teilnahmegebühr bezahlen, doch der Erlös soll einem wohltätigen Zweck in der Region zu Gute kommen. "Das ist mein dritter Kurs mit dem TSV Bodman, nur diesmal ist er größer und die Polizeidirektion Konstanz beteiligt sich daran", freut sich Juliane Reuter.

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