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Konstanz Konstanzerin kämpft fürs Baden im Burkini

Angebliche Hygieneprobleme und offensichtliche politische Motive: In den Konstanzer Bädern dürfen Muslima nicht in Ganzkörper-Badeanzügen schwimmen. Eine Frau kämpft nun dagegen und könnte die Stadt vor Gericht und Konstanz so bundesweit in die Schlagzeilen bringen.

Sie spricht ruhig, klar, ohne Akzent, allenfalls mit leicht Konstanzer Klangfarbe. Kein Wunder: Ela B. (Name von der Redaktion geändert) ist gebürtige Konstanzerin. In der Jugend war sie bei den Konstanzer Frichtle, sie hört Musik von Metallica und Nirvana, sie ist vielfach engagiert in der Stadt, etwa in der Elternvertretung und für die Opfer von Krieg und Gewalt. Sie steht seit 14 Jahren im Beruf und hat zwei Kinder. Es ist die Frau, die in Konstanz für das Recht kämpft, in den Bädern der Stadt einen Burkini tragen zu dürfen – einen Badeanzug also, der den Kopf, die Brust, den Bauch, den Rücken, die Beine und die Arme bedeckt sowie die Konturen des Körpers verhüllt.

Die Badeordnung in den städtischen Bädern sieht das Tragen „üblicher Badekleidung“ vor, zu der nach Auslegung der Bädergesellschaft Ganzkörperkleider nicht gehören. Nun hat Ela B. den Entwurf einer Klageschrift zur Stadt geschickt. Noch hat sie ihn nicht beim Verwaltungsgericht Freiburg eingereicht, behält sich das aber vor. Die Stadt Konstanz überlegt noch, wie sie mit dem Vorstoß umgeht.

Jetzt beraten sich die Fachämter
  • So reagiert die Stadt:
    Fachämter klärten derzeit, wie Konstanz mit der Klageandrohung umgehen wolle, sagt Stadtsprecher Walter Rügert auf Nachfragen. Es werde unter anderem darüber beraten, ob das Thema in die politische Debatte in den Gemeinderat getragen wird. Nach den Osterferien solle dies geklärt werden. Anders als in bisherigen Stellungsnahmen zum Thema durch Bäderchef Georg Geiger sagt Walter Rügert, grundsätzlich sprächen keine hygienischen Gründe gegen das Tragen eines Burkini. Die aktuelle Badeordnung sehe aber keine Ganzkörperbekleidung vor. Dort heißt es, ganz allgemein gehalten, der Aufenthalt sei nur „in üblicher Badekleidung“ gestattet.
  • Brisanz für Juristen:
    Brisanz erhält eine mögliche gerichtliche Auseinandersetzung um die Zulassung des Burkini in Konstanzer Bädern durch ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom September 2013. Nach diesem haben muslimische Schülerinnen keinen Anspruch auf die Befreiung vom gemeinsamen Schwimmunterricht mit Jungen. Das Gericht begründet dies wie folgt: Die Schülerinnen könnten Schwimmkleidung tragen, die zur Wahrung der muslimischen Bekleidungsvorschriften entwickelt wurden – also eben den Burkini. In den Konstanzer Bädern ist ihnen dies derzeit allerdings nicht gestattet. In anderen Bäderbetrieben, etwa in Frankfurt und Berlin, ist der Burkini erlaubt.

Ela B. stellt sich als moderne, selbstbewusste Frau vor, die sich vor knapp drei Jahren entschieden hat, Kopftuch zu tragen. Sie sagt dazu: „Es ist kein Symbol. Es ist meine Pflicht.“ Für Ela B. gehören Kopftuch und das Bedecken des Körpers zu ihrer Pflicht als gute Gläubige, ebenso wie das Beten, das Fasten, die Pilgerfahrt, das Glaubensbekenntnis und die Armenspende. Mit dem Anblick anderer, freizügig gekleideter Badegäste, so versichert sie auf Nachfragen, könne sie umgehen.

Ihre Eltern, so berichtet sie, kommen aus der Türkei. Sie schildert sie als Menschen, die den Islam lebten, aber dennoch jedem die Freiheit des Glaubens ließen. Von fünf Schwestern in der Familie hätten sich zwei für und drei gegen das Kopftuch entschieden: Jede habe das für sich selbst klären und verantworten können. Ela B. sagt, sie sei schon immer praktizierende Muslima gewesen, doch den Mut, auch zum Tragen des Kopftuchs zu stehen, habe sie erst vor knapp drei Jahren aufgebracht. In dem Unternehmen, in dem sie seit vielen Jahren arbeitete, sei sie ohne weitere Ankündigung mit verhülltem Kopf erschienen, und dennoch habe sie dort niemand anders behandelt als zuvor.

In „ihrer“ Stadt Konstanz, sagt Ela B. weiter, sei sie wegen des Kopftuchs auch an anderer Stelle nicht ausgegrenzt worden. Doch dann sei der 10. Juli 2013 gekommen. Damals wollten sie, ihre beiden Kinder und eine Freundin ins Schwaketenbad. Als sie ankündigte, einen Ganzkörperanzug beim Baden tragen zu wollen, sei ihr der Zugang verwehrt worden. Sie habe nicht in und auch nicht ans Becken gedurft. Sie hat den Eindruck, sie sei mit ihrem Anliegen nicht ernst genommen worden.

Ausdruck von Lebensfreude

In einem Schreiben an die Integrationsbeauftragte der Stadt Konstanz, die als Vermittlerin eingeschaltet war, begründet Bäderchef Georg Geiger das Burkini-Verbot unter anderem mit hygienischen, aber auch politischen Gründen. Gäste könnten sich „durch die Anwesenheit korankompatibler Badekleider verunsichert und bedroht fühlen“, heißt es darin. Der Klageentwurf weist diese Annahme als „bizarr“ zurück. Das Schwimmen mit dem Burkini sei nicht Ausdruck einer politischen Haltung der Klägerin, sondern Ausdruck von Lebensfreude und des Willens, sich trotz verschiedener Lebensanschauungen integrieren zu wollen.

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