Konstanz Konstanzer vertrauen ihren Nachbarn

Eine Studie des Exzellenzclusters der Universität Konstanz zeigt: Konstanzer und Kreuzlinger Bürger fühlen sich in ihrer Heimat wohl. Nur die Deutschen in der Schweiz nehmen eine Sonderrolle ein.
Kommentar: Gutes Miteinander

Die Uni-Wissenschaftler Thomas Wöhler, Thomas Hinz, Birte Gundelach und Markus Freitag (von links) haben herausgefunden, dass Konstanzer und Kreuzlinger sich in ihren Städten überdurchschnittlich wohl fühlen.
Die Uni-Wissenschaftler Thomas Wöhler, Thomas Hinz, Birte Gundelach und Markus Freitag (von links) haben herausgefunden, dass Konstanzer und Kreuzlinger sich in ihren Städten überdurchschnittlich wohl fühlen. | Bild: Bild: Schlüter

Nun ist es amtlich: Die Konstanzer Bürger fühlen sich wohl in ihrer Heimat. Sie vertrauen den Mitbürgern, besuchen regelmäßig die Nachbarn und haben mit 39 Prozent überdurchschnittlich viele Kontakte zu Personen, die ursprünglich aus einem anderen Land stammen als sie selbst. Das Schöne dabei ist: Genau dasselbe gilt auch für die Kreuzlinger Bürger. In beiden Städten geben die befragten Bewohner ihre allgemeine Lebenszufriedenheit mit dem Wert 8 an – die Skala reicht von 0 bis 10.

Dies sind die Ergebnisse einer Studie des Exzellenzclusters „Kulturelle Grundlagen von Integration“ der Universität Konstanz mit Unterstützung der beiden Städte. Der empirische Sozialforscher Thomas Hinz und der Politologe Markus Freitag sowie ihre beiden Mitarbeiter Birte Gundelach und Thomas Wöhler wollten wissen, wie gut das multikulturelle Zusammenleben in Konstanz und Kreuzlingen funktioniert. Auf den ersten Blick scheint die Studie viele Gemeinsamkeiten zwischen beiden Städten ans Licht zu bringen. So sehen die befragten Konstanzer (600 Personen) und die Kreuzlinger (200 Personen) vor allem den Müll in ihren Nachbarschaften als Problem an – nicht so sehr aber Überfälle, Jugendgangs oder die Herkunft der Nachbarn. In beiden Städten besucht über die Hälfte der Befragten ihre Nachbarn und weit über die Hälfte ist aktives Mitglied in einem Verein.

Beim genaueren Hinsehen werden aber doch Unterschiede sichtbar. Während in Konstanz 80 Prozent der deutschen Berufstätigen und 75 Prozent der Migranten direkt vor Ort arbeiten, haben nur 39 Prozent der Schweizer und 59 Prozent der Migranten (Deutsche ausgenommen) ihren Arbeitsplatz in Kreuzlingen. Drei Viertel der Kreuzlinger Deutschen verdienen ihr Geld auswärts. Die Sonderrolle der Deutschen zeigt sich auch im Fernsehkonsum mit dem Fokus auf deutsche statt Schweizer Sendungen. Der deutlichste Unterschied zwischen den Städten findet sich aber beim Zugehörigkeitsgefühl. In Konstanz gibt fast die Hälfte der Befragten mit Migrationshintergrund an, sich der Gesellschaft zugehörig zu fühlen. In Kreuzlingen liegt dieser Wert nur bei gut 30 Prozent – wobei sogar nur neun Prozent der Deutschen sagen, dass sie sich als Teil der Gesellschaft sehen.

„Die Deutschen in Kreuzlingen orientieren sich noch sehr stark nach Konstanz“, sagt Markus Freitag. Dies dürfe aber nicht überbewertet werden, weil die Deutschen im Schnitt erst seit fünf Jahren in der neuen Heimat wohnen – andere Migrantengruppen hatten dagegen schon seit 25 Jahren Zeit, sich einzugewöhnen. Für die Kreuzlinger Integrationsbeauftragte sind die Zahlen über die Deutschen in der Schweiz nicht besorgniserregend. Und ihre Konstanzer Kollegin Elke Cybulla sagt: „Die guten Ergebnisse für Konstanz decken sich mit meinen Erfahrungen aus Besuchen in den Nachbarschaften. Integration wird gelebt, auch wenn sich wenige nicht integrieren wollen. “ Oberbürgermeister Horst Frank ist ebenfalls zufrieden: „Bereits im vergangenen Jahr hat uns die Urban-Audit-Studie hervorragende Werte beim Thema Integration bescheinigt. Die Studie der Universität stellt eine wertvolle Ergänzung dar, da sie das Thema noch detaillierter bearbeitet. Wir werden die Ergebnisse auf jeden Fall analysieren und bei unserem weiteren Engagement für ein gutes Zusammenleben der Bürger in unserer Stadt berücksichtigen.“ In Kreuzlingen sind die Interviewer noch dabei, letzte Gespräche zu führen. Stadtammann Andreas Netzle möchte deshalb noch nicht auf einzelne Punkte eingehen. „Wir nehmen erst dann Stellung, wenn das für Kreuzlingen vollständige Resultat der Befragung vorliegt und die Diskussion der Ergebnisse mit den Verfassern der Studie erfolgt ist“, so Netzle.

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