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Konstanz Konstanzer Stadtwerke lassen Fähre-Leitwerke überholen

13 Jahre lang waren sie im Dauereinsatz. Verzögerungen beim Fährebetrieb nach Meersburg und zurück sollen während der Revision möglichst selten bleiben. Die Aufträge wurden an Fremdfirmen vergeben.

Die Stadtwerke überholen derzeit die vier Leitwerke in den Fährhäfen Konstanz und Meersburg. Gemeint sind damit die vier beweglichen Brücken, an denen die Fährschiffe anlegen. Die genauen Kosten ließen sich derzeit noch nicht bestimmen, da sich der Aufwand je Leitwerk nicht präzise abschätzen lasse, berichtet Stadtwerke-Pressesprecher Josef Siebler. "Aber es dürfte eine sechsstellige Summe werden", erklärt er.

Fachmonteur Helmut Spechert führt das Endoskop in einen Elektromotor ein während Servicetechniker Mario Kappe (v.l.) das Gerät steuert und den Monitor beobachtet.
Fachmonteur Helmut Spechert führt das Endoskop in einen Elektromotor ein während Servicetechniker Mario Kappe (v.l.) das Gerät steuert und den Monitor beobachtet.

Die Generalüberholung solle die Anlagen wieder auf einen ordentlichen Stand bringen, erklärt Technik-Leiter Hans-Dieter May. "Die Brücken sind seit 13 Jahren im Dauereinsatz", berichtete er. "Die Ketten und Zahnräder sind abgenutzt", erläutert der Projektverantwortliche. Die Betonsockel werden auf Risse untersucht. "Ich glaube nicht, dass es welche gibt", betont May. Er rechnet damit, dass die Revision drei bis vier Wochen dauert. Die Schiffe fahren nach Regelfahrplan, tagsüber alle 15 Minuten. "Nur in Ausnahmefällen kann es zu Verzögerungen im Betriebsablauf kommen", teilt Pressesprecher Siebler mit.

Saubermachen gehört auch dazu: Metallgestalter Benedikt Axtmann putzt mit Bremsenreiniger das Geländer. Schmierfett ist durch die Arbeiten an Ketten und Zahnrädern draufgespritzt. Bild: Nikolaj Schutzbach
Saubermachen gehört auch dazu: Metallgestalter Benedikt Axtmann putzt mit Bremsenreiniger das Geländer. Schmierfett ist durch die Arbeiten an Ketten und Zahnrädern draufgespritzt. Bild: Nikolaj Schutzbach

Für eine erfolgreiche Ausführung der Arbeiten sei eine rechtzeitige Planung erforderlich, berichtet der Technik-Leiter. Die Austauschteile müssten frühzeitig bestellt werden, denn ihre Lieferzeit betrage zwölf bis 18 Wochen, da es sich nicht um Serienprodukte handle. Falls im täglichen Betrieb beispielsweise ein Kettenschloss bricht, liegen welche im Ersatzteillager. "Ein Bruch kann schon mal vorkommen", erzählt May. Da pro Turm eine Doppelkette ihre Arbeit verrichtet, kann die Brücke trotzdem gehoben und gesenkt werden, wenn eine Kette ausfällt. "Wir sind so gut wie möglich auf Redundanz ausgelegt", erläutert Hans-Dieter May. Die Ketten seien dafür ausgelegt. Da dies nicht für den Dauerbetrieb gedacht ist, erfolgt so schnell wie möglich eine Reparatur. "Diese versuchen wir tagsüber in Schwachlastzeiten oder in der Nacht vorzunehmen", ergänzt er.

Hans-Dieter May, Technik-Leiter beim Fährebetrieb der Stadtwerke Konstanz, hebt eine der neuen Ketten an, die am Vorplatz bereit gelegt sind. Bild: Nikolaj Schutzbach
Hans-Dieter May, Technik-Leiter beim Fährebetrieb der Stadtwerke Konstanz, hebt eine der neuen Ketten an, die am Vorplatz bereit gelegt sind. Bild: Nikolaj Schutzbach

Die Aufträge für die Revision haben die Stadtwerke an Fremdfirmen vergeben, die 2004 die acht Brückentürme umgebaut haben. "Eigenes Personal setzen wir höchstens mal unterstützend ein", erläutert May. Es werde bei den Schiffen benötigt. "Jedes wird einmal im Jahr von oben bis unten durchgecheckt", berichtet der Technik-Leiter. Derzeit erhalte die Motorfähre Konstanz neue Generatoren.

Nach der Sperrung des Leitwerks hebt ein Autokran die Blechabdeckungen ab, unter denen die Getriebe verborgen sind. Er wird ebenfalls zum Aus- und Einheben der Elektromotoren und Ketten eingesetzt. Ketten und Zahnräder werden ausgetauscht und tüchtig eingefettet. In der Fähre-Werkstatt wartet und überprüft Servicetechniker Mario Kappe von SEW Eurodrive die Motoren. "Ölwechsel und die abtreibende Welle neu abdichten", beschreibt er einige Arbeiten.

"Vom ersten Antrieb haben wir eine Endoskopie gemacht", berichtet er. Dabei kontrollierte er im Motorinnern unter anderem die Lage und Zahnräder. Ein flexibles Videoendoskop (eine Art Kabel über das Bilder aus dem Geräteinnern an einen Monitor übertragen werden) wird dazu über eine kleine Öffnung ins Innere des Geräts eingeführt. Aus Kostengründen werde nur ein Elektromotor auf diese Art untersucht worden, erklärt May. Da es keinerlei Auffälligkeiten gab, gehe er davon aus, dass die anderen gleich alten Motoren ebenfalls einwandfrei seien.

Christoph Herth vom Einkauf hat sich zur Mitarbeitermotivation ein Spiel ausgedacht. Wer wollte, durfte das Gewicht einer Kette schätzen. Wer am weitesten davon weg lag, musste den anderen Wettteilnehmern eine Runde Cola spendieren, erzählt er. "Ein Kette wiegt 200 Kilogramm", verriet er.

Die Fähre-Leitwerke

Pro Jahr gebe es durchschnittlich 65 000 Überfahrten, teilt Hans-Dieter May mit. Das ergibt je 32 500 Anlegemanöver an den vier Leitwerken. Jede der Brücken sei seit 2004 rund 400 000 Mal bewegt worden. "Im Jahr 2004 waren die Leitwerke umgebaut worden, um die Abläufe besser zu organisieren", berichtet May. So wurden die Antriebe verkleinert. Sie befinden sich den Türmen links und rechts der Brücke. Daher konnten die Türme verschmälert werden, um Fußgängerwege anzubringen. Bis dahin teilten sich Fußgänger und Autos die Fahrbahn. Die Steuerung konnte zugleich von Schütze (elektrisch oder pneumatisch betätigte Schalter) aus den 1950er Jahren auf elektronische Steuerung umgestellt werden. Die Hubhöhe wurde um einen halben Meter erhöht Eine uferseitige Rampe kann bei Hochwasser einen Höhenunterschied von 40 Zentimetern ausgleichen. Dies verringert den Anstellwinkel zwischen Brücke und Fähre, sodass die Gefahr des Aufsetzens eines Fahrzeugs deutlich geringer ist. Jede Brücke wiegt 24 Tonnen, die Gegengewichte wiegen je zwölf Tonnen. (nea)

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