Mein

Konstanz Konstanzer Prorektorin verteidigt Bologna-Reformen

18.08.2012
Konstanz -  Die Studienreform nach dem Bologna-Modell habe wichtige Ziele verfehlt, erklärte kürzlich der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz. An der Universität Konstanz sieht man das anders

Mehr Stress, aber auch mehr Möglichkeiten? Die Bologna-Reform an den Hochschulen ist umstritten. Studierende, wie hier an der Universität Konstanz, haben sich immer wieder über deutlich gestiegene Arbeitsbelastung beklagt.  Bild: uni konstanz

Service
Artikel drucken  Artikel drucken
  Artikel versenden

  Newsletter
  RSS-Feed


2009 war das große Jahr der Proteste gegen die Hochschulreform nach dem so genannten Bologna-Modell. Europaweit gingen Studierende gegen eine „Verschulung“ und hohe Arbeitsbelastung durch die neuen Bachelor- beziehungsweise Masterabschlüsse auf die Straße. Der Protest war in den meisten Fällen durchaus begründet: Viele Unis hatten zu Beginn des Reformprozesses schlicht die Inhalte des alten Studiums in die neue, kürzere Version gepresst. In einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ hatte Horst Hippler, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, jetzt erneut Kritik an dem gesamten Verfahren geübt. Der Prozess habe wichtige Ziele verfehlt und bringe zudem nicht die Absolventen, die in der Wirtschaft gebraucht würden.

An der Universität Konstanz sieht man die Lage differenzierter. „Der sechssemestrige Bachelor-Studiengang wird bedauerlicherweise viel zu oft als ein Zeitkorsett verstanden, das er in Wirklichkeit nicht ist“, sagte Katharina Holzinger, Prorektorin für Internationales und Gleichstellung an der Universität, in Vertretung des Rektors Ulrich Rüdiger. Ein sechssemestriger Bachelor-Studiengang sei ein Versprechen, aber keine Verpflichtung, dass der Studiengang in sechs Semestern abgeschlossen sein muss: „Für den Bachelor-Studiengang gilt dieselbe goldene Regel wie für die vorhergehenden Diplom- und Magisterstudiengänge: Das Zeitmaß des Studiums sollte an den persönlichen Bedürfnissen ausgerichtet sein“, so Holzinger. Gleichwohl räumt auch die Konstanzer Prorektorin ein, dass es Optimierungsbedarf im System gebe: „Eine solche Optimierung kann nur darin bestehen, die Potentiale des Systems auszubauen und an den Schwachstellen nachzubessern.“

Als Beispiel nennt sie die Einführung der ersten achtsemestrigen Bachelor-Studiengänge 2011 an der Universität Konstanz. Ziel sei es damals gewesen, den Anforderungen von besonders zeitintensiven Studiengängen und den Bedürfnissen des Arbeitsmarkts gerecht zu werden. In dem Pilotprojekt „Master of Education“ zeige sich zudem das Potential eines gestuften Studiengangs. Gemeinsam mit der Pädagogischen Hochschule Freiburg biete die Universität Konstanz eine Lehramtsausbildung, die mit dem Bachelor verknüpft sei: „Studierende müssen sich nicht länger schon vor dem ersten Semester auf den Lehrerberuf festlegen, sondern können nach einem Bachelor-Fachstudium auf den Lehramts-Master umschwenken“, erklärt Holzinger. Aus ihrer Sicht sei das Studium durch die Reformen auch flexibler geworden. „Durch den modulartigen Aufbau des Studiensystems ist es wesentlich einfacher, während des Studienverlaufs den Kurs in Richtung auf ein Berufsfeld zu wechseln oder eine Spezialisierung vorzunehmen“, so Holzinger.

Das Bachelor-Studium habe auch die internationale Mobilität der Studierenden erhöht, glaubt Holzinger. Das Kreditpunkte-System sei hier sehr hilfreich. Allerdings: Manchmal wäre bei der Anerkennung der Leistungen etwas größere Flexibilität an den Universitäten wünschenswert – „dies ist jedoch nicht dem Bologna-Prozess anzulasten“, so die Prorektorin.

Mehr zum Thema: Universität Konstanz
Hörsaal

In unserem Themenpaket gibt es alle Neuigkeiten rund um die Uni Konstanz.

zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Schreiben Sie Ihre Meinung
Überschrift
Text


noch 1000 Zeichen


Informiert bleiben:
Bei jedem neuen Kommentar in dieser Diskussion erhalten Sie automatisch eine Benachrichtigung
Unsere Community-Regeln