Wochenende für Wochenende feiern hier tausende Menschen friedlich - zumindest meistens. Doch nach dem schweren Angriff auf den Basketballer Lars Menck steht das Konstanzer Industriegebiet Oberlohn erneut in einem schlechten Licht. Diskothekenbetreiber, Polizei und Stadt wehren sich gegen die Vorwürfe des "Problemgebiets".
Immer wieder tauchen im Polizeibericht Meldungen über brutale Gewalt im Konstanzer Industriegebiet Oberlohn auf. Am vergangenen Samstag wurde dort nicht nur der Basketballer Lars Menck vom TV Konstanz schwer verletzt. Die Polizei berichtete auch von Angriffen mit einer Glasflasche, mit der Stange eines Fahrradsattels und einem Besenstiel. Jan Mittelstaedt, in dessen Werbeagentur Lars Menck halbtags arbeitet, sieht den Oberlohn zunehmend als Gefahrenpunkt: "In meiner Jugend habe ich mich dort sicher gefühlt. Heute gehen viele nachts nicht mehr freiwillig durch das Industriegebiet", sagt er. "Das Areal wird zum ernsthaften Problem für Anwohner und Firmen." Mittelstaedt fordert eine erhöhte Polizeipräsenz und sagt: "Man müsste auch das Thema Videoüberwachung in dem Bereich noch mal angehen."
Die Betreiber der Diskotheken wollen dagegen von einem "Brennpunkt Oberlohn" nichts wissen. Im Zusammenhang mit den gewalttätigen Auseinandersetzungen will keiner von ihnen in der Zeitung genannt werden. Einhellig verweisen die Gastronomen darauf, dass die Zahl der Übergriffe gemessen an den tausenden Disko-Besuchern vergleichsweise gering sei. An einem gut besuchten Abend halten sich bis zu 3000 Menschen in den Diskos im Industriegebiet auf. Neben dem Dance Palace gab es bisher das Allegro, das an diesem Wochenende schließt. Neu ist das 19 Karat. Regen Zulauf hat auch die Blechnerei, deren Vermieter aber nicht selbst als Party-Veranstalter auftritt.
Für Polizeisprecher Michael Aschenbrenner sind die Vorkommnisse im Oberlohn nicht überraschend: "Wo viele Leute hingehen, wo es Partys gibt, sind auch mehr Straftaten", sagt er. Die Polizei sei bereits mit den Diskobetreibern in Kontakt und kontrolliere verstärkt ankommende und abfahrende Gäste. An Wochenenden mit vielen Vorkommnissen sei die Konstanzer Polizei allerdings an der Schmerzgrenze: "Wir können nicht beliebig viele Kollegen rausschicken", sagt Aschenbrenner. "Noch bekommen wir unsere Arbeit hin, weil wir alle engagiert sind, aber noch mehr Abbau wäre ganz schwierig."
Aschenbrenner wehrt sich gegen die Behauptung, nach dem brutalen Übergriff auf den Basketballer Lars Menck sei eine Ermittlungspanne passiert. Menck war von drei bislang unbekannten Tätern grundlos mit einem Gürtel angegriffen worden. Natürlich sei sofort nach dem Überfall eine Fahndung eingeleitet worden. Als Kollegen in der Macairestraße um Hilfe gebeten haben, weil sie selbst in Bedrängnis kamen, wurde die Fahndung nach 15 Minuten abgebrochen.
Die Stadt ist gegenüber den Aggressionen mehr oder weniger machtlos. "Wir können nur vorübergehende Glas- oder Alkoholverbote aussprechen", sagt Hans-Rudi Fischer, Leiter des Bürgeramts. Rechtlich habe die Stadt kaum mehr Möglichkeiten. "Die Gewalt ist erschreckend", sagt Fischer. "Wir können immer nur reagieren. Wenn wir den Zähringerplatz befriedet haben, wissen wir nicht, wo als nächstes Probleme auftauchen." Dass die Jugend immer brutaler wird, kann Jugendamtsleiter Jürgen Treude nicht bestätigen. Im Jahr 2007 wurden ihm 556 Delikte von 422 Tatverdächtigen gemeldet. In seine Statistik fallen nur die 14- bis unter 21-Jährigen, die schwere Taten begehen oder wiederholt auffallen. Gefährliche Körperverletzung haben etwa 50 Personen begangen. "Diese Zahl hat sich in den vergangenen Jahren nicht wesentlich verändert", so Treude. Auch die Statistik der Polizei Konstanz zeigt: Die Anzahl der Körperverletzungsdelikte bleibt seit einigen Jahren ähnlich.
Inzwischen sind einige Angaben zu den Tätern bekannt, die Lars Menck angegriffen haben. Der Kleinste ist etwa 1,70Meter groß, der Größte etwa 1,85Meter. Er ist der Haupttäter und hat laut Polizei kurze dunkle Haare, trägt einen Oberlippen- und einen Kinnbart und ist etwa 25 Jahre alt. Die Polizei bittet um Hinweise unter der Telefonnummer 07531/9950.
Unterdessen bangt der 30-jährige Basketballer Lars Menck weiter um sein Augenlicht: Seit gestern trägt er eine Titanplatte im Gesicht. Jochbein und Oberkiefer sind zerstört, sein linkes Auge könnte unter Umständen erblinden.
Bilder von Lars Menck
Die Polizei tut immer so wahnsinnig ...
Sie dürfen es leider nicht.