Konstanz Konstanzer Lastenradler haben es geschafft: Nach 1040 Kilometern Ankunft in Norderstedt

Wer bisher über die Konstanzer Transporträder gelächelt hat, darf jetzt mal kurz staunen: Marco Walter und Nathalie Niekisch sind mit zwei der Gefährte bis nach Norderstedt bei Hamburg geradelt. Und hatten auch noch Spaß dabei.

Eine Lieferung per Transportrad hat es über eine so weite Strecke in der jüngeren Geschichte wohl nicht gegeben: 1040 Kilometer zeigte der Tacho, als Marco Walter und Nathalie Niekisch in Norderstedt vor den Toren Hamburgs ankamen. Zwei Wochen waren sie unterwegs – mit ungewöhnlichen Gefährten, einer ganz speziellen Ladung und einer besonderen Mission. Mit einem zwei- und einem dreirädrigen Lastenrad bewegten sie sich aus eigener Kraft fort, zur Fracht gehörte ein von OB Uli Burchardt gestifteter Geschenkkorb mit Konstanzer Spezialitäten, und unterwegs warben die beiden Botschafter durch Präsenz im Straßenbild wie auch in vielen Fachgesprächen an den Etappenorten für die Idee der Transporträder.

Zurück in Konstanz, zieht Marco Walter eine positive Bilanz. Auch im Winter, bei Kälte und an Tagen mit früher Dämmerung hätten die Räder ihre Alltagstauglichkeit bewiesen – einschließlich Rücktransport mit der Bahn. Nur einmal, sagt Walter, sorgte Glatteis für eine Zwangspause. Die 2000 Höhenmeter dagegen seien weniger mühsam gewesen als erwartet – obwohl die Räder keinen elektrischen Zusatzantrieb haben und mit einer eigentlich auf den Stadtverkehr ausgerichteten Acht-Gang-Nabenschaltung ausgerüstet sind.

In Norderstedt war das Hallo groß, als Marco Walter und Nathalie Niekisch vom fernen Bodensee eintragen. Wie auch in den Gesprächen mit städtischen und privaten Fahrrad-Aktivisten entlang der Strecke, erlebten sie am Ziel der langen Tour viel Wohlwollen. Der Norderstedter Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote freute sich über den Geschenkkorb mit regionalen Bio-Spezialitäten. Norderstedt ist zusammen mit Konstanz eine der bundesweit nur zwei Modellstädte, in denen Tink (Transportrad-Initiative nachhaltiger Kommunen) das ungewöhnliche Verleihsystem testet.

Die beiden Städte hatten im Juli die größten öffentlichen Mietsysteme für Lastenräder in Deutschland gestartet und hatten damit bundesweit für Interesse gesorgt. Fahrad-Lobbyisten, Politiker und Medien haben sich bereits umfassend mit dem neuen Angebot für eine benutzer- und umweltfreundliche innerstädtische Mobilität beschäftigt. Auch die Nachfrage der Nutzer ist unverändert hoch: Selbst im Winter übertreffen die Ausleihzahlen alle Erwartungen, so Marco Walter.

Die Kosten, die für Konstanz bei 240 000 Euro für die beiden Jahre des Modellversuchs liegen, trägt zu 80 Prozent der Bund, der Rest stemmt die Stadt. Das Ministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur fördert im Rahmen des Nationalen Radverkehrsplans 2020 (NRVP) auch die Begleitforschung der Projektpartner e-fect eG und InnoZ GmbH. Die Zahl von 2000 registrierten Nutzern, die das Projekt zum Ende der Laufzeit im Juli 2018 für Konstanz angepeilt hatte, ist schon jetzt erreicht.

 

Ihre Meinung ist uns wichtig
Mehr zum Thema
Verkehr in Konstanz: Überlastete Straßen, zu wenig Parkplätze und das Park and Ride-Angebot - im SÜDKURIER-Themenpaket finden Sie aktuelle Artikel und Hintergründe zum Thema Verkehr in Konstanz.
Hervorragende Weine vom Bodensee
Neu aus diesem Ressort
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Allensbach
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren