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Konstanz Konstanzer Klinik: Angestaubte Spinnweben, dunkle Flecken und tote Fliegen an den Wänden von Patientenzimmern

Offensichtlich hygienische Mängel im Krankenhaus. Die Verantwortlichen bedauern den Zustand. Wir haben die Bilder

Saubere und gepflegte Zimmer sind so etwas wie die Visitenkarte eines Krankenhauses. Hygiene weckt Vertrauen, gibt den Patienten ein gutes Gefühl. Wer sich wohl und sicher aufgehoben fühlt, wird schneller gesund. Der Kopf spielt eine große Rolle während eines Aufenthaltes im Krankenhaus. Umso schlimmer, wenn Sauberkeit und Hygiene ganz offenbar keine große Rolle spielen. "Ich habe die Schnauze voll und will nur noch weg", sagt Jörg Dimmeler und zeigt erst in die Ecken seines Zimmers, dann auf den Lüftungsschacht und schließlich auf die Fenster. Spinnenweben. Dunkle Flecken. Haufenweise kleine, tote Fliegen, die eigentlich nur im Sommer in dieser Vielzahl auftreten. "Mir ekelt es mittlerweile regelrecht davor", erzählt der 59-Jährige, der seit dem 31. Januar in diesem Zimmer liegt und nach eigenen Aussagen bereits am ersten Tag auf die Missstände hingewiesen hat. "Ich kann das nicht mehr sehen." Ein Freund von ihm hat vor einigen Tagen Bilder gemacht. Auf denen ist exakt dasselbe zu sehen wie am Mittwoch.

Jörg Dimmeler wurde am 8. Januar nach einem Sturz mit doppeltem Bruch des Sprunggelenks in die Konstanzer Klinik eingeliefert. Nach zehn Tagen wurde er entlassen. Die Wunde entzündete sich, schließlich kam er als Notfall in der Nacht vom 30. auf den 31. Januar erneut ins Krankenhaus. Es folgten weitere Operationen. Sein Bein ist seither offen, Staphylokokken wurden nachgewiesen. Das sind kugelförmige Bakterien, die auf Haut und Schleimhäuten leben. Sie sind oft harmlos, können jedoch auch Infektionen im Weichgewebe und in inneren Organen hervorrufen und dann lebensgefährlich werden.

Bild: Andreas Schuler

Es droht eine sechste Operation, bei der Haut vom Oberschenkel verpflanzt werden könnte. "Wer weiß, was da aus dem Lüftungsschacht auf mich bläst?", sagt der Patient. Die Lamellen haben Schmutzränder und dicke Spinnweben. Dort, wo die Luft auf die Decke trifft, sind kleine, dunkle Flecken zu erkennen. Womöglich Schimmel?

Der Gesundheitsverbund im Landkreis Konstanz, zu dem auch die Konstanzer Klinik gehört, möchte den vom SÜDKURIER aufgedeckten Missstand ernst nehmen. Ein Vertreter des Instituts für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention im Verbund möchte sich heute zusammen mit dem SÜDKURIER und der Leitung der Abteilung Reinigung ein konkretes Bild von der Lage machen. "Es liegt auch in unserem Interesse, der Sache nachzugehen, sie aufzuklären und zu beseitigen, denn wir nehmen Ihren Vorwurf sehr ernst", heißt es vonseiten des Verbundes.

Bild: Andreas Schuler

Scander Radsi ist als Abteilungsleiter Service für die Sauberkeit zuständig. Er erklärt, wie die Krankenzimmer gereinigt werden: "Die Bodenreinigung erfolgt mit Wischbezügen und einer Wischpflege. Die Oberflächen werden mit Desinfektionseinmaltüchern gereinigt. In der Nasszelle werden Waschbecken, WC und Fliesen mit einem Sanitärreiniger gereinigt. Die Böden der Nasszelle werden im Wechsel mit einem Allzweckreiniger und einem Sanitärreiniger gereinigt." Was die Reinigung von Fenstern, der Decke und des Lüftungsschachts angeht, berichtet er dies: "Die Glasreinigung im gesamten Krankenhaus erfolgt ein- bis zweimal im Jahr. In den Patientenzimmern erfolgt im Bedarfsfall eine zusätzliche Glasreinigung.

Die Lüftungsschächte im Patientenbad und Ecken der Decken werden einmal monatlich gereinigt und nach Bedarf. Schimmelbefall wird je nach Stärke und Oberfläche über die Abteilung Reinigung oder über die Technische Abteilung behoben." Bad und Zimmer werden seiner Aussage nach täglich gereinigt, bei infektiösen Patienten erfolge vor der Neubelegung eine Desinfektion.

Bild: Andreas Schuler

Die Vorarbeiterinnen der Abteilung Reinigung führen auf jeder Patientenebene täglich in zwei bis drei Patientenzimmern Reinigungskontrollen durch. Innerhalb von drei bis vier Wochen sollte über die Reinigungskontrollen jedes Patientenzimmer einmal im Monat erfasst werden. Zusätzlich werden regelmäßige Hygienebegehungen mit den Hygienefachkräften und den Stationsverantwortlichen durchgeführt. Die Reinigungskräfte werden bei ihrer Einstellung hygienisch geschult. Zusätzlich erfolgen zwei Hygienefachschulungen im Jahr für alle Reinigungskräfte durch die Hygienefachkräfte.

Wieso aber wurden die Beschwerden von Jörg Dimmeler nicht verfolgt? Immerhin heißt es, dass Beschwerden grundsätzlich weitergeleitet und umgehend vor Ort geprüft und behoben werden? Scander Radsi sagt dazu: "Nach Rücksprache mit den Vorarbeiterinnen der Abteilung Reinigung liegt uns aktuell keine Patientenbeschwerde vor. Wir bedauern, dass die Patientenbeschwerde nicht ordnungsgemäß an die Abteilung Reinigung weitergeleitet und bearbeitet wurde. Grundsätzlich ist die Hygiene ein zentrales Thema in unseren Häusern, das wir sehr ernst nehmen und über stetige Kontrollen und Schulungen sicherstellen wollen."

Bild: Andreas Schuler

Hygiene und Sauberkeit

Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene fordert bereits seit Herbst 2014 unter anderem eine qualifizierte infektionshygienische Überwachung von medizinischen Einrichtungen durch die Gesundheitsämter sowie eine Verbesserung und Überwachung der Reinigung in medizinischen und pflegerischen Einrichtungen mit Einsatz von periodisch geschultem Fachpersonal. Noch scheitert es aufgrund der Finanzen an der Umsetzung.

 

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