Künftig soll ein hauptamtlicher Kantor einen der größten Konstanzer Kirchenchöre leiten. Der bisherige Dirigent Reinhard Müller geht ohne Groll und dirigiert am Sonntag noch einmal eine große Haydn-Messe.
Konstanz (sk) Anders als in seinen Texten, die er als Musikkritiker für den SÜDKURIER verfasst, ist Reinhard Müller im direkten Gespräch kein Freund der großen Worte. Er hält sich eher bedeckt, über sich selbst spricht der ehemalige Lehrer nicht so gerne. Dabei gäbe es doch jetzt gerade allen Grund dafür. Am kommenden Sonntag, 17. Juli, verabschiedet er sich nach 22 Jahren als Chorleiter beim Gebhardschor von seinen Sängerinnen und Sängern und seinem Publikum. „Ich bin nicht wehmütig“, sagt Müller. Er freue sich viel mehr auf die hinzukommende Freizeit.
Insgesamt 45 Sänger hat der Gebhardschor heute. Als Müller vor 22 Jahren die Aufgabe vom jetzigen Universitätsmusikdirektor Peter Bauer übernommen hatte, waren es noch 35. Trotzdem gilt auch für den Gebhards chor, was für viele Chöre gilt. Die Jungen bleiben aus, der Chor dezimiert sich so irgendwann ganz natürlich. „Da hilft ja kein Lamentieren“, sagt Müller, wenn man ihn auf diese Probleme anspricht, „man muss damit umgehen“, ergänzt er trocken.
Das hat Reinhard Müller in den vergangenen Jahren so gut es ging gemacht. Insgesamt zehn Aufführungen hat er mit seinem Chor pro Jahr absolviert. Dazu kommt aber regelmäßig musikalische Begleitung der Gottesdienste. Wie das bei Kirchenchören eben so üblich ist. Manchmal, sagt Reinhard Müller, mache gerade das solchen Chören das Leben schwer. Weil viele Menschen zwar gerne singen, aber lieber in einem Projektchor, der sich auf einen bestimmten Auftritt vorbereitet und ansonsten keine weiteren Verpflichtungen mit sich bringe. Müller sagt das nicht klagend, er stellt es nüchtern fest, wie das so seine Art ist.
Seinen ersten Dienst für den Gebhards chor leistete Müller am Karfreitag 1989. „Ein normaler Gottesdienst“, sagt er. Chorleitererfahrung hatte Müller schon vorher. Als Lehrer hat er am Suso-Gymnasium einen Chor geleitet und später auch einem Männerchor den Takt vorgegeben. Als er die Aufgabe beim Gebhardschor übernommen hatte, hat man ihm gesagt, das sei nicht so viel Arbeit. „Es war dann doch ein bisschen anders“, sagt Müller und grinst. Das Repertoire des Chores umfasst heute alleine rund 15 Mozart- und Haydn-Messen. „Von Monteverdi bis ins 20. Jahrhundert“ fasst Müller das musikalische Spektrum des Chores zusammen. Kürzere Messen, Psalmen, Motetten und Choralsätze sind auch darunter. Dass sich Müller nun von seinem Amt verabschiedet, liegt auch an Pfarrer Andreas Rudiger. Er will einen hauptamtlichen Kirchenmusikdirektor einstellen. „Dieser Entwicklung wollte ich nicht im Weg stehen und mache deshalb den Weg frei für den noch zu wählenden Kantor“, so Müller.
Termin: Am Sonntag, 17. Juli, 10 Uhr, feiert die Pfarrgemeinde St. Gebhard ihr Patrozinium mit einem feierlichen Hochamt, in dem Haydns „Theresienmesse“ erklingt.