Konstanz Konstanz schaut auf die IT-Branche und nach vorn
Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile: Mit dem neuen Unternehmensnetzwerk Cyberlago wollen sich Stadt und Computerfirmen besser vernetzen. Bild: Hanser
Wenn irgendwo in der Welt ein VW Golf gebaut wird, sorgt ein Computerprogramm der Firma Esteam dafür, dass die Monteure auch einen Auspuff zum Einbauen haben. Wenn sich Musikfans über Neuigkeiten rund um ihre Band informieren wollen, surfen sie auf laut.de. Wenn auf einem Flughafen ein Koffer in den richtigen Flieger geladen wird, ist dies oft Siemens zu verdanken. Und wenn das Schweizer Getränk Rivella auf Facebook präsent ist, steht die Goldbach AG im Hintergrund. Was Autokäufer, Popfans, Fluggäste oder Rivella-Trinker aber fast nie wissen: Die Technik hinter den Prozessen kommt aus dem Raum Konstanz.
Damit sich das ändert und weil die Firmen aus dem Bereich der Informationstechnologie (IT) besser zusammenarbeiten wollen, gibt es eine neue Plattform. Cyberlago heißt sie, und die Stadt trägt zu dieser Vernetzung bei. Im Rathaus koordiniert und unterstützt die städtische Wirtschaftsförderung, wie Oberbürgermeister Horst Frank bei der Vorstellung der Initiative sagte. Zwei Wochen nach den schlechten Nachrichten vom drastischen Stellenabbau bei Takeda blickt er in die Zukunft: „Wir sind gut unterwegs, und es wird uns gelingen, den IT-Standort noch besser bekannt zu machen.“ Vorbild ist das erfolgreiche Netzwerk Biolago.
Dabei geht es nicht nur darum, Aufträge und Wertschöpfung in der Region zu halten und den Standort zu vermarkten. Cyberlago ist nach Worten des HTWG-Informatikprofessors Jürgen Neuschwander auch ein Beitrag gegen den Fachkräftemangel. 1000 junge Leute studieren an HTWG und Uni Informatik – sie in der Region zu halten, sei ein wichtiges Ziel. Von „Herausforderungen“ spricht auch Andreas Owen von Goldbach Interactive. „Wir können nicht davon leben, dass wir den schönen Bodensee, Zürich und die Berge vor der Haustür haben“, sagt er:
Man wolle gute Leute nicht in die Schweiz abwandern lassen und den Kunden klarmachen, dass man mit einem IT-Auftrag nicht unbedingt nach München oder Hamburg gehen muss. Auch Dominik Kraus von der laut.de-Mutter Seitenbau bekennt: „Kaum ein Kunde kennt Konstanz als IT-Standort.“ Die Zukunftsaussichten sind laut den Experten nicht schlecht. „Die Hochschulen sind ein ganz großer Standortvorteil“, sagte Kraus. Und Owen bekennt: „Wir lieben diesen Standort und haben uns bewusst für ihn entscheiden.“
Dass Konstanz als Wirtschaftsstandort vor allem durch die Hochschulen große Potenziale hat, aber im Bereich Wohnungen, Familienfreundlichkeit oder Verkehrsanbindung noch Hausaufgaben zu lösen sind, zeigt unterdessen die große Analyse des SÜDKURIER.
