Konstanz Konstanz prüft neue Standorte zur Unterbringung von Asylsuchenden

Die Stadt Konstanz sucht dringend nach Wohnraum für Asylsuchende. Vier Standorte sind derzeit in näherer Auswahl.

Dieser Hilferuf ist unmissverständlich: „Bereits ab Juli 2015 reichen die bestehenden Gemeinschaftsunterkünfte nicht mehr aus, um die Asylsuchenden unterzubringen.“ Mit diesem Satz macht das Landratsamt kommende Woche in der Kreistagssitzung auf seine Not aufmerksam, Flüchtlinge mit Wohnraum zu versorgen. Es ist auf die Kommunen angewiesen. Konstanz hat derzeit vier Standorte für die Erst- sowie Anschlussunterbringung genauer im Visier – und weiß um das sensible Thema.

Für das Landratsamt ist es ein Wettlauf mit der Zeit. Im Nebensatz zur Vorlage für die Kreistagssitzung schreibt das zuständige Amt, dass „mit Hochdruck an der Schaffung neuer Unterbringungsmöglichkeiten gearbeitet wird“. Hochdruck, der sich nicht nur auf die Stadt Konstanz, sondern alle Kommunen im Landkreis überträgt. Sie haben ein Interesse daran, durch ihre Mithilfe die Unterbringung zu steuern; das Landratsamt wiederum muss die ihm zugewiesenen Flüchtlinge versorgen.

Um zu verdeutlichen: Ende 2014 waren im Landkreis rund 900 Asylsuchende untergebracht, Ende April waren es 1254. „Zum Jahresende gehen wir aktuell davon aus, dass sich 1845 Asylsuchende im Landkreis Konstanz befinden werden“, erklärt Monika Brumm, Leiterin der Stabsstelle Asyl. Unterm Strich rechnet sie mit monatlich etwa 100 Neuankömmlingen. Diese Zahlen könnten sich ändern, nachdem das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge jüngst seine Prognosen über neue Asylanträge in Deutschland für dieses Jahr nach oben korrigiert hat.

„Wir untersuchen, wo wir etwas anbieten können“, sagt Christoph Sigg vom Hochbau- und Liegenschaftsamt. Bei der Frage nach konkreten Standorten halten sich er, Sozialbürgermeister Andreas Osner, Pressesprecher Walter Rügert und Kristine Hanke vom Amt für Stadtplanung und Umwelt noch bedeckt. Die Verwaltung wolle keine Fakten schaffen und niemanden überrumpeln. „Wir sprechen mit Hochdruck mit Anrainern“, sagt Andreas Osner. Auch hier verdeutlicht „Hochdruck“ die Dringlichkeit. Ende April lebten in Konstanz 305 Asylsuchende. Nach bisherigen Prognosen, so Monika Brumm, sollten bis Ende dieses Jahres 542 Personen untergebracht sein. Eine Herausforderung für die Stadtverwaltung.

Sie prüft derzeit zwei Standorte für Gemeinschaftsunterkünfte, in denen etwa 200 Personen Wohnraum erhalten sollen. Darin sind Asylsuchende als erstes untergebracht, wie bereits im Atrium an der Luisenstraße oder an der Steinstraße. Die Suche nach diesen Unterkünften „hat im Moment Priorität“, sagt Christoph Sigg. Im Blick seien bestehende städtische wie auch private Gebäude, die der Landkreis dann anmietet. An zwei weiteren Standorten sollen Anschlussunterkünfte für bis zu 110 Menschen möglich werden. Anspruch darauf haben Flüchtlinge nach 24 Monaten Aufenthalt oder wenn ihr Asylantrag genehmigt worden ist.

Die Vertreter der Stadtverwaltung sind sich bewusst, dass aufgrund der politischen Lage in Syrien, Afghanistan, Eritrea oder Serbien noch viele Menschen von dort flüchten werden. Dann ist die Suche nach weiteren Standorten notwendig. Die Diskussion um eine Unterbringung in Egg ist zwar leiser geworden, weil die vorgesehene Baufläche aus der Priorität genommen worden sei, erklärt Bürgermeister Andreas Osner. Je nach Entwicklung schließt er aber nicht aus, dass dieser Standort wieder aktuell werden könnte.

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Asylbewerber im Kreis Konstanz: Im Jahr 2012 hat der Landkreis Konstanz rund 150 Asylbewerber neu aufgenommen. 2014 waren es bereits 779 Personen. Damit lebten Ende 2014 insgesamt 911 Flüchtlinge im Landkreis. Bis Ende 2015 sollen es über 2000 Personen sein. Im SÜDKURIER-Themenpaket lesen Sie Hintergründe und aktuelle Artikel zum Thema.

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