Konstanz Kompakte Lösung gegen Wohnungsnot

Der Konstanzer Wohnungsmarkt ist hoffnungslos überlaufen. Immer noch suchen unter anderem viele Studenten ein Zimmer. Ein Überlinger Architekt bietet nun mobile Wohnungen an.

Alles Nötige auf 15 Quadratmetern: Das für Studierende entwickelte Study Home (hier der Blick von oben) könnte den Druck auf dem Konstanzer Wohnungsmarkt etwas entspannen. Nun sucht der Überlinger Architekt Wilfried Stotz Grundstücke in Konstanz und Umgebung, auf denen die mobilen Häuser stehen können.
Alles Nötige auf 15 Quadratmetern: Das für Studierende entwickelte Study Home (hier der Blick von oben) könnte den Druck auf dem Konstanzer Wohnungsmarkt etwas entspannen. Nun sucht der Überlinger Architekt Wilfried Stotz Grundstücke in Konstanz und Umgebung, auf denen die mobilen Häuser stehen können. | Bild: Wilfried Stotz

Der Druck auf dem Konstanzer Wohnungsmarkt ist enorm, zu Beginn jedes Semesters schlafen Studierende in Turnhallen und auf Sofas von Kommilitonen. Viele Studenten weichen auch auf das Umland aus. Ein Überlinger Architekt möchte Abhilfe schaffen. Wilfried Stotz hat ein mobiles Zuhause erfunden: 15 Quadratmeter, Küche, Bad, flexibel aufstellbar. Das Study Home könnte Linderung auf dem Wohnungsmarkt verschaffen.

Mobiles Zuhause auf 15 Quadratmetern

Dazu fehlen aber noch zwei Voraussetzungen: Grundstücke und Käufer. Wilfried Stotz hat sich bei Studentenwerken in ganz Deutschland erkundigt, doch er erhält immer wieder dieselbe Antwort: „Studentenwerke haben kein Interesse, weil sie auf große Wohnblöcke setzen. Ich bräuchte für 50 Wohnungen schon fast ein Fußballfeld“, sagt der Architekt. Aus Brand- und Schallschutzgründen können die Study Homes – anders als beim Wohnheim an der Rheingutstraße – nicht gestapelt werden. Der Überlinger sucht nun Privatleute, die ein großes Grundstück haben und dort ein mobiles Zuhause abstellen wollen – natürlich nur, wenn das Baufenster es erlaubt. Denkbar wäre auch, dass Duale Hochschulen oder Firmen für ihre Studenten oder Auszubildenden Study Homes kaufen und vermieten. Geeignete Grundstücke müssen einen Wasser-, Abwasser- und Stromanschluss haben und sollten nicht an einer lauten Straße liegen. Die Study Homes gehen jetzt in Freiburg in die Serienproduktion. Obwohl es noch keine konkreten Abnehmer gibt, ist Wilfried Stotz zuversichtlich: „In den größeren Städten suchen so viele Studenten eine Wohnung, dass wir sicher einige Häuser loswerden.“ Ein Wohnungssuchender kann im Study Home demnächst zur Probe wohnen (siehe Text unten).

Die Stadt Konstanz macht sich derzeit auch über mobiles Wohnen Gedanken. „Wir haben bei städtischen Institutionen wie den Stadtwerken, der Spitalstiftung und der Wobak nach Grundstücken gefragt“, sagt Hochbauamtsleiter Thomas Stegmann. „Viele Flächen werden wir nicht finden, weil die meisten verplant und nicht für temporäre Nutzung gedacht sind.“ Die Stadt ist mit Wilfried Stotz sowie mit weiteren Anbietern mobiler Wohnlösungen aus Friedrichshafen, Tübingen und anderen Städten im Gespräch. „Wir können aber nur Grundstücke mit Erbpacht vergeben. Selbst investieren wir wohl nicht in mobile Wohnungen“, sagt der Hochbauamtsleiter.



Zu dem mobilen Zuhause und der Grundstückssuche
  • Studentenwohnungen: Rund 900 Interessenten stehen auf der Seezeit-Warteliste für die Konstanzer Wohnanlagen. Einige haben sich laut Corinna Voigt von Seezeit beim Studentenwerk neu beworben (für November zehn Bewerbungen, weitere für die beiden kommenden Semester). Die Seezeit-Notlager sind nicht voll belegt. Momentan wohnen dort sieben Personen. In der Privatzimmerbörse www.seezeit.com/community sind noch viele offene Wohnungsangebote zu finden. Ein Erfolg war laut Seezeit auch die Kampagne „Bildung sucht Raum“, bei der Hochschulen, Stadt und Studierendenvertreter die Bürger gebeten haben, Studenten bei sich aufzunehmen. Innerhalb von vier Wochen wurden etwa 200.Privatzimmer in der Wohnraumbörse eingestellt. Außerdem teilt Seezeit mit, dass das erweiterte Studi-Ticket auf großes Interesse stoße. Das könnte ein Indikator dafür sein, dass einige Studierende im Landkreis Konstanz untergekommen sind.
  • Das Study Home: Die mobilen Wohneinheiten sind sieben Meter lang, 2,5 Meter breit und 2,33 Meter hoch. Sie haben eine eingebaute Küche und ein Bad sowie 15 Quadratmeter Wohnfläche. Wilfried Stotz entwickelt momentan eine weitere Variante mit drei Metern Breite. Dann würden 22 Quadratmeter Wohnfläche entstehen, die Aufteilung in mehrere Zimmer wäre denkbar. Die aktuellen Study Homes wiegen je nach Ausstattung zwischen 2 und 2,5.Tonnen. Möglich sind Flach-, Pult- und Satteldach sowie (bei längerer Aufstellung an einem Ort) die Ausstattung mit einer Photovoltaikanlage. Die Bewohner können wählen, ob sie außer dem Bett ein Sofa, einen Esstisch und einen kleinen Arbeitsplatz möchten oder lieber einen richtigen Schreibtisch und einen zusätzlichen Schrank, dafür aber kein Sofa. Auch die Schranklänge ist variabel. Die Lieferzeit beträgt momentan sechs Wochen.
  • Das Probewohnen: Wer ein geeignetes Grundstück hat und gerne möchte, dass ein Prototyp des Study Home dort steht, meldet sich bei Wilfried Stotz unter der Telefonnummer 07551/9.45.97.69 oder per E-Mail an info@studyhome.de. Gemeinsam mit dem SÜDKURIER sucht der Architekt dann einen Studenten, der dort eine Weile lang zur Probe wohnen kann. Der SÜDKURIER berichtet anschließend über dessen Wohnerfahrungen. (kis)
 


Energetisch sind die Study Homes auf dem aktuellen Stand. Das Gehäuse ist aus Styropor und so gedämmt, dass die Energie-Einsparverordnung eingehalten wird, die erst demnächst in Kraft tritt. Die Fenster sind dreifach verglast und eine Lüftungsanlage reguliert das Raumklima automatisch. Das Study Home wird elektrisch beheizt, hier reicht eine Leistung von 2000 Watt wie bei einem Fön. Durch so genannten Sandwich-Bau ist außerdem kein Stahl als Tragkonstruktion nötig. Somit kann das Leichtbauweise-Haus auf den Boden gestellt werden, ohne dass dabei Wärme verloren geht; bei Stahlträgern bilden sich oft ungünstige Wärmebrücken.

Ein Gehäuse aus Styropor

Die Wohnboxen lassen auch einen flexiblen Einsatz zu: „Das Study Home kann von einem Auto mit 3,5 Tonnen Anhängelast bewegt werden“, sagt Wilfried Stotz. Standortwechsel sind somit kein Problem.

Die Studentenbuden haben allerdings ihren Preis. Für eine Einheit müssen Interessenten etwa 30.000 Euro inklusive Mehrwertsteuer hinblättern. Für die Möbel, die bei Bedarf passgenau mitgeliefert werden, fallen weitere 1000 bis 2000 Euro an. „Wenn man sich überlegt, wie viel eine Eigentumswohnung in Konstanz kostet, relativiert sich das wieder“, sagt Wilfried Stotz.

Die Häuser gibt es mit Flach-, Pult- und Satteldach. Eine Einheit kostet rund 30 000 Euro, dazu kommt noch die Einrichtung. Wo könnte ein Prototyp zum Probewohnen stehen?
Die Häuser gibt es mit Flach-, Pult- und Satteldach. Eine Einheit kostet rund 30 000 Euro, dazu kommt noch die Einrichtung. Wo könnte ein Prototyp zum Probewohnen stehen?

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