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Konstanz Kommt das Wassertaxi von Petershausen in die Altstadt?

Die Mehrheit der Stadträte befürwortet ein Wassertaxi über den Seerhein. Als erster Schritt muss jedoch ein Steg errichtet werden. Doch das ist nicht ganz so einfach - auch wenn es das Wassertaxi schon einmal gab.

Ein Wassertaxi, das den Stadtteil Petershausen direkt mit der Altstadt verbindet, gab es schon einmal und könnte es auch bald wieder geben. Dringlichkeit erfährt das Projekt durch die Eröffnung des Bodenseeforums in diesem Jahr. Eine bessere Anbindung des neuen Veranstaltungshauses an die Altstadt ist notwendig, profitieren würden auch die Nutzer des nahe liegenden Park-and-Ride-Parkplatzes. Doch gibt es bislang keine konkrete Planung für solch ein Taxi. Ein erster Schritt wäre ein Schiffsanlegesteg auf der rechten Rheinseite. Die Planungen dafür sind allerdings durch einen Sperrvermerk im Haushalt ins Stocken geraten.

„Wir brauchen die Mittel für wasserrechtliche Untersuchungen“, sagte Martin Wichmann, stellvertretender Leiter des Amts für Stadtplanung und Umwelt, im Technischen und Umweltausschuss. Er bat um die Freigabe von Planungsmitteln in Höhe von 25 000 Euro. Vor dem Bau müsse erst das Ufer nach einem geeigneten Standort untersucht werden. „Wenn wir die Unterlagen dazu haben, kommen wir im April damit wieder in den Ausschuss“, stellte er in Aussicht.

Stadträtin Anne Mühlhäußer von der Freien Grünen Liste (FGL) machte die geteilte Position ihrer Fraktion deutlich. Einige Mitglieder hielten ein Wassertaxi für ein gutes ergänzendes Angebot zum öffentlichen Personennahverkehr. Der andere Teil der FGL, zu dem sie sich auch zähle, lehne die Infrastruktur für das Bodeseeforum ab. „Es ist nicht sinnvoll, den Steg zu bauen, wenn es noch kein Wassertaxi gibt“, sagte Mühlhäußer.

Wichmann erwiderte, dass der Steg nicht nur für ein Wassertaxi gedacht sei. „Er soll auch für andere Schiffe eine Anlegemöglichkeit auf der Rheinseite sein“, erklärte er. „Darüber diskutieren wir seit Jahren“, fügte er an. Johann Hartwich (FDP) unterstützte das Projekt: „Über die Notwendigkeit sollten wir nicht diskutieren.“ Das sah auch Zahide Sarikas (SPD) so: „Wir finden die Idee interessant.“

Sie schlug vor, der Verwaltung einen konkreten Auftrag zu erteilen, um einen Betreiber zu suchen. Heinrich Fuchs (CDU) warf ein, dass es bereits ein Unternehmen gebe, das sich einen Probebetrieb vorstellen könne. „Zur Anbindung des Parkplatzes werden wir das machen müssen“, sagte er. Als es noch keine Fahrradbrücke gab, fuhr das Wassertaxi „Niederburg“ bis 1991 über den Rhein. Wegen fehlender Passagiere wurde der Betrieb allerdings eingestellt.

Erst ein neuer Steg - dann das Wassertaxi?

„Wir können Ihnen kein Verkehrskonzept vorlegen“, sagte Wichmann weiter über die Untersuchung. Doch Bürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn stellte dieses in Aussicht. Es werde ein Nahverkehrsplan erstellt, der die Grundlage für die Bedarfsberechnung für alternative Verkehrsmittel, wie Straßenbahn oder Seilbahn, ist.

„Wir gehen davon aus, dass wir das Gutachten für die alternativen Verkehrsmittel dieses Jahr präsentieren können“, sagte er. Ein Wasserbus werde allerdings gesondert betrachtet. „Wenn der Steg da ist, werden wir auf einen möglichen Betreiber zugehen.“ Vorausgesetzt dafür stünden die Mittel im Haushalt bereit.

Insgesamt ging es im Ausschuss um die Freigabe von fünf Maßnahmen, um laut Sitzungsvorlage „deren Umsetzung nicht zu verzögern“. Zu den insgesamt 20 Sperrvermerken, die durch TUA und Gemeinderat für im Jahr 2016 anstehende Projekte verhängt wurden, äußerte sich Bürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn: „Für uns ist das nicht glücklich. Wir müssen Aufträge konsequent durchführen können.“

Er fragte, ob Sperrvermerke sinnvoll für bereits beschlossene Planungsaufträge seien. Stadträtin Anne Mühlhäußer befürwortete diese, um die Kosten zu begleiten. Auch Heinrich Fuchs sprach sich dafür aus: „Ich halte das nicht für so schlecht, um zu sehen, was wir beschlossen haben.“

Am Ende stand ein Vorschlag von Langensteiner-Schönborn für mehr Transparenz. Er verstehe, dass die Stadträte nach der Mittelbewilligung auch wissen wollten, was mit dem Geld realisiert werde, welche Aufträge vergeben würden. Er schlug vor, Planungsaufträge künftig im Voraus zu besprechen. Nach der Diskussion empfahlen die Ausschussmitglieder dem Gemeinderat, den Sperrvermerk zum Steg am Seerhein wieder aufzuheben.

 

Um diese Themen ging es auch


Neben dem Steg am Seerhein und der Verlegung des Grenzbachs diskutierte der Ausschuss über diese Themen wegen der Aufhebung des Sperrvermerks:

C-Konzept: Im November 2014 hat der Gemeinderat bereits den Beschluss über das Verkehrskonzept Altstadtring gefasst. Durch die Sperre fehlten nun die Mittel, um die Bauabschnitte Rheinbrücke/Sternenplatz und den Wendepunkt am Lago zu planen. Wolfgang Seez, Leiter des Tiefbau- und Vermessungsamtes, sagte, dass mit den Planungsmitteln getestet werden solle, wie die Verkehrsströme fließen könnten.

 

Bushaltestellen: Zehn Bushaltestellen im Stadtgebiet sollen behindertengerecht umgebaut werden. Für die Stadt habe sich kurzfristig dafür die Möglichkeit einer Förderung durch das Regierungspräsidium ergeben. Die Umbauten müssten bis Ende August durchgeführt worden sein. Der Umbau, etwa das Einbauen höherer Randsteine, koste rund 20 000 Euro pro Haltestelle, erklärte Wolfgang Seez, Leiter des Tiefbau- und Vermessungsamtes, den Ausschussmitgliedern. Das Regierungspräsidium übernehme davon die Hälfte. Die Mitglieder des Technischen und Umweltausschuss empfahlen dem Gemeinderat in allen Fällen die Aufhebung des Sperrvermerks. (jus)

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