Konstanz Kommen die Flüchtlinge nun doch auf die Egger Wiese?

Im Konstanzer Teilort ist wieder alles offen. Es regt sich Widerstand gegen die Pläne der Stadtverwaltung, das geplante Flüchtlingsheim von der Dorfmitte an den Ortsrand zu verlegen. Und auch eine Gemeinschaftsunterkunft nahe der Allee zur Mainau ist keineswegs vom Tisch.

Nun doch Spielplatz statt Streuobstwiese? Der Standort des in Egg geplanten Hauses für Flüchtlinge ist weiter offen. Nachdem der Gemeinderat eine Entscheidung vergangene Woche überraschend vertagt hatte, wird immer deutlicher, dass der geplante Alternativstandort auf einer Streuobstwiese an der Landesstraße in Richtung Mainau Fragen aufwirft. So fordert das Landratsamt einen Nachweis dafür, dass die Egger Wiese in Ortsmitte auf keinen Fall bebaut werden kann.

Die zunächst verkündete Zustimmung der Naturschutzbehörde zum neuen Plan steht bisher aus. In einem Schreiben aus dem Landratsamt heißt es, die Stadt müsse eine umfassende Alternativenprüfung vorlegen. Das bedeutet, dass die Argumente für den neuen Standort noch nicht ausreichen. Diese zu finden, wird nicht einfach sein, gegen die Egger Wiese sprechen vor allem die 250 Protest-Unterschriften aus Egg. Ansonsten ist der Bauplatz für eine Einrichtung des Gemeinbedarfs freigehalten, angedacht war einst ein Kindergarten. Seit einer Bundesgesetz-Änderung zählt auch die Unterbringung von Flüchtlingen zum Gemeinbedarf. In dem vom Gemeinderat 2014 beschlossenen Handlungsprogramm Wohnen ist sogar dargelegt, für den mit 10/6 bezeichneten Standort Egg Mitte den Bebauungsplan zu ändern, da er für eine Kindertagesstätte „nicht benötigt wird“. Dem widerspricht die Egger Bürgergemeinschaft: Im Ortsteil lebten 55 Kinder unter sechs Jahren. Jeder andere Neubau blockiere die Chance, auf die Egger Wiese tatsächlich den einst vorgesehen Kindergarten in Kombination mit einem Gemeindhaus zu bauen.

Stadtteil im Fokus

Scharfen Gegenwind gegen die Bebauung der Streuobstwiese, die direkt an ein geschütztes Feuchtbiotop angrenzt, gibt es unterdessen vom Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland. Die Konstanzer Geschäftsführerin Antje Boll kritisiert, die Pläne für die Egger Wiese seien „nur aufgrund der Nachbarschaftsproteste“ verworfen worden: „Auch hier geht die Politik den Weg des vermeintlich geringsten Widerstands und spielt soziale (diesmal Flüchtlinge) gegen ökologische Werte aus, nur weil der ursprüngliche Standort politisch schwerer durchzusetzen ist.“ Wie auch im Zergle stehe in der Egger Mitte eine „Fläche innerhalb der bestehenden Bebauung zur Verfügung“, so Antje Boll. „Schön und sinnvoll“, wie von Boll formuliert, findet die Egger Bürgergemeinschaft den Bau auf der Wiese dagegen nicht: Dort seien die „teilweise traumatisierten Flüchtlinge“ nicht hinreichend geschützt.

Möglicherweise rückt der Stadtteil aber schon bald in einer ganz neuen Dimension in den Fokus. Laut Landratsamt fehlen in Konstanz bis Jahresende mehr als 600 Plätze in den Gemeinschaftsunterkünften. In den letzten Wochen ist dafür lediglich die Tennishalle in Dettingen mit 120 Plätzen dazu gekommen. Weder auf einem städtischen Grundstück an der Line-Eid-Straße noch am Bodenseestadion noch an der Byk-Gulden-Straße haben Bauarbeiten für provisorische Unterkünfte begonnen. Gleichzeitig wächst der Zeitdruck. Gut möglich also, dass die Flächen am Westrand von Egg diskutiert werden. Das Land würde sie für Gemeinschaftsunterkünfte – nicht aber eine Anschlussunterbringung – abgeben.

 

Standorte in Egg

Die Stadtverwaltung hat in Egg zwölf Standorte darauf geprüft, ob sie sich für den Bau eines Hauses für anerkannte Flüchtlinge eignen. In die Kategorie A fällt neben der Egger Wiese nur eine Streuobstwiese an der Straße Richtung Mainau. Unter D sind Grundstücke zusammengefasst, die dem Land gehören und möglicherweise für Gemeinschaftsunterkünfte nutzbar wären. In solchen Heimen leben Flüchtlinge in der Regel die ersten 20 Monate.

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