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Konstanz Klinikum droht hoher Verlust

Das Klinikum Konstanz ist finanziell unter immensem Druck: Für 2008 rechnet das Haus mit einem Minus von rund 900000 Euro. Schuld an der Misere sei der Gesetzgeber, sagt Bürgermeister Claus Boldt. Das gesetzliche Limit für die Einnahmen und die realen Kosten klafften immer weiter auseinander.

Schöne Aussichten bietet derzeit nur der Blick vom Flugzeug aufs Klinikum. Wer den Wirtschaftsplan für 2008 betrachtet, erkennt: Das Haus ist unter erheblichem finanziellen Druck. Bürgermeister Claus Boldt macht dafür den Gesetzgeber verantwortlich und sieht einen Fehler im System. | Bild: Hanser

Konstanz - Das Konstanzer Klinikum will dieses Jahr auf fast allen Positionen mehr Geld erwirtschaften als in den Vorjahren, dennoch zeichnen sich knapp 900000 Euro Verlust ab. Denn auch die Ausgaben steigen. Das Krankenhaus kann wegen der fehlenden Mittel nur noch teilweise den Werteverlust des Vermögens (Abschreibungen) erwirtschaften. Der Fehlbetrag wird also dieses Jahr (noch) nicht kassenwirksam.

Neue Tarifabschlüsse im öffentlichen Dienst könnten allerdings weitere Finanzlöcher aufreißen. Das Klinikum hat nur drei Prozent Steigerung einkalkuliert, also rund 1,2 Millionen Euro Mehrkosten. Auf dem Tisch liegen aber Forderungen zwischen acht und zehn Prozent. Würden sie Realität werden, käme auf das Haus eine Mehrbelastung von bis zu vier Millionen Euro zu. Vom Gesetzgeber wird den Häusern auf der Einnahmeseite gerade mal eine Steigerung von 0,14 Prozent zugebilligt.

"Das Ende der Fahnenstange ist erreicht", wettert Bürgermeister Claus Boldt. Er sieht einen Fehler im System, unter dem bundesweit alle Kliniken zunehmend litten, nicht nur das Konstanzer Haus. Die zugebilligten Budgetaufschläge seien ans Volumen der Sozialversicherungsbeiträge gebunden. "Diese Koppelung widerspricht der Wirklichkeit." Boldt fordert: "Die Politik muss reagieren." Dieser Meinung ist auch die bundesweit agierende Krankenhausgesellschaft. Sie kommt zu dem Schluss: "Nach den drastischen Einschnitten durch die Gesundheitsreform trägt das Jahr 2008 existenzvernichtende Züge für die deutschen Krankenhäuser."

Wie kritisch die Lage auch in Konstanz ist, zeigt ein genauer Blick in den Haushaltsplan. Die Zahlen für 2008 basieren auf der Annahme, dass es dem Konstanzer Klinikum gelingt, mit einem Kraftakt weitere 800000 Euro einzusparen. Unter anderem sind organisatorische Verbesserungen und eine Kurzliegestation vorgesehen. Sie ist für Patienten nach kleineren Eingriffen gedacht. Weil diese üblicherweise nach ein bis drei Tagen das Klinikum verlassen, sollte es bei guter Planung möglich sein, auf eine teure Belegung am Wochenende zu verzichten. Doch möglicherweise muss das Haus noch weiter sparen.

Wenn sich an den Rahmenbedingungen nichts ändere, drohe ein Kahlschlag beim Personal, sagt Boldt. Sich aus der Tarifbindung zu verabschieden, betrachtet er als wenig konstruktiv. Damit würden gute Kräfte abwandern, unter anderem in die Schweiz.

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