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Konstanz Klinikum: Finanzielle Sorgen scheinen erdrückend

Vor 2013 wird das Konstanzer Klinikum keine schwarzen Zahlen schreiben, im Gegenteil: Allein bis Ende 2010 rechnet Geschäftsführer Rainer Ott mit einem Gesamtminus von 7,8 Millionen Euro. Nicht berücksichtigt sind mögliche Allianzen mit anderen Kliniken, wodurch Geld gespart werden soll. Fragen werden unterdessen laut, wie es mit dem Vincentiuskrankenhaus weitergeht.

Hier wird gute Arbeit geleistet: Krankenpflegerin Silvia Weiss kümmert sich um eine ältere Patientin. Das Konstanzer Klinikum gilt als qualitativ hochwertig. Nur bei den Finanzen hapert's.
Hier wird gute Arbeit geleistet: Krankenpflegerin Silvia Weiss kümmert sich um eine ältere Patientin. Das Konstanzer Klinikum gilt als qualitativ hochwertig. Nur bei den Finanzen hapert's. | Bild: hfr

Konstanz – Die Lage ist alles andere als beruhigend und sieht vor allem anders aus als im vergangenen Jahr von Interimsmanager Johannes Weindl dargestellt worden war. In seinem Wirtschaftplan ging der Übergangs-Geschäftsführer, eigentlich am Friedrichshafener Krankenhaus angestellt, von einem Gewinn am Konstanzer Klinikum ab 2012 aus: 212 000 Euro sollten es im laufenden Betrieb sein. Rainer Ott spricht in seinem aktuellen Zahlenwerk von Fehleinschätzungen Weindls, die zu einer negativen Prognose führten. In Zahlen heißt das: 2010 liegt das Jahresergebnis vermutlich bei knapp 1,6 Millionen Euro Minus, 2011 bei Minus 1,4 Millionen, 2012 bei Minus 1 Million Euro und 2013 bei Minus 481 000 Euro. Damit wächst der Verlustberg. Weitere Gründe für die Prognosen seien etwa Folgen aus der Umstellung des Abrechnungssystems mit den Kassen, mögliche Tarifsteigerungen, nicht mehr gewährte Rabatte und höhere Sachkosten. Leistungssteigerung und Ausgabenkürzungen sollen entgegenwirken. Nicht vergessen werden darf dabei der bestehende Kredit über 12 Millionen Euro aus dem Liquiditätsverbund der Stadt; und ob das Regierungspräsidium angesichts der wirtschaftlichen Situation weiterhin akzeptiert, dass das Haus ein Darlehen von 10 Millionen Euro aufnimmt, ist ungewiss.

Strukturelle Veränderungen hat Geschäftsführer Ott in seinen Berechnungen nicht berücksichtigt. Konstanz und Singen erhoffen sich, durch eine kreisweite Lösung Geld zu sparen (wir berichteten); auch das Friedrichshafener Krankenhaus könnte im Boot sein, ein Sondierungsgespräch steht bevor. Für eine gemeinsame Sache unter einem Dach wünschen sich Verwaltung und Klinikleitung die Rechtsform „gemeinnützige GmbH“. Die Zahl der Kritiker ist im Gemeinderat zwar geschrumpft, manchen liegt eine Umgründung aber weiterhin schwer im Magen. Klaus Frank (Frank und Freie) und Jürgen Wiedemann (NLK) befürchten einen Schritt in Richtung Privatisierung. Michael Fendrich (FDP) sieht bei einer GmbH die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Anne Mühlhäußer (FGL) will, dass das Klinikum in öffentlicher Hand bleibt: Sie traue Geschäftsführer Rainer Ott zu, das Haus auch in der jetzigen Betriebsform auf Kurs zu bringen.

Am Klinikum wird eine interne Gruppe aus den Chefärzten Bernd Reith, Gert Müller-Esch, Rainer Ott und Pflegedirektorin Barbara Hitzler beraten, auf welche medizinischen Angebote Konstanz im Fall von Kooperationen nicht verzichten kann. Dazu dürften auf jeden Fall die äußerst lukrativen Abteilungen Urologie, Thorax sowie Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie zählen. Und auch die Geburtenabteilung dürfte dazu zählen, Kinder aus Konstanz sollen auch in der Stadt geboren werden.

Über Zukunftsfragen wird laut SÜDKURIER-Informationen betreffs Vincentiuskrankenhaus diskutiert. Das soll bekanntlich an der Luisenstraße, zusammen mit einem Funktionstrakt, neu gebaut werden. Angeblich gibt es nach erstem Gespräch mit dem Sozialministerium über Zuschüsse eine Unterdeckung von 16 Millionen Euro allein fürs Vincentius. Um mindestens 6 Millionen Euro soll diese Summe sinken, um den Bau wohl auch über Darlehen an die Stadt finanzieren zu können. Eine Überlegung soll sein, den offenbar defizitären Rehabereich zu streichen. Gespräche mit Kaufinteressenten an der orthopädischen Fachklinik soll es schon gegeben haben.

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