Die Schlussklänge spielte, ja zelebrierte die in Pretoria und Lyon wirkende Ruhm- und Preisträgerin Liesbeth Schlumberger-Kurpershoek. Der Programmweg führte von vollem Bach-Barock zum noch vollerem Duruflé-Spätromantik. Jedes Werk gewann unter ihren Händen und Füßen Profil, Stil, Vitalität.
Zuerst: Bachs d-moll-Toccata BWV 538. Dichtes Legato, festes Tempo, deutliche Sexten des Oberwerks begannen ihren Lauf, akzentuierte Akkorde gliederten vom fünften Takt an die Bewegung. Der Klang hatte Forte-Forschheit, das toccatentypische Gegeneinander von schnellen Figuren und massivem Harmoniengriffen (mit fast dramatischen Septakkorden)wurde zu einem Mit- und Ineinander der waag- und senkrechten Klangereignisse. Packend sprangen die Klänge, mächtig bis zum Tuba-Pomposo übernahmen die Pedalfüße das thematische Geschehen.
Ehe nach der rauschenden Coda die zugehörige Fuge eine konstruktive Antwort geben konnte, erlebte man eine geradezu liturgisch musizierte, siebensätzige „Suite“ vom Bach-Zeitgenossen Jean Adam Guilain. Von diesem Meister weiß man wenig mehr, als dass er Deutscher war, beim Bach-Konkurrenten Marchand studiert und in Paris, Frankreich, gewirkt hat. Wie die Organistin seine „Suite“ als Feier musizierte, war von wunderbarer Konsequenz.
Zuerst ein Präludium, eine Prozession mit würdigem Schritt-Zeitmaß, dann mit sanftem Streicher-Hörner-Register ein Gebet nach Noten, danach Holzbläser wie belebende Lesung, ein Fugato folgte mit phantasiereicher Töne-Rhetorik, das Festliche steigerte der Trompeten-Satz und zum krafvolle Endspiel des klingenden Domkapitels. Dagegen wurde Bachs Fuge mit starker Einheitlichkeit der Dynamik und deutlichem Forte der Stimmen musiziert: Selbstfeier der kontrapunktischen Kunst.
Höhepunkt und Kontrastprogramm: Maurice Duruflés „Suite opus 5“. Das 1932 komponierte Werk erschien so orchestral, als sollten die Spiel- und Instrumentationskünste von Ravel, Richard Strauss und Dukas (Duruflé war dessen kompositorischer Zauberlehrling!) zu einer Orgel-Symphonie zusammengefasst werden. Das Prélude setzte mit hohem Orgelpunkt über unheimlichen Tieftönen ein, steigerte sich bis zur dramatischen Durchführung, gab kaum Licht in die melancholischen Finsternisse. Die folgende „Sicilienne“ suchte und fand Aufhellung im Melodischen: Flöten, Oboen, Klarinetten gaben Legato mit dem Charme Fauréscher Töne-Lyrik. Rasante Läufe gegen harte Akkorde, scharf punktierte Blech-Bässe, Fugenturbulenz mit Pedal-Posaunen wie zum Jüngsten Gericht – und nach Stürmen im brausenden und synkopisch gepeitschten Klangmeer wurden hymnisch mit Dur-Ankerung der tonale Hafen – und der begeisterte Langapplaus erreicht.
