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Konstanz Kinderpornografie: Es gab weitere Hinweise

Ein weiteres Alarmsignal beim Kinderpornofall hat die Polizei von amtlicher Seite erhalten: Am 16. September hat das Konstanzer Jugendamt bereits die Kriminalpolizei auf das mögliche kinderpornografische Material in einem Konstanzer Stadtteil hingewiesen, teilte die Stadt mit.

Es habe dringender Handlungsbedarf bestanden. Unterdessen befasst sich die Polizei aktuell mit der Auswertung der sichergestellten Computer.

Nach einem ersten Kontakt kam es am 16. September zu einem Gespräch zwischen Günther Wagner, Leiter Soziale Dienste des Sozial- und Jugendamts, dem Sachgebietsleiter Markus Schubert und einer Bewohnerin, die laut Stadtverwaltung Bilder und Briefe aus dem Fund vorlegte. Danach gab das Jugendamt nicht nur seine Einschätzung an die Kriminalpolizei weiter, dass dringender Handlungsbedarf bestehe, sondern riet der Bewohnerin, sich mit einem Beamten bei der Kripo in Verbindung zu setzen. Das geschah fünf Tage später. Doch auch bis dahin haben SÜDKURIER-Informationen zufolge weder Staatsanwaltschaft, die seit 17. September Hinweise hatte, noch Polizei bei den Bewohnern nachgehakt – trotz der alarmierenden Nachricht auch des Jugendamts.

Die Zeugin hatte mit weiteren Hausbewohnern vor fünf Monaten in frei zugänglichen Räumen Tüten und Kartons mit vermutlich kinderpornografischem Inhalt gefunden (wir berichteten mehrfach). Das Material, darunter Briefe, die auch sexuellen Missbrauch vermuten lassen, ordneten sie wohl einem Vormieter zu. Zwei Mal informierten die Zeugen die Polizei, doch laut Polizeidirektionsleiter Uli Schwarz hat jeweils kein Anfangsverdacht bestanden – erst, als die Bewohner am 21. September stichhaltige Hinweise wie aktuellere Briefe und Fotos vorlegten. Seitdem wird laut Schwarz ermittelt. Doch erst nach dem SÜDKURIER-Bericht am Mittwoch rückten die Beamten zur Sicherstellung des Materials an, und auch bis Montagabend suchten die Beamten Informationen zufolge keinen Kontakt zu den Zeugen.

Drei Fälle aktuell
Aktuell ermittelt die Polizei in insgesamt drei Konstanzer Fällen mit Verdacht auf Kinderpornografie. In der Regel kümmern sich in der Polizeidirektion zwei Beamte um dieses Themenfeld. Sie werden unterstützt von Spezialisten, die insbesondere im Internet auswerten und Rechner untersuchen, wie gerade beim aktuellen Fall aus dem Konstanzer Stadtteil. Das sind dann nochmals zwei bis drei Beamte, erläuterte Polizeisprecher Michael Aschenbrenner. Bei größeren Verfahren wie 2007, als ein bundesweites Verfahren sich bis in den Konstanzer Landkreis zog, setzt die Direktion Sonderkommissionen und Ermittlungsgruppen ein. Für großes Aufsehen sorgte zuletzt auch ein Fall aus Schramberg. Dort geriet ein Schulleiter unter Verdacht, kinderpornografische Dateien zu besitzen.

Aufgabe des Jugendamts sei es, bei konkreten und aktuell laufenden Fällen von Kinder- und Jugendgefährdung mit Maßnahmen durch die Jugendhilfe zu reagieren. Um solche Hinweise sei es im angesprochenen Fall nicht gegangen, erläutert die Stadtverwaltung. Der letzte Brief, der anscheinend auf eine mögliche Straftat schließen lassen konnte, war auf das Jahr 2004 datiert. Wie der Konstanzer Kinderschutzbund den aktuellen Fall bewertet, ist unklar. Ortsvereinsvorsitzende Hiltrud Stahl konnte gestern auf Anfrage unserer Zeitung keine Stellungnahme abgeben.

Kinderpornografie: Polizei reagiert endlich

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