Nach dem Brandanschlag läuft in Konstanz eine Welle der Hilfsbereitschaft für das zerstörte Kinderhaus Edith Stein an. Firmen, Vereine und Privatleute wollen mithelfen, dass so schnell wie möglich wieder Normalität einkehrt.
Konstanz – Die Brandnachricht hatte sich gerade erst herumgesprochen, da kamen schon die Angebote. Die AWO wollte einen Raum in ihrem eigenen Kindergarten freimachen. Andere Träger kündigten an, dass sie mit Möbeln und Ausstattung helfen können. Das Kikuz Raiteberg stellte kurz entschlossen das ganze Gebäude zur Verfügung. „Ich war“, sagt Thomas Kannenberg, der Leiter des abgebrannten Kinderhauses Edith Stein, „überwältigt von dieser Solidarität.“ Manche Kinder brachten am Montag nach dem großen Feuer ihr Sparschwein mit.
Eine Welle der Hilfsbereitschaft ist ins Rollen gekommen, und auch der Petershauser Pfarrer Andreas Rudiger, Gesamtkirchengemeinde-Geschäftsführer Dieter Gräble, Sozialbürgermeister Claus Boldt und Jugendamtschef Jürgen Treude sind noch immer gerührt. Zumal trotz der Versicherung nach ersten Schätzungen nun bis zu 450 000 Euro offen sind. Dieter Gräble: „Erst nach und nach wird deutlich, was verloren gegangen ist.“ Zugleich bitten er und Kannenberg um Verständnis, dass Sachspenden nicht helfen: „Wir haben, was wir für den Moment brauchen.“
Am dritten Tag in der provisorischen Heimat hängt ein handgemaltes Plakat an der Tür des Kikuz. 5243 Euro kamen demnach auf dem Flohmarkt zusammen. Das Stadtmarketing hatte kurzerhand ausnahmsweise einen Kuchenverkauf genehmigt. Zahlreiche Bäcker stifteten Backwaren, die die Eltern am Stand anbieten konnten. Studenten aus der Nachbarschaft seien gekommen und hätten für den Kaffe großzügig zehn Euro bezahlt, berichtet Elternbeiratsvorsitzender Kai Geiger. Auch Augenzeugen des Brands, die im benachbarten Hotel logiert hatten, haben großzügig gespendet. Auf dem Sonderkonto sind bereits über 4000 Euro eingegangen, sagt Pfarrer Rudiger.
Bürgermeister Boldt hat ein Angebot von der Philharmonie erhalten, die Musiker wollen ein Benefizkonzert auf die Beine stellen. Die Service-Clubs der Stadt haben sich erkundigt, wo sie helfen können. Vielen Menschen in der Stadt geht offenbar nahe, wovon Kinderhaus-Leiter Kannenberg berichtet. Noch immer kämen Mütter mit ihren Kindern unter Tränen ins Ausweichquartier. Ein Besuch an der Ruine des Kinderhauses wühle viele Emotionen auf. Über diesen Verlust hinwegzuhelfen, ist in diesen Tagen eine wichtige Aufgabe der Erzieherinnen.
Das Kinderhaus unterstützen wollen auch die Unicef-Ortsgruppe sowie die Katholische junge Gemeinde KjG Altstadt. Die Erlöse aus dem großen Spendenlauf am Sonntag (Start 10 Uhr, Lorettowald beim DJK-Platz) sollen zum Teil dem Kinderhaus zugute kommen. Seit jeher fließt ein Teil des Erlöses bei Sozial-Sportprojekt an Konstanzer Einrichtungen, sagte Unicef-Vorsitzende Sabine Müller-Esch. Die KjG hat einen Waffelstand für Samstag auf der Marktstätte auf die Beine gestellt, dessen Erlös ebenfalls dem Kinderhaus zugute kommen soll. Ab 9.30 Uhr kann man für einen guten Zweck naschen.
Die CDU-Fraktion im Gemeinderat schlägt unterdessen vor, dass die Stadt noch auf andere Weise hilft. Wenn im September das Kikuz Raiteberg wieder für seinen ursprünglichen Zweck benötigt werde, könne das Kinderhaus möglicherweise in die ehemalige, derzeit weitgehend leerstehende „Franzosenschule“ in der Pestalozzistraße ziehen. Das Gebäude gehört inzwischen der Stadt. Die Miete für die Räume, so der Vorschlag der CDU, solle der Kirchengemeinde erlassen werden. Sie müsste sonst 20 Prozent der Kosten tragen, 80 Prozent übernimmt sowieso die Stadt. Eine solche provisorische Übergangslösung sei vermutlich nicht durch die Versicherung gedeckt, schreiben Fraktionschef Alexander Fecker sowie sein Vize Wolfgang Müller-Fehrenbach.