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Konstanz Kahlschlag in Konstanz: Takeda baut mehr als 600 Stellen ab

19.01.2012
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Furchtbare Nachrichten für mehr als 700 Mitarbeiter, ein Schreckenstag für die Stadt Konstanz: Der japanische Pharmakonzern Takeda löst nach der Übernahme von Nycomed Forschung und Vertrieb am Standort Konstanz komplett auf. Nur rund 160 Mitarbeiter in der Verwaltung behalten zunächst ihre Arbeitsplätze. Die Reaktionen reichen von Fassungslosigkeit bis Wut.

Mitarbeiter in Tränen, Politiker in Rage, Gewerkschaften in Kampfeslaune, Bürger in Sorge: Der Kahlschlag des Pharmariesen am Standort Konstanz hat kaum jemanden unbeeindruckt gelassen. Das Ende eines stolzen Forschungsstandorts und der Abbau des Vertriebs bedeuten nach einhelliger Einschätzung den schwersten Einschnitt für den Wirtschaftsstandort seit Jahren. Mehr als 2000 Menschen hatten noch vor einem Jahrzehnt bei Altana gearbeitet, bald sollen es nur mehr 150 sein. Aus dem einst stolzen und erfolgreichen Forschungszentrum wird eine kleine Außenstelle.

Die Reaktionen auf den angekündigten Abbau von 700 Stellen sind einhellig. Doch hatten die Politiker bei der Streichung von 790 Jobs im Jahr 2007 noch versucht, mit einer Stimme zu sprechen, kommen die Stellungnahmen an diesem kalten Januartag 2012 einzeln und in dichter Folge. Am Abend gibt es doch noch die gemeinsame Erklärung. Es sei unverständlich, dass gerade die Bereiche, die der Firma bisher große Gewinne ermöglicht hätten, nun abgewickelt werden sollen, heißt es in dem Papier mit dem Briefkopf von Landrat Frank Hämmerle.

Der grüne Landtagsabgeordnete Siegfried Lehmann spricht von „Verantwortungslosigkeit“ und wirft Takeda eine „rein gewinnorientierte Strategie“ vor. Ähnlich äußert sich Christiane Kreitmeier für die stärkste kommunalpolitische Kraft, die Freie Grüne Liste: „Takeda weiß leider die exzellenten Standorteigenschaften, die Konstanz mit seinen Hochschulen bietet, nicht zu schätzen.

“ Oberbürgermeister Horst Frank erklärt: „Die Entscheidung des Konzerns ist tragisch für die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ihre Familien, die nun vor einer unsicheren Zukunft stehen. Wir werden alles tun, um ihnen zu helfen und werden unverzüglich Gespräche mit der Landesregierung, der Konzernleitung und dem Betriebsrat führen.“

Auch aus der SPD gibt es harsche Kritik: Der Konstanzer Parteivorsitzende Uwe Herwig und Fraktionschef Jürgen Leipold erklären: „Es waren die Leistung und das Wissen der Mitarbeiter, die dem Unternehmen in den letzten Jahren riesige Gewinne gebracht haben. Wenn der Forschungsstandort Konstanz geschlossen wird, vernichtet der Takeda-Konzern nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch Wissen und Wohlstand und schadet so seinen eigenen wirtschaftlichen Interessen.“

Im bürgerlichen Lager regt sich ebenfalls Protest. Sie habe bereits im Vorfeld der Entscheidung auf die Vorzüge des Standorts Konstanz hingewiesen, teilt FDP-Bundestagsabgeordnete Birgit Homburger mit: „Außerdem hat sich auch das Bundeswirtschaftsministerium mit einem Schreiben an Takeda eingeschaltet. Das alles hat offenbar nichts genützt.“ Ortsvorsitzende Tatjana Wolf spricht ebenfalls von „Enttäuschung“.

Bei der CDU sprechen die Abgeordneten Andreas Jung (Bund), Wolfgang Reuther (Land), Andreas Schwab (Europa) sowie Ortsvorsitzender Matthias Heider und Fraktionschef Roger Tscheulin mit einer Stimme: „Als gewählte Vertreter der CDU kritisieren wir den von Takeda angekündigten Abbau von Arbeitsplätzen in Konstanz in aller Deutlichkeit. Die Umsetzung der angekündigten Maßnahmen würde die Mitarbeiter, die Stadt Konstanz und die ganze Region hart treffen.“ Und weiter: „Soziale Marktwirtschaft heißt auch: Eigentum verpflichtet!“

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