Kängurus auf dem Wochemarkt? Ja, auch das gibt es in Konstanz. Allerdings hüpfen nicht die beliebten Beuteltiere auf dem Gebhardsplatz zwischen den Marktständen herum, sondern sangesfreudige Mädchen und Jungen, die auf ihre selbstgebackenen Kuchen und Torten aufmerksam machen. Bei den Kängurus handelt es sich nämlich um einen Mutter-Kind-Chor der Seelsorgeeinheit Petershausen.
Einmal im Monat, und zwar samstags, sind die Kinder und Mütter auf dem Konstanzer Wochenmarkt in Petershausen präsent und warten mit hausgemachten Leckereien auf. Da kann man eigentlich nicht widerstehen, vor allem weil die Kinder selbst tatkräftig an den delikaten Kunstwerken mitgearbeitet haben. Tamara spricht von der klassischen Aufgabenteilung. Sie selbst backe den Kuchen und „die Mama räumt auf“. Alexandra hat eine ganz aufwändige Spezialität und berichtet: „Den Herrmann muss man jeden Tag umrühren und füttern.“ Herrmann? Ja, so nennt sich dieser spezielle Kuchen.
Warum die Kinder gemeinsam mit ihren Müttern auf dem Wochenmarkt Kuchen verkaufen, ist schnell geklärt. „Wir wollen nach Rom“, verraten die Mädchen unisono. Die Kängurus – etwa 50 Kinder und Erwachsene im Alter von fünf bis 50 Jahren – singen nicht nur unter Leitung von Mechthild Born und treten bei Gottesdiensten auf. „Über mehrere Monate hinweg behandelt wir ein Thema“, berichtet die Chorleiterin. Im vergangenen Jahr haben sie sich Paulus gewidmet. „Und dabei sind wir natürlich auf Rom zu sprechen gekommen.“ Eine faszinierende Stadt, befand der komplette Chor. „Wir stellen uns Rom ganz toll und groß vor. Mit vielen Menschen, Märkten, Kirchen und natürlich dem Forum Romanum“, schwärmen die Kinder.
So wuchs rasch der Wunsch, einmal nach Rom zu reisen, um diese Kulturstadt mit eigenen Augen zu sehen. Doch eine solche Reise mit dem kompletten Chor ist nicht billig und nicht jedes Känguru kann sich dieses Vergnügen leisten. So kam der Chor auf die Idee, sich mit Kuchenverkauf den Traum von Rom zu erfüllen. Pfarrer Andreas Rudiger hilft bereits tatkräftig bei der Organisation dieser Studienfahrt. „Und er hat es geschafft, dass wir vor dem Papst singen dürfen“, frohlocken die Kinder. Bei diesem Gedanken trällern sie schon vergnügt vor sich hin und werden in den nächsten Monaten weiter mit Feuereifer backen, damit ihr Traum von der Romreise in Erfüllung geht.
Aurelia Scherrer