Konstanz Jetzt ist klar: Die erste Planung der millionenschweren Z-Brücke in Petershausen war vollkommen falsch

Die Z-Brücke über die Gleise in Konstanz-Petershausen wurde zunächst vollkommen falsch geplant. Nach den ursprünglichen Plänen hätte sie gar nicht gebaut werden können, erklärt die Stadtverwaltung. Und sie kündigt an, sich die Mehrkosten notfalls vor Gericht zum Teil zurück zu erstreiten.

Zwischen "skandalös" und "unglücklich": Die politischen Bewertungen der Kostenentwicklung beim Bau der Z-Brücke über die Bahngleise in Petershausen gehen noch immer weit auseinander. Dorothee Jacobs-Krahnen (Freie Grüne Liste) erinnert daran, dass das politische Grundsatz-Ja zu dem Projekt auf Grundlage des Versprechens von 2009 beruhe, nach dem 2,6 Millionen Euro ausreichten. Ganz anders Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn, der von einer Steigerung um lediglich zehn bis 16 Prozent ausgeht und den Projektbeschluss von 2015 über 5,3 Millionen Euro zur Grundlage nimmt. Was bedeutet: Jacobs-Krahnen spricht von einer Kostenexplosion, Langensteiner-Schönborn und auch Oberbürgermeister Uli Burchardt weisen diese Wortwahl scharf zurück.

Immerhin eine gute Nachricht hatte Wolfgang Seez, der Chef des Tiefbauamts, für die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses (HFA). Das Angebot über 3,64 Millionen Euro, das der günstigere von nur zwei Bietern abgab, beruhte auf Fehlern, die das beauftragte Ingenieurbüro bei der Ausschreibung gemacht hatte. Da aber die Landes-Zuschüsse auf dieser Basis berechnet werden, will die Stadt das Büro wegen entgangener Mittel aus Stuttgart zur Verantwortung ziehen. Auch alle anderen Nachforderungen, wegen derer die Stadt sich von der Politik weitere bis zu 880 000 Euro genehmigen lassen muss, würden von Anwälten geprüft.

Und noch eine Überraschung gab es in öffentlicher Sitzung: Offenbar war die zunächst geplante Brückenkonstruktion technisch gar nicht umsetzbar. Auch wegen der Umplanung hin zu einer Spannbeton-Bauweise seien die Kosten gestiegen, sagte Seez: "Die Zahlen waren nicht real." Wie es dazu kam, bleibt vermutlich für immer ein Rätsel. Baubürgermeister und Tiefbau-Chef haben in der Zwischenzeit gewechselt, und Seez hat das Projekt bereits mit vielen Problemen übernommen.

Da die Brücke so gut wie fertig ist und ab Oktober nutzbar sein soll, ist ein Ausstieg aus dem Projekt in der Politik weiterhin kein Thema. Jürgen Faden (Freie Wähler) fordert aber, aus den Problemen zu lernen. Er erinnerte daran, dass die Stadt gerade darüber nachdenke, die Geschwister-Scholl-Schule komplett neu zu bauen. Eine funktionierende Kostenkontrolle sei dafür unerlässlich. Jürgen Ruff (SPD) erinnerte daran, dass er damals als einer der wenigen gegen den Bau generell gestimmt habe – allerdings nicht wegen der Kosten, wie er einräumte, sondern wegen der für Radler ungeeigneten spitzen Winkel an den Rampen.

Das vorerst letzte politische Wort in Sachen Z-Brücke hat am Donnerstag, 20. Juli, der Gemeinderat. Nach den bisherigen Entscheidungen der Ausschüsse ist zu erwarten, dass er die Mehrkosten billigt. Im HFA stimmte nur Jacobs-Krahnen dagegen.

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