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Konstanz Irrtümer der Wissenschaft

Konstanz – Im Rahmen der Vortragsreihe „Wissenschaft im Visier“ diskutieren Ulrich Wengenroth, Bernhard Kleeberg und David Gugerli über fundamentale Irrtümer in der Geschichte der Wissenschaft. „Wer sagt eigentlich, dass Newton stimmt?“, fragt Ulrich Wengenroth von der Technischen Universität München und lässt seine Zuhörer eine Sekunde lang an Isaac Newtons Gesetzen zweifeln.

Der Professor für Geschichte der Technik eröffnet den Vortragsabend „Irrtum als Antrieb? Eine etwas andere Geschichte der Wissenschaft“. Zusammen mit Berhard Kleeberg von der Universität Konstanz und David Gugerli von der Universität Zürich diskutiert er über fundamentale Irrtümer, die als Antrieb unerwarteter Innovationen dienten. Organisiert wird die Veranstaltung vom Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“ und dem Zukunftskolleg der Universität Konstanz im Rahmen der Vortragsreihe „Wissenschaft im Visier.“

Die Versuchung heutzutage, eine schon bekannte bessere Zukunft zu schaffen, ist groß. Die Geschichte der Wissenschaft zeigt jedoch, dass Innovationen oft grundlegenden Irrtümern entsprangen, die erst Jahrhunderte später verstanden wurden. Ulrich Wengenroth bezeichnet diese als „Fruchtbare Irrtümer“. Als Beispiel nennt der Professor unter anderem die Alchemie: „Aus Dreck Gold zu machen, ist natürlich völliger Quatsch, doch die Alchemisten haben die heutige Chemie in einem unglaublichen Tempo vorangebracht.“

Auch Wikipedia kommt an den Irrtümern der Geschichte der Wissenschaft nicht vorbei. Auf der deutschen Seite wird das Funktionsprinzip einer Tragfläche mit Hilfe des Bernoulli-Gesetzes erklärt, auf der Englischen dagegen trägt Isaac Newton die Verantwortung. Die Enzyklopädien und der Nationalismus seien Hand in Hand entstanden, kommentiert Wengenroth. Heute ist sicher, dass beide Gesetze eine Rolle spielen, trotz dieses Irrtums fliegen wir schon seit einigen Jahrzehnten. Nach beiden Gesetzen ist es übrigens unmöglich, dass Insekten fliegen können. Es gibt bisher keine wissenschaftliche Erklärung, warum sie dazu in der Lage sind: Die Theorie muss nicht wahr sein, um nützlich zu sein. Jahrtausendelang wurden Rundbögen und Balkenbrücken nach den falschen Lehrsätzen gebaut, dennoch stehen sie bis heute. „Die Überzeugung, dass die Theorie stimmen muss, hat den Erbauern das Selbstvertrauen gegeben, sie zu bauen“, so Wengenroth.

Wie lange können wir Newton also noch verteidigen? Was ist, wenn Newton auch nur ein fruchtbarer Irrtum ist? Wengenroth: „In der Wissenschaft ist nur sicher, dass nichts sicher ist. Man muss die ständige Bereitschaft haben, dass etwas nicht stimmt.“

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