Mein


Drei Schwestern trachten nach ihrem Diener, dieser nach dem Leben seiner Herrschaft. Darum geht es in der Komödie „Fisch zu viert“, im Sommertheater Reichenau

Niemand kann zwei Herren dienen, sagt der Volksmund. Schon gar nicht drei Frauen, die auch noch Schwestern sind. Doch Rudolf hat diese stressige, aussichtslos erscheinende Aufgabe übernommen. Seit Jahrzehnten schon, jetzt möchte er die Früchte seines harten Arbeitslebens ernten. Eine Weltreise will er sich gönnen, finanziert von den Optionen auf ein Testament, zu denen sich die Damen – jede für sich – bei ihren Schäferstündchen mit Rudolf haben hinreißen lassen. Auch das gehörte zu den Aufgaben des Dieners. Doch nun ist Zahltag, Rudolf will weg und Geld sehen.

Wie das ungleiche Quartett die vertrackte Situation lösen wird, das breitet genüsslich das Reichenauer Sommertheater bei den diesjährigen Freilicht- und Glashausspielen in Wolfgang Kohlhaases und Rita Zimmers Komödie „Fisch zu viert“ aus. Sind die liebevoll entworfenen Kostüme (Elisabeth Stiegeler) , die mit wenig Requisiten gelungene Ausstattung des Bühnenbilds im Park (Mimi-Sybilla Schiemann, Ute Fuchs, Fanny und Dirk Pette, Stefan Lack), in perfektes Licht getaucht („Starlight“) eigentlich schon guter Brauch im Schlosspark Königsegg, war in diesem Jahr sogar das Premierenwetter über jeden Zweifel erhaben. Ein lauer Sommerabend, an dem ein gerade noch tolerabler Schnakenangriff, ein vorlaut quakender Frosch und ein sich mit Gebell in die Handlung einmischender Nachbarshund daran erinnerte, dass sich die Kunst, das Theater nicht im abgeschotteten Elfenbeinturm, sondern mitten im Leben, mitten in der Natur abspielt.

Und damit sind wir auch wieder mitten im prallen Leben dieser Komödie. Rudolf wird mit seinem pikanten Hintergrundwissen und den impertinenten Geldforderungen seinen Dienstherrinnen allmählich lästig, ebenso wie der Diener selbst sich seiner Herrschaft entledigen will, um endlich an sein Erbe zu kommen. Kriminelle Energie wird frei, auf beiden Seiten. Gift kommt ins Spiel und ein verdorbener Fisch, aber noch ist unklar, wessen Mordgedanken schließlich zum Ziele führen und ob überhaupt. Nur eines steht fest: Bully Buhlans Schlager von einst „Mir ist so komisch zumute, ich ahne und vermute, heut' liegt was in der Luft, ein ganz besond'rer Duft“ könnte für alle Beteiligten schwerwiegende Folgen haben

Völlig unbedenklich für die Zuschauer dagegen der besondere Duft des Sommertheaters, der nun wieder für drei Wochen in der Luft liegen wird. Eine schwarze Komödie, Gesangs- und Tanzeinlagen, perfekt begleitet von den Musikern Volker Zöbelin, Stefan Mölkner und Manfred Müller, das garantiert einen unbeschwerten Abend, zumal sich das Ensemble ausschließlich aus professionellen Schauspielern zusammensetzt. Ute von Stockert und Dina Roos-Kühling und Theaterleiterin und Regisseurin Ute Fuchs sind drei hinreißende Schwestern, szenisch und musikalisch gleichermaßen versiert. Im Zentrum der Inszenierung stand aber überraschenderweise diesmal nicht nur Ute Fuchs, sondern Helmut Jaekel in seiner grandiosen Rolle als Diener Rudolf. Seine Mimik, seine distinguierte Art – da möchte man sich doch erlauben, sie „großartig“ zu nennen. Viel Beifall von einem glücklichen und zufriedenen Publikum.

Reichenau, Schloss Königsegg: täglich außer So/Mo, im Glashaus: 20. Juli. Schloss Arenenberg: 27. Juli bis 7. August täglich außer So/Mo. Karten-Tel: 07534-7435

E-Mail: info@theater-auf-der-insel.de

Informationen und Karten im Internet:

www.theater-auf-der-insel.de

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