Konstanz (rin) In die seit Jahren verriegelte Fußgänger-Unterführung am Schnetztor soll wieder Leben kommen. Die gemeinnützige Firma Indigo, die im Paradies schon einen Bügelservice betreibt, möchte dort ab Mai ein Parkhaus für Fahr- und Motorräder eröffnen. Über den Vertrag wird derzeit mit der Stadt verhandelt.
Hinter dem Projekt stehen die Paritätischen Sozialdienste Konstanz und ein Verein für psychisch Kranke. Ihr Ziel ist es, am Schnetztor Arbeitsplätze für behinderte und kranke Menschen zu schaffen. Indigo hatte sich auf eine Ausschreibung der Stadt Konstanz für den Betrieb einer Radgarage beworben. Die gemeinnützige Firma will mit der ersten Konstanzer Zweiradgarage vor allem Bodenseetouristen ansprechen, die eine sichere Abstellmöglichkeit für ihr Fahr- oder Motorrad und ihr Gepäck suchen. In der Unterführung soll es auch einen kleinen Reparatur- und Putzservice sowie Informationen über Konstanz geben. Eine Kooperation mit der Touristinformation Konstanz sei angedacht, sagt Ralf Rosbach, Geschäftsführer von Indigo. Eventuell könnte es in der Tourismuszentrale auch Hinweise auf die Parkmöglichkeit geben. Über die Preise für das Einstellen der Räder könne er jedoch noch nichts sagen. Die Kostenkalkulation sei noch nicht abgeschlossen.
Die Unterführung am Schnetztor mit rund 250 Quadratmetern Nutzfläche und WC-Anlage könne ohne wesentliche bauliche Veränderungen als Parkgarage in Betrieb gehen. Das bestätigt Johannes Kumm, Leiter des Hochbauamts der Stadt Konstanz. Die unterirdische Fußgängerverbindung zwischen Fußgängerzone, Kreuzlinger Straße und Döbele wird nicht mehr benötigt, seit der Fernverkehr an der Stadt vorbei über die Europastraße geleitet wird und so die innerstädtischen Zollübergänge vom Verkehr entlastet wurden. An der Kreuzung am Schnetztor können Fußgänger seitdem wieder oberirdisch die Straße kreuzen. Es wurden Fußgänger-Ampeln errichtet.
Zur alternativen Nutzung der Unterführung gab es seit 2001 schon viele Pläne. Unter anderem waren Proberäume für Bands und Diskotheken im Gespräch. Als Tanzlokal sei der Tunnel aber wegen fehlender Fluchtwege und auch wegen der Lärmbelastung nicht in Frage gekommen, sagt Johannes Kumm. Zuletzt wurde der unterirdische Raum für einen Trödelmarkt genutzt. Seit seinem Auszug vor mehreren Jahren sind am Ende der Eingangsrampen die Gitter heruntergelassen. Der Platz vor der stillgelegten Unterführung gehört zu den beliebten Schlafstellen für Obdachlose.
Keine neue Idee
Die Idee, in Konstanz ein Parkhaus für Räder anzubieten, ist nicht ganz neu. Als möglicher Standort war zuletzt der Bahnhof im Gespräch, wo auch die geplante Mobilitätszentrale unterkommen soll. Ihr Aufbau wiederum soll Teil der von Konstanz lange ersehnten Bahnhofssanierung sein, für die es allerdings bis heute keinen festen Zeitplan gibt.