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Konstanz In Konstanz beginnt das zweite Leben

In Konstanz werden jedes Jahr zwei herzkranke Kinder und Jugendliche aus der Ukraine gesund gemacht. Das Projekt Herzkinder besteht schon seit vielen Jahren.

Der 17-jährige Sergiy (Zweiter von links) wird in Konstanz gesund gemacht. Dies ermöglicht das Projekt Herzkinder, an dem auch Andreas Görwitz vom Rotary-Club, Dolmetscherin Yelena Dejanowa und der Arzt Thomas Seiler (von links) beteiligt sind.
Der 17-jährige Sergiy (Zweiter von links) wird in Konstanz gesund gemacht. Dies ermöglicht das Projekt Herzkinder, an dem auch Andreas Görwitz vom Rotary-Club, Dolmetscherin Yelena Dejanowa und der Arzt Thomas Seiler (von links) beteiligt sind. | Bild: Bild: Schlüter

Konstanz – Sergiy Ilyashevich ist 17 Jahre alt und lebt in der Ukraine. Seit sechs Jahren besucht er keine Schule mehr, weil er krank ist. Sein Herz schlägt viel zu schnell, er darf keinen Sport machen und sich auch sonst nicht belasten. In einigen Jahren können die Herzrhythmusstörungen lebensbedrohlich werden. Doch so weit wird es nicht kommen: Sergiy erhält in Konstanz eine neue Zukunft. So wie viele andere ukrainische Kinder und Jugendliche auch.

In nur vier Stunden verändert sich Sergiys ganzes Leben. So lange dauert der Eingriff, der die Herzrhythmusstörungen beseitigt und ihn ganz gesund macht. In Sergiys Heimat Cherkassy, rund 200 Kilometer südlich von Kiew, wäre dieser Eingriff nicht möglich. „Die ukrainischen Ärzte haben eine gute Ausbildung, aber medizintechnisch sind die Krankenhäuser sehr viel schlechter ausgestattet als wir“, sagt der Kinderkardiologe Thomas Seiler. Er fliegt selbst seit zehn Jahren nach Cherkassy, untersucht dort kostenlos rund 30 Kinder und sucht jedes Jahr zwei aus, die in Konstanz operiert werden. Kinder und Jugendliche mit schweren angeborenen Herzfehlern kann er nicht operieren; für sie wäre der Flug eine zu große Strapaze. Für Sergiy und den 13-jährigen Olexandr Zhmur ist das kein Problem. Sie fliegen nur wenige Tage nach dem Eingriff zurück in die Heimat.

Die Hilfe für jährlich zwei herzkranke Kinder oder Jugendliche gibt es nun schon seit 13 Jahren. Sie kann nur bestehen, weil viele Unterstützer sich beteiligen. Das Herzzentrum und das Klinikum Konstanz tragen die Kosten für die Eingriffe und die Betreuung – das sind pro Patient rund 25 000 Euro. Der Rotary-Club Konstanz-Rheintor organisiert und finanziert den Transport, die Unterkunft und die Visa. Außerdem veranstalten die Rotarier jeden Sommer ein Konzert mit der Violinistin Alina Pogostkina, dessen Einnahmen in das Projekt Herzkinder fließen. „Alina Pogostkina haben wir vor vielen Jahren selbst einmal unterstützt, als sie noch unbekannt war und Geld für ihren Violinunterricht brauchte“, erzählt Andreas Görwitz vom Rotary-Club. Heute ist die Geigerin ein Weltstar und bedankt sich dafür mit Benefizkonzerten in Konstanz. Der SÜDKURIER ist Medienpartner dieses Konzerts und unterstützt somit auch das Herzkinder-Projekt. Andreas Görwitz sagt: „Das Projekt ist toll, weil wir keinen Scheck geben, sondern konkret helfen.“ Darüber freut sich auch Thomas Seiler. Er möchte noch vielen Kindern ein neues Leben ermöglichen und hofft, dass sich auch die Ukraine um Fortschritte bemüht. Deshalb lässt er eine ukrainische Ärztin zwei Wochen lang bei sich hospitieren.

Sergiy lauscht den Erklärungen des Arztes, versteht aber nichts. Der 17-Jährige ist froh, dass Yelena Dejanowa dabei ist und ihm alles übersetzt. Sie begleitet seit neun Jahren Herzkinder nach Konstanz, weil sie selbst betroffen war. Ihr Sohn war damals zehn Jahre alt und wurde ebenfalls behandelt. Seitdem wollte er Deutsch lernen. Heute studiert er Deutsch und Englisch. „Er möchte unbedingt wieder nach Konstanz kommen“, sagt Yelena Dejanowa. Die anderen Kinder seien ebenfalls sehr glücklich. „Konstanz hat uns gesunde Kinder geschenkt“, sagt sie.

Auch Sergiy freut sich auf sein neues Leben. Er darf dann wieder Sport treiben und möchte auch studieren. Das hat Yelena Dejanova übersetzt, aber der 17-Jährige bemüht sich auch selbst um deutsche Brocken. Ein Wort kann er schon: „Dankeschön!“, sagt er und strahlt.

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