Zwischen Himmel und Hölle liegen 883 Kilometer. So weit sind Konstanz und Lübeck voneinander entfernt. Und damit der Stadtteil Paradies von der Haltestelle "Fegefeuer" in der Hansestadt. Aber nicht, dass jetzt ein Missverständnis aufkommt: Lübeck ist ganz und gar nicht höllisch, auch wenn an der Marienkirche ein kleiner Bronzeteufel sitzt. Lübeck ist eine himmlische Stadt. Sonst gäbe es dort keine Pfaffenstraße und erst recht keine Engelsgrube.
Konstanz und Lübeck - geografisch könnten die Bewerber um den Titel Stadt der Wissenschaft kaum weiter auseinander liegen. Doch wer genau hinschaut, entdeckt viele Gemeinsamkeiten zwischen der Konzil- und der Hansestadt. Da wäre zunächst die Lage an einem Gewässer. Gut, die Trave kann mit dem Bodensee nicht ganz mithalten, umfließt dafür aber sehr hübsch die gesamte Lübecker Innenstadt. Die liegt auf der so genannten Altstadtinsel, geschützt von zwei stattlichen Toren. Eines davon ist das gewaltige Holstentor am westlichen Eingang der Stadt. Leicht schief, aber dennoch sehr imposant, wacht es als Wahrzeichen der Stadt über das Wohl seiner Bürger.
Wer mit dem Blick eines Fremden durch das Tor geht, erlebt einen ersten Überraschungseffekt: Lübeck ist rot. Alle Kirchen und viele Häuser bestehen aus rotem Backstein. Ihre getreppten Giebel ragen majestätisch in die nasskalte Februarluft. Als zweites fallen dem Besucher die unzähligen Türme der Stadt auf. Egal, auf welche Häuserzeile oder hinter welche Ecke man die Kamera hält - immer ist im Hintergrund eine grüne Kirchturmspitze im Bild. Dabei heißt Lübeck eigentlich "Stadt der sieben Türme".
