Müssen die Menschen im Kreis Konstanz künftig mehr Fluglärm ertragen, damit die Anwohner des Zürichsees weiterhin ihre Ruhe haben? Dieser Verdacht macht die Runde zwischen Konstanz und Gailingen, und er hat am Freitag neue Nahrung bekommen: Landrat Frank Hämmerle hat stellvertretend für alle Bürgermeister und Abgeordneten nicht nur Nachbesserungen beim „Denkschrift“ genannten Anhang zum umstrittenen Staatsvertrag zwischen Deutschland und der Schweiz gefordert. Sondern er ruft auch dazu auf, dass der Vertrag nicht in Kraft gesetzt wird: „Der Staatsvertrag darf in der jetzigen Form nicht ratifiziert werden. Zuvor müssen alle Sachfragen zu den künftigen Flugrouten und Flughöhen geklärt werden.“
Die FDP-Bundestagsabgeordnete Birgit Homburger macht unterdessen Mut: Im Bundesverkehrsministerium habe man ihr versprochen, dass die „Zusagen aus den Verhandlungen aufgenommen“ würden. Laut Hämmerle geht es darum, „dass Anflüge auf die neu zu bauende Ost-West-Piste nicht die Agglomeration Konstanz-Reichenau-Allensbach-Kreuzlingen belasten dürfen, sondern über die Schweiz geführt werden müssen“.
Winfried Stroscher von der Bürgerinitiative gegen Flugverkehrsbelastung im Landkreis Konstanz warnt aber: Die zunehmenden Flugbewegungen der letzten Wochen könnten erst der Anfang sein. Neben den Anflügen könnte der Landkreis nun auch noch die Abflüge bekommen, und das in geringerer Höhe als bisher. Randegg, Gottmadingen und Hilzingen könnten nach seinen Worten besonders betroffen sein: „Wir rechnen mit dem achtfachen Lärm im Vergleich zu bisher.“
Gegen dieses so genannte Ostkonzept für Zürich-Kloten sollen nach dem Willen des Bürgerinitiative-Sprechers Politiker aller Parteien und Ebenen gemeinsam Front machen. Dass Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) den Staatsvertrag mit der Schweiz in Sachen Flughafen zunächst begrüßt hatte und erst von den Bürgern darauf hingewiesen werden musste, dass er für Südbaden ein faules Ei sein könnte, „dafür fehlen mir die Worte“, sagt Stroscher.
Einen Mitstreiter haben die Fluglärm-Gegner schon sicher: Der Gailinger Bürgermeister Heinz Brennenstuhl wurde von seinen Kollegen um die Koordination des Vorgehens in Sachen Fluglärm gebeten, und auch er warnt: Viele Forderungen aus der Region finden sich in der Denkschrift zum Staatsvertrag nicht wieder, und niemand habe sich um das „Kleingedruckte“ gekümmert, obwohl jeder doch wisse: „Da spielt in Wirklichkeit die Musik.“ Er fordert, dass Bundesverkehrsminister Peter Ram sauer (CSU) in den Landkreis kommt und sich den Bürgern selbst erklärt. Denn zu vielen Informationen werde der Zugang bisher verweigert.
„Verdächtige Stille“ macht Brennenstuhl in der Schweiz aus und wertet das als Beleg, dass die Lasten tatsächlich verlagert werden. Und Gailingens Bürgermeister mahnt zur Eile: „Wir müssen uns jetzt wehren, es ist höchste Eisenbahn.“
Ein Thema, das die Region nicht loslässt: Alles zum Fluglärm am Hochrhein und in der benachbarten Schweiz finden Sie hier.

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