Konstanz -
In der Philharmonie-Affäre ist auch Bürgermeister Claus Boldt in die Kritik geraten. Im Interview spricht er über enttäuschtes Vertrauen, eigene Fehler und Zukunftspläne
„Das ist ein Vorgehen, das mich außerordentlich befremdet hat.“ Claus Boldt, Bürgermeister,für Kultur und Soziales in Konstanz über die Krise der Philharmonie und das Verhalten des Noch-Intendanten Florian Riem.
Bild: hanser
»Das heißt, er hat sich auch Ihnen gegenüber in keiner Weise zu diesem ganzen Fall erklärt?«
Bürgermeister Claus Boldt:
»Nein.«
Gemeint hat er aber natürlich das genaue Gegenteil, nämlich: Ja. Mit Logik hat der Rechtswissenschaftler und Kulturbürgermeister also offensichtlich nicht viel am Hut, wie übrigens die meisten Menschen einschließlich des Fragestellers, der diesen Lapsus gar nicht bemerkt. Nur diesem Umstand ist es schließlich zu verdanken, daß sich das Musterbeispiel für Unlogik, die sogenannte Relativitätstheorie, bis heute halten konnte.
Erklären Sie mir einmal, Herr Boldt, weshalb Rücktrittsforderungen, die an einen Bürgermeister gerichtet sind, dessen (Medien-) Präsenz in den letzten Jahren vor allem von zahlreichen Skandalen geprägt war, durch die der Stadt Konstanz inzwischen Kosten in 7-stelliger Höhe entstanden sind, abwegig sind.
In der freien Wirtschaft hätte man Ihren Posten schon längst zwangsgeräumt und neu besetzt, aber in der Politik kann man sich ja offenbar alles erlauben.
Ich finde nicht, dass Herr Riem den richtigen Weg gegangen ist. Sicher ist es schön, wenn Weltklassekünstler nach Konstanz kommen, aber nicht, wenn dadurch ein derartiges Defizit entsteht. Dann muss man andere Wege gehen. Etwas unbekanntere Künstler oder Benefinzkonzerte mit bekannten Künstlern, die zusätzlich gegeben werden z.B.. Und es stellt sich die Frage, warum dem Bürgermeister (vielleicht sogar bewußt?) falsche Zahlen vorgelegt werden. Der Wunsch nach einem attraktivem Angebot kann nicht soweit gehen, dass damit die Arbeitsplätze der Musiker gefährdert werden, weil kein Geld mehr da ist oder in anderen Bereichen jetzt gekürzt werden muss. Fehlervermeidungsstrategie? - Ja, ich würde in den Arbeitsvertrag schreiben, dass ein Intendant oder Geschäftsführer, der seiner Rechnungslegungspflicht nicht nachkommt eine Vertragsstrafe zahlen muss - neben einem Schadenersatz, der hier hoffentlich nocht gefodert wird. Und statt Aufhebungsvertrag wäre da nicht fristlose Kündigung angesagt
Für die Zukunft sollte sich die Stadt nicht nur Fehlervermeidungsstrategien überlegen. Die politischen Entscheidungsträger in Konstanz müssen vor allem dafür sorgen, dass die Ziele erreicht werden, die man ursprünglich mit einem Konzerthaus erreichen wollte: die Attraktivität des kulturellen Angebots von Konstanz zu erhöhen. Und hier hat Herr Riem den richtigen Weg gewiesen, er hat in Künstler investiert (und nicht in eine Immobilie). Die Politik hatte mit dem Konzerthaus auch die damit verfolgten Ziele ad acta gelegt. Vielleicht hat die aktuelle Situation ja zur Folge, dass im städtischen Haushalt Teile des Konzerthausgeldes künftig direkt in den künstlerischen Bereich fließen. Das macht aber nur Sinn, wenn ein Intendant da ist wie Hr. Riem, der Weltklasse-Künstler wie Buchbinder, Gidon Kremer, Mischa Maisky und Sarah Chang nach Konstanz holen kann. Wenn alle aus den gemachten Fehlern lernen, ist eine weitere Zusammenarbeit mit Hr. Riem sinnvoll.
»Das heißt, er hat sich auch Ihnen gegenüber in keiner Weise zu diesem ganzen Fall erklärt?«
Bürgermeister Claus Boldt:
»Nein.«
Gemeint hat er aber natürlich das genaue Gegenteil, nämlich: Ja. Mit Logik hat der Rechtswissenschaftler und Kulturbürgermeister also offensichtlich nicht viel am Hut, wie übrigens die meisten Menschen einschließlich des Fragestellers, der diesen Lapsus gar nicht bemerkt. Nur diesem Umstand ist es schließlich zu verdanken, daß sich das Musterbeispiel für Unlogik, die sogenannte Relativitätstheorie, bis heute halten konnte.
In der freien Wirtschaft hätte man Ihren Posten schon längst zwangsgeräumt und neu besetzt, aber in der Politik kann man sich ja offenbar alles erlauben.
Für die Zukunft sollte sich die Stadt nicht nur Fehlervermeidungsstrategien überlegen. Die politischen Entscheidungsträger in Konstanz müssen vor allem dafür sorgen, dass die Ziele erreicht werden, die man ursprünglich mit einem Konzerthaus erreichen wollte: die Attraktivität des kulturellen Angebots von Konstanz zu erhöhen. Und hier hat Herr Riem den richtigen Weg gewiesen, er hat in Künstler investiert (und nicht in eine Immobilie). Die Politik hatte mit dem Konzerthaus auch die damit verfolgten Ziele ad acta gelegt. Vielleicht hat die aktuelle Situation ja zur Folge, dass im städtischen Haushalt Teile des Konzerthausgeldes künftig direkt in den künstlerischen Bereich fließen. Das macht aber nur Sinn, wenn ein Intendant da ist wie Hr. Riem, der Weltklasse-Künstler wie Buchbinder, Gidon Kremer, Mischa Maisky und Sarah Chang nach Konstanz holen kann. Wenn alle aus den gemachten Fehlern lernen, ist eine weitere Zusammenarbeit mit Hr. Riem sinnvoll.