Die Livemusik in der Innenstadt ist tot. So in etwa lautete der Tenor vieler SÜDKURIER-Leser vor zweieinhalb Jahren. Damals war gerade die Livemusik-Erlaubnis für das Café Restaurant Turm am Schnetztor deutlich eingeschränkt worden. Nun, rund 30 Monate später, gilt eher: Die Livemusik ist tot, es lebe die Livemusik. Denn: Nicht nur im Turm gibt es jetzt wieder regelmäßig freitags Konzerte, sondern auch die Corso Bar in der Emmishoferstraße wandelt sich immer mehr vom Stripclub zum Rockclub. Die Zahl der Auftrittsmöglichkeiten für regionale Bands hat zuletzt eher wieder zugenommen.
Das ist auch die Bilanz von Christoph Nesensohn. Im Hauptberuf sitzt er im Sekretariat von Oberbürgermeister Horst Frank, in seiner Freizeit spielt er als Bassist in der Band Suff-X. Beide Welten brachte er nun zusammen als er ein kleines Dossier über die regionale Bandszene erstellt hat. Darin heißt es unter anderem „Die hiesige Bandszene lebt. (…) Unzählige Bands jeglicher Musikrichtungen tummeln sich im Konstanzer ‚Untergrund'. Ob Metal, Rock, Hip Hop, Jazz, Klassik oder Latin – es gibt keinen Stil der in Konstanz nicht vertreten ist“, so Nesensohn. Die Lebendigkeit der Szene wird seit 2009 auch durch bessere Auftrittmöglichkeiten für regionale Bands gefördert. Besonders die bereits erwähnte Corso Bar bietet hier ein bemerkenswertes Programm: Im April gibt es an jedem Wochenende Livekonzerte. Heute beispielsweise steht ab 20 Uhr die aus Konstanz, Freiburg und Donaueschingen stammende Rock-Combo Far from Grace auf der Bühne der Corso Bar.
Der Eintritt ist meistens frei, der Besuch in der Regel überdurchschnittlich gut. Livemusik scheint sich wieder zu lohnen. Allein mit den vermehrten Getränkeumsätzen lässt es sich offensichtlich wirtschaften.
Ein weiterer Impuls ist wohl auch zu erwarten, wenn das Junge Theater seine Hallenrock-Veranstaltungen in der Spiegelhalle reaktiviert. Dies hat Felix Strasser, Direktor des Kinder- Jugendtheaters für den Mai angekündigt. Zudem haben sich auch die soziokulturellen Zentren Kulturladen und K9 zuletzt wieder verstärkt um die regionale Szene gekümmert. Jüngstes Ergebnis dieser Bemühungen ist ein neuer grenzüberschreitender Nachwuchsband-Wettbewerb, der von der Stadtverwaltung initialisiert, am 22. und 23. Oktober im K9 und im Kula über die Bühne gehen wird. Ab wann sich die Musiker hierfür bewerben können, will die Stadt demnächst noch bekannt geben.
Trotz aller positiven Nachrichten, eines bleibt weiter angespannt: Die Proberaumsituation. Sowohl das Neuwerk, das Jugendzentrum als auch die Räume in der Hafenstraße hinterm Lago sind derzeit ausgebucht.
