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Konstanz Hitzige Debatte zum gekippten Glasverbot

30.07.2012
Konstanz -  Nicht sehr lange konnte die Stadt Konstanz das Glasverbot aufrechterhalten. Nun wurde es gekippt und die Meinungen gehen auseinander. Die Online-User sind sich jedoch einig, dass das eigentliche Problem vom Verwaltungsgerichtshof damit nur verschoben wurde.
Glasverbot an Rhein- und Bodenseeufer

Mannheimer Entscheidung hebt Verbot sofort auf. Foto: Tobias Kleinschmidt/Archiv  Bild: Foto: dpa

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Am Freitagvormittag war die Entscheidung gegen die Stadt Konstanz endgültig gefallen. Der Konstanzer Politikstudent Benjamin Wohnhaas gewann seine Klage vor dem Mannheimer Verwaltungsgerichtshof, damit war die vom Gemeinderat im Jahr 2011 beschlossene Polizeiverordnung der Stadt Konstanz für unwirksam erklärt worden. Die Entscheidung wird erst in einigen Wochen mit der Zustellung der schriftlichen Begründung rechtskräftig, doch die Freude darüber hält sich schon jetzt in Grenzen. Kontrovers reagierten die Online-User und kommentierten so viel wie selten auf SÜDKURIER Online und unserem Facebook-Profil Konstanzer Seegeflüster. Und auch das Ergebnis der Umfrage spricht sich immer deutlicher gegen das Urteil aus.

Einige User danken Benjamin Wohnhaas für seinen engagierten Einsatz. Marco Walter kommentiert auf SÜDKURIER Online, der Student habe der Allgemeinheit einen großen Dienst erwiesen, indem er sich die Mühe gemacht habe, diese Klage einzureichen und Klarheit zu schaffen bezüglich des unrechtmäßigen Vorgehens der Konstanzer Stadtverwaltung. Markus Wellheimer gratuliert Wohnhaas sogar und meint: "Endlich hatte wieder einer die Courage, sich nicht alles bieten zu lassen." Dem kann Marius Bauknecht nur zustimmen: "Dank Ihnen kann der Konstanzer Otto-Normalbürger wieder gemütlich ein Gläschen Wein, ein Fläschchen Bier oder auch nur sein mitgebrachtes Mineralwasser aus einem ökologischen sinnvollem Gefäß konsumieren."

Doch es sind die Wenigsten, die so denken. Der allgemeine Tenor sieht das Urteil aus Mannheim sehr viel kritischer. Diese Aktion beleidige alle durch Glasscherben Geschädigten, meint Roberto Danti und fragt sich, wo die Freiheit auf Unversehrheit bleibe? Marcus Nabholz kommentiert auf Konstanzer Seegeflüster: "Es lebe die saufende Klasse. Lasst uns in Dreck und Scherben feiern." Und auch Frank Jehle kann das Urteil und den Einsatz von Benjamin Wohnhaas nicht verstehen. "Jeder, der die Vielzahl der Glasscherben an den bekannten abendlichen "Grillstellen" gesehen hat und seinem Kind die blutende Fußsohle verbunden hat, wird sich fragen, warum sich Herr Wohnhaas so über den Verlust der "Unversehrtheitsrechte" von Badenden, Urlaubern und v.a. Kindern sichtbar freut."

Deutliche Kritik an der Stadt und die Suche nach Lösungen

Doch es ist nicht nur das Unverständnis gegenüber des Einsatzes von Benjamin Wohnhaas. Auch die Stadt bekommt ihr Fett weg bei den Online-Usern. "Bevor man Verbote ausspricht sollte man die genaue Rechtslage prüfen. Konstanz ist ja bekannt, dass sie Ihre Prozesse verlieren, die Verantwortlichen sollten für die Kosten regresspflichtig gemacht werden", meint Gerhard Seidelt auf SÜDKURIER-Online. Auch von Mykola Neumann wird die Stadt adressiert: "Der Konstruktionsfehler ist, alle Flaschenträger an der Seestraße pauschal unter Generalverdacht zu stellen." Für Facebook-User Robert Grüneis ist klar, dass der Ansatz schlicht falsch gewesen ist: "Nur weil eine Minderheit meint, ihren Müll einfach liegen lassen zu können, hätte man nicht ein generelles Glasflaschenverbot gebraucht."

Das Problem jedoch seien nicht die Flaschen und bösen Scherben, sondern die fehlende Erziehung einer Minderheit, ist Marius Bauknecht überzeugt. Und das bleibe ja nun weiterhin bestehen. "Das Problem ist durch das Urteil nicht gelöst, sonder gibt Anlass für weiteren Ärger", meint Klaus Hailer. Nun solle man aber nicht mit dem Finger auf andere zeigen, sondern Lösungen finden, schlägt Stephan Krause vor. "Natürlich ist jetzt der Gesetzgeber gefragt, im Sinne dieses Urteils Normalbürger zu stärken und den über das Normalmaß hinaus Feiernden die Grenzen aufzuzeigen", sagt Andreas Konrad. Müll- und Pfandeimer werden unter anderem von Marco Walter vorgeschlagen, Marius Bauknecht meint, es wäre wesentlich sinnvoller, wenn sich die Polizei und Streetworker an diesen Orten öfters blicken lassen. Und Rober Grüneis kommentiert: "Müll rumliegen lassen, war und ist auch zukünftig verboten. Und da gehören genügend Mülleimer her und es muss halt kontrolliert und bestraft werden, wenn jemand meint, seinen Müll in der Gegend liegen zu lassen."

Markus Weber dagegen appelliert auf Konstanzer Seegeflüster an die Selbstverantwortung: "Ich finde die Feiernden am Bodenseeufer sollten in der Lage sein, den Müll selbst wegzuräumen. Da es immer wieder Drechschweine gibt, die Ihren Müll einfach liegen lassen, dann breche ich mir (du dir) keinen Zacken aus der Krone, wenn wir deren Müll auch mit entsorgen." Dem kann Dennis mit Doppel-n nur beipflichten: "Der Gesetzgeber soll und MUSS vor allem dafür sorgen, dass die "Bösen" sich an die Regeln halten. Wenn er das nur schafft, in dem er die Leute mitbestraft, die sich an die Regeln halten, dann muss er sich was anderes einfallen lassen."

In der Online-Abstimmung überwog zunächst die Freude über das Urteil. Doch nach fünf Tagen und 1790 Stimmen (Stand: 31. Juli, 10 Uhr) spricht sich die Mehrheit mit rund 71 Prozent gegen das Urteil aus. Was halten Sie davon, dass das Konstanzer Glasverbot gekippt worden ist?

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