Kreis Konstanz Hilfe beim geordneten Rückzug
In Zukunft Heimat: Renate Ehlers-Khan bietet rückkehrwilligen Ausländern Unterstützung an. Bild: Wilczek
Kreis Konstanz - In Zukunft Heimat: Unter diesem Motto wirbt die "Beratungsstelle für freiwillige Rückkehr" auf Handzetteln für ihr Angebot. Zielgruppe sind Menschen in Not: Flüchtlinge, deren Antrag auf Asyl abgelehnt wurde, alleinerziehende ausländische Mütter, die in Deutschland von Harz IV leben und sich in ihren Familienverband zurückwünschen, oder Immigranten, deren Versuch gescheitert ist, in Deutschland beruflich Fuß zu fassen.
Wenn solche Menschen in ihr Heimatland zurückkehren möchten, kann die Flüchtlingsberaterin Renate Ehlers-Khan wichtige Frage beantworten. Sie kann Dokumente beschaffen, über Landesgrenzen hinweg helfen, eine Wohnung zu finden, oder den Transport des Hausstandes organisieren. Und sie kann mit Geld helfen, zum Beispiel um ein Flugticket zu bezahlen. Ehlers-Khan will die finanzielle Unterstützung nicht als Rückkehrprämie verstanden wissen. Es sei Geld, "um einige Hürden aus dem Weg zu schaffen". Wichtig ist der Beraterin, dass der Entschluss zur Rückkehr in die alte Heimat für diese Menschen keine aufgezwungene Entscheidung von Behörden ist, sondern eigenes Wollen. Auch nach den Beratungsgesprächen bestehe die Option zu bleiben, sagt sie. Die Beratungsstelle kann 1500 Euro einsetzen, um einem rückkehrwilligen Ausländer oder Spätaussiedler den Wechsel ins Herkunftsland zu ermöglichen und den Neustart in der alten Heimat zu erleichtern. Beratung und finanzielle Unterstützung sind indes nur für jene Ausländer vorgesehen, die im Landkreis Konstanz Sozialleistungen beziehen. Denn "Ziel ist es auch, Geld zu sparen", räumt ein Sprecher des Regierungspräsidiums Karlsruhe ein.
Das Regierungspräsidium Karlruhe koordiniert landesweit die Rückkehrer-Aktionen. Der Behördensprecher macht zudem deutlich, dass die Landesregierung mit den Unterstützungsangeboten vornehmlich Flüchtlinge ansprechen möchte, deren Asylantrag abgelehnt wurde. Auf diese Zielgruppe ist das Konstanzer Beratungsangebot nicht fixiert.
Kontakt: Beratungsstelle für die freiwillige Rückkehr, Landratsamt Konstanz, Renate Ehlers-Khan, Benediktinerplatz 1, Tel. 07531/8001165, E-Mail: renate.ehlers-khan@landkreis-konstanz.de
Neun kehrten zurück
Das Land Baden-Württemberg stellt dieses Jahr 500000 Euro bereit, um rückkehrwillige Ausländer finanziell zu unterstützen. Dabei zahlt das Land jeweils 50 Prozent der von den Beratungsstellen bewilligten Mittel. Nach Angaben des Regierungspräsidiums Karlsruhe entschieden sich 2008 bisher landesweit 150 Menschen mit Unterstützung der Beratungsstellen für Rückkehrer in die alte Heimat zu wechseln. Im Kreis Konstanz sind bis August neun Rückkehrer registriert.
Laut Agentur für Arbeit in Konstanz beziehen im Agenturbezirk derzeit 3557 Ausländer folgende Sozialleistungen: Arbeitslosengeld I (343), Arbeitslosengeld II (2451) und sonstige Leistungen, z. B. Mietzahlungen (763). Zum Agenturbezirk zählen der Kreis Konstanz und der Raum Überlingen. (fdo)
