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Konstanz Heitere Debatte zum Thema Integration

Die Konstanzer Kulturinitiative Raum 3 hatte für ihre erste Veranstaltung mit Adnan Maral einen guten Griff gemacht.

Meral Gülsüm aus Konstanz ist verblüfft, als sie den Schauspieler und Autore Adnan Maral erlebt: „Du denkst, der spricht von mir. Hat der alles mitgeschrieben, was ich mir auch schon gedacht habe?“ Meral Gülsüm ist vor 37 Jahren aus der Türkei nach Deutschland gekommen, damals war sie zwölf Jahre alt. Sie reagiert immer leicht irritiert, wenn sie heute einer fragt: „Gehst Du wieder nach Hause?“ Zuhause, das sei doch für sie schon längst Konstanz. Meral Gülsüm gehört zu den rund 200 Besuchern der wohl vergnüglichsten Debatte über Integration, die jemals in Konstanz geführt wurde. Als Stargast tritt Adnan Maral auf, der sagt, er wolle gern als Mensch wahrgenommen werden, und nicht immer nur als Bürger mit türkischen Wurzeln.

Adnan Maral ist seit na hezu 20 Jahren bekannt aus vielen Rollen in Fernseh- und Kinoproduktionen, unter anderem „Türkisch für Anfänger“. Er präsentiert sich in Konstanz aber auch als grandioser Erzähler und Vorleser. Maral spielt gleichsam die Szenen aus seinem Buch „Adnan für Anfänger – Mein Deutschland heißt Almanya“, ein autobiografisches Werk über deutsch-türkische Identität und Vorurteile. Er könne und wolle die Wurzeln seiner Kindheit nicht ausreißen, wolle aber dennoch seine deutsch-hessische Lebensart pflegen, sagt Adnan Maral. Die doppelte Staatsbürgerschaft wäre ihm am liebsten, auch wenn der deutsche Staat diese den türkischstämmigen Menschen seiner Generation nicht gewähre. Bei den Schweizern sei dies übrigens ganz anders. Integration sieht Adnan Maral, der 1970 im Alter von zwei Jahren nach Frankfurt gekommen ist, als eine Sache an, die er seit 30 Jahren hinter sich hat. Er erwarte Akzeptanz und keineswegs Toleranz. Denn das Wort leite sich vom lateinischen tolerare ab, und bedeute, den anderen nur zu ertragen. Die Menschen sollten sich aber doch besser auf Augenhöhe begegnen. In Szenen seines Buchs schildert er mit Witz, welch kuriose Züge Vorurteile annehmen können.

Höhepunkt des Abends ist ein Gespräch mit dem Literatur- und Kulturwissenschaftler Özkan Ezli von der Universität Konstanz. Er legt dar, das Unterwegssein gehöre zum Menschsein. „Der Homo sapiens ist auch ein Homo migrans.“ Schon Adam und Eva seien als Vertriebene aus dem Paradies als Migranten anzusehen. Das Bekenntnis, ein Einwanderungsland zu sein, habe Deutschland längst abgegeben. Vor allem die Kommunen seien gefordert, mit Vielfalt umzugehen.


Gelungen e Premiere

Wer hinter der neuen Reihe steckt: Die Kulturinitiative Raum 3.
Die neue Kulturinitiative Raum 3, die erstmals zur Debatte geladen hatte, kann mit der Veranstaltung eine gelungene Premiere feiern. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, Kunst, Bildung und Wissenschaft zusammenzubringen und so neue Denkräume zu schaffen. Die Initiatorin Judith Zwick aus Konstanz hatte allerdings zwischen den beiden sprachgewaltigen Gesprächsteilnehmern nur wenige Chancen, selbst einmal das Wort zu ergreifen. (rin)

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