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Konstanz Gut in Mathe dank Sprachunterricht

21.06.2007
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Der achtjährigte Nico runzelt die Stirn, während er konzentriert auf eine Karteikarte schaut. "Neid, was ist Neid?", fragt der Schüler. Der Junge, dessen Eltern aus der Türkei nach Deutschland gezogen sind, besucht die dritte Klasse der Grundschule Wollmatingen. Auf dem Pausenhof hört ihm niemand an, dass er Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache hat. "Viele Kinder mit Migrationshintergrund können ihre sprachlichen Schwächen geschickt vertuschen", hat Schulleiterin Mona Schilkowski beobachtet. Trotzdem seien die Kinder benachteiligt - nicht nur im Deutschunterricht, wenn ihnen der schriftliche Ausdruck Schwierigkeiten bereitet. Die Kinder bringen in späteren Klassen auch schlechte Noten aus dem Mathematikunterricht nach Hause, weil sie Textaufgaben nicht oder falsch verstehen. Dem will die Schulleiterin künftig vorbeugen. Mit Unterstützung des Schulfördervereins und mit der Förderung der Landesstiftung hat die Schule ein Förderangebot für Kinder mit Migrationshintergrund etabliert. Rund 30 Kinder aus den Klassen eins bis vier werden seit Beginn des zweiten Schulhalbjahrs vor oder nach dem obligatorischen Unterricht in kleinen Gruppen gesondert unterrichtet. In Konferenzen haben die Lehrer der Schule entschieden, welchen Schülern die Sprachförderung gut tun würde. Die Ausgewählten kommen nun einmal pro Woche über eine Stunde in den Genuss der spielerischen Spezialkurse.

Mitglieder des Fördervereins haben dazu reichlich Material gebastelt, geschnippelt und geklebt, um den Kindern den spielerischen Zugang zur Sprache zu errmöglichen. So muss zum Beispiel Nico gerade Begriffe Karteikärtchen mit Begriffen wie Neid, Vertrauen oder Geheimnis als positiv oder negativ einordnen. Katalin Hering, eine gebürtige Ungarin, die Deutsch als Fremdsprache studiert hat, gibt die Zusatzkurse. Sie kennt den Zugang von außen zur deutschen Sprache und weiß: "Die Kinder haben vor allem mit den verschiedenen Wortendungen und den Präpositionen zu kämpfen." Die jüngste Erhebung des Amts für Statistik hat starke Unterschiede bei den Bildungschancen von Kindern mit Migrationshintergrund aufgezeigt. Während die meisten Kinder aus der Grundschule Litzelstetten ins Gymnasium wechselten, besuchten viele Abgänger der Berchen-Grundschule die Hauptschule. Der Hauptgrund für die unterschiedlichen Bildungswege liegt vermutlich bei den Eltern. Während in Litzelstetten viele Kinder von Akademikern die Schule besuchen, stammen die Kinder der Berchenschule aus einem anderen sozialen Umfeld. Trotzdem will Mona Schilkowski ihren Schülern die gleichen Chancen bieten. "Gerade wenn die Eltern nicht so hinterher sind, müssen wir dafür sorgen, dass die Kinder Defizite ausgleichen."

Anja Wischer

Konstanz
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