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Konstanz Gruselkabinett an der Hochschule

Eventproduktion feiert an der HTWG Premiere mit neuem Stück „Ruhig Blut“. In der anschließenden Diskussion aus aktuellem Anlass geht es um die Frage, was Theater darf

„Ziehen Sie sich warm an“, empfahl Felix Strasser, Leiter der Eventproduktion der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG), den Zuschauern vor der Premiere des Stücks „Ruhig Blut“ am Montagabend. Ein guter Rat, wie sich schnell herausstellte.

Nicht nur, weil der erste Teil des Stücks in unterschiedlichen Räumen der Hochschule spielt und die Zuschauer in kleinen Gruppen von Szene zu Szene oft auch über den Hof geführt werden. Der Gang durch die HTWG gleicht im Stück streckenweise dem durch ein Gruselkabinett. Es zeigt auf teilweise überspitzt komische, teilweise gruselige Art und Weise den Druck, den das Hochschulsystem auf die Studierenden ausübt.

So finden sich die Zuschauer zum Beispiel in einem überheizten, grell ausgeleuchteten Kellerraum der HTWG wieder. Die Wände sind geradezu mit Lernnotizen tapeziert, auf einem Tisch schwimmt ein Hirn in einem Glas, das mit einer seltsamen Apparatur verbunden ist. In diesem Labor führt ein Professor Versuche an zwei Studentinnen durch. Mit Hilfe seines Apparates leert er die Köpfe der beiden und füllt sie anschließend mit Begriffen wie Regelstudienzeit, funktionieren oder Produktivität. Auf dem Weg von Szene zu Szene, vorbei an Ergebnislisten und Prüfungsterminen, fragt sich der Zuschauer, wo die Realität aufhört und die parodierende Übertreibung beginnt.

Was könnte passieren, wenn die eine über Gedeih und Verderb entscheidende Prüfung danebengeht, fragen die Studierenden im zweiten Teil des Stückes. Auch dabei gehen Realität und Fiktionalität nahtlos ineinander über. Mit einer Mischung aus starken schauspielerischen Bildern und Filmszenen von real geführten Interviews erreichen die Darsteller einen hohen Grad an Betroffenheit beim Zuschauer – auf Grund des Zeitpunkts der Premiere eine problematische Wirkung: Nichts ahnend, haben sich die Studierenden bei der Entstehung des Stücks eine Geiselnahme für ihr Gedankenspiel ausgesucht. Trotz der jüngsten Ereignisse in Paris haben sie sich dazu entschieden, das Stück zu spielen. Auch deshalb luden sie ihr Publikum am Ende der Vorführung zu einer anschließenden Diskussion ein. Die Frage, was darf das Theater, wie weit darf die Kunst gehen, stand dabei im Mittelpunkt. Über die Ansicht, dass Theater dazu da sei, zum Nachdenken anzuregen und dafür auch den Finger auf die Wunde legen dürfe, herrschte unter den Darstellern Einigkeit. Mit dieser Auffassung trafen sie den Nerv des Publikums. Die Verbindung zu den Geiselnahmen in Paris, hatten einige Zuschauer während des Stückes gar nicht erst gezogen.

Interessierte können sich bis Freitag einen Eindruck verschaffen. Das Stück wird jeden Abend um 20 Uhr an der HTWG aufgeführt

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