Konstanz Großes Projekt in Konstanz: Caritas will Schule Zoffingen in ein Pflegeheim umbauen

Denkmalgeschützte Altbauten, Lage direkt am Rhein, und ehrgeizige Ziele: Die Caritas Konstanz will ein neues Pflegeheim errichten. Die Schule Zoffingen könnte früher als geplant geschlossen werden. Und auch das Rätselraten um die Zukunft des St. Marienhauses im Stadtteil Paradies ist beendet.

Bereits nach den Sommerferien 2018 könnte der Umbau beginnen: Die Pläne für ein Pflegeheim auf dem Gelände der bisherigen Schule Zoffingen nehmen Konturen an. Caritas-Vorstand Andreas Hoffmann und Joachim Filleböck von der katholischen Gesamtkirchengemeinde sagten auf Anfrage des SÜDKURIER, sie rechneten damit, dass die Schule nicht wie früher geplant erst zum Sommer 2019 aufgelöst wird.

Grundstück und Gebäude hat die Gesamtkirchengemeinde bereits von der Klostergemeinschaft gekauft und will sie der Caritas für 80 000 Euro Erbpacht im Jahr bereitstellen. Das sei rund die Hälfte dessen, was die Stadt Konstanz als Schulträgerin bisher an das Kloster bezahle. Zur Kaufsumme sagte Filleböck, der Orden habe sich Stillschweigen ausbedungen, es sei aber "kein Schnäppchen" gewesen. Hoffmann betonte: "Das ist nur möglich, weil sich die katholische Kirche hier in Konstanz zu ihrer sozialen Verantwortung bekennt." Die Caritas selbst hätte die Immobilien ihm zufolge nicht kaufen können.

So soll das künftige Pflegeheim Zoffingen zum Seerhein hin aussehen – zwischen den historischen Gebäuden ein neuer Trakt, der die Fassadengliederung aufnimmt.
So soll das künftige Pflegeheim Zoffingen zum Seerhein hin aussehen – zwischen den historischen Gebäuden ein neuer Trakt, der die Fassadengliederung aufnimmt. | Bild: ARGE Werkgruppe 3 Konstanz und Dietrich Untertrifaller Architekten ZT GmbH, Bregenz

Die Caritas mit ihrer Tochtergesellschaft Altenhilfe steht laut Hoffmann unter Zeitdruck. Die Landesheimbauverordnung sieht vor, dass Pflegeheime ab 2019 nur noch Einzelzimmer haben dürfen. Ein Umbau des St. Marienhauses sei weder betrieblich noch wirtschaftlich möglich, so Hoffmann. Für die bestehenden 101 Plätze soll nun im Zoffingen Ersatz geschaffen werden. Und: "Als Konstanzer Träger machen wir ein Angebot für Konstanzer. Das wird kein Luxus-Pflegeheim für Auswärtige." Im St. Marienhaus will die Caritas ein Quartierszentrum einrichten, denkt über Kooperationen mit anderen Trägern nach, plant ein Angebot für junge Pflegebedürftige, für die es in Konstanz bisher kein Angebot gebe.

Dass die Caritas Sanierung und Neubau am Zoffingen über einen lukrativen Verkauf des großen Marienhaus-Komplexes an einen Bauträger finanzieren wolle, weist Hoffmann ausdrücklich zurück. Zwar gebe es viele Angebote von Investoren. Doch als kirchlicher Träger wolle die Caritas an der sozialen Bestimmung des St. Marienhauses festhalten: "Wir könnten das sehr teuer verkaufen, aber das wollen wir nicht." Das St. Marienhaus mit seiner Lage mitten im Wohngebiet sei immer ein Signal gewesen gegen die Tendenz, Pflegebedürftige in Gebäuden am Stadtrand unterzubringen. Auch das Zoffingen liege im Herzen der Stadt.

Wie teuer der Umbau des denkmalgeschützten Fachwerkbaus, der Ersatz der Turnhalle durch einen Neubau und die Errichtung eines weiteren Baukörpers in der Klostergasse wird, kann Hoffmann noch nicht beziffern – so weit seien die Planungen noch nicht. Ein Pflegeheim mit 105 Plätzen koste im Landesschnitt rund 14 Millionen Euro, an der Stelle und unter Einbeziehung von historischer Bausubstanz rechne er mit höheren Kosten. Wann die ersten Bewohner ins neue Pflegeheim einziehen könnten ist ebenfalls offen. Aber vor 2020 dürfte es kaum so weit sein.

"Wir kommen an einem zusätzlichen Baukörper nicht vorbei"

Andreas Hoffmann, Vorstand des Caritasverbandes, hält das Projekt Zoffingen für unverzichtbar und erklärt, warum das Pflegeheim genau 105 Plätze haben muss.
 

Caritas-Vorstand Andreas Hoffmann
Caritas-Vorstand Andreas Hoffmann | Bild: Oliver Hanser

Herr Hoffmann, wie weit ist das Vorhaben, die Schule Zoffingen in ein Pflegeheim umzubauen, fortgeschritten?

Wir haben eine Machbarkeitsstudie gemacht, diese ist positiv ausgegangen. Wir haben mit der Stadt gesprochen, mit der Heimaufsicht und mit dem Denkmalschutz. Der Gestaltungsbeirat hat die Pläne für den Neubau-Teil an der Stelle der bisherigen Turnhalle gutgeheißen. Jetzt können wir eine Kostenberechnung vornehmen und im Laufe des Jahres 2017 einen Bauantrag stellen.

Was ist baulich geplant?

Das historische Schulgebäude wird in Gänze erhalten, das ist ein wertvolles Baudenkmal. Die graue, wenig schöne Turnhalle wollen wir durch einen Neubau ersetzen, der zum Fachwerkgebäude passt. Und wir werden entlang der Klostergasse einen zusätzlichen Anbau errichten, der das Gebäude in Richtung Niederburg ergänzt.

Ist diese Verdichtung wirklich nötig?

Entlang des Rheinsteigs handelt es sich fast um einen eins-zu-eins-Ersatz dessen, was da steht. Durch den Neubau schaffen wir eine Art neuen Platz. Es gibt aber auch einen ganz gewichtigen Grund: Pflegegruppen haben laut Landesverordnung immer 15 Plätze. Ein Pflegeheim mit nur 90 Plätzen wäre kleiner als das, was wir im Marienhaus aufgeben. Wir brauchen die 105 Plätze, weil der Bedarf groß ist – und weil sonst die Pflegesätze für unsere Bewohner zu hoch würden. Wir kommen an dem zusätzlichen Baukörper nicht vorbei.

Warum gab es keinen Architekturwettbewerb?

Wir haben zunächst mit dem Konstanzer Büro Werkgruppe 3 gearbeitet und dann auf einen Rat der Stadtverwaltung hin einen weiteren Architekten dazugenommen. Im Büro Dietrich Untertrifaller haben wir einen Partner gefunden, der sich in Konstanz gut auskennt und zugleich weit über die Region hinaus großes Ansehen genießt. Ich denke, wir haben damit einen sehr hochwertigen Entwurf bekommen, der ja auch den Gestaltungsbeirat überzeugt hat.

In der öffentlichen Diskussion heißt es immer wieder, Pflegeheime seien ein Auslaufmodell...

Die Nachfrage zeigt uns etwas anderes. Und gegenüber dem Marienhaus handelt es sich nur um einen Ausbau um vier Plätze. Pflege-WGs und andere Wohnformen sind wichtig, keine Frage. Aber ab einem bestimmten Grad der Pflegebedürftigkeit wird eine Versorgung im Heim immer der richtige Weg sein.

 

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