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Konstanz Große Konzertstunde in der Konstanzer Lutherkirche

Ellenrieder-Musik füllte das Gotteshaus und bot ein lange bejubeltes Schulorchesterkonzert mit tollen Stilmixes und prachtvollen Leistungen.

Gefüllte Lutherkirche: Das bezog sich beim Konzert der beiden Ellenrieder-Orchester nicht nur auf das Kirchenschiff sondern auch auf den Altarraum der Kirche, der sich gleich zweimal prall füllte: Das Vororchester trat mit nicht weniger als 70 Spielern an, das Hauptorchester mit über 50 fortgeschrittenen Mitwirkenden. Solch' erfolgreiche praktische Musikpädagogik leistete Enikö Driller, die ihre Orchester intensivst vorbereitet hatte und mit zupackender Dirigierenergie leitete.

Die Werke für das Vororchester waren so geschickt ausgewählt, dass Spannung nie nachließ: Mit Mozart – aus speziell für Schüler spielbar bearbeiteten Noten – lief das Orchester zunächst warm („Entführungs“-Ouvertüren-Auszug), dann waren die einzelnen Klangregister im 1. Satz aus der „Linzer Sinfonie“ stark gefordert, schließlich wurde im „Tanz der Grazien“ von A.Stepanovich perkussionsanimiert gewalzert. Das dauerte nur ein Viertelstündchen, ließ aber erkennen, wie nah die Spieler an der Materie waren, wie gern sie musizierten, mit welchem Eifer in allen Registern von Streichern über Holzbläser, Blech bis Perkussion sie loslegten.

Große Konzertstunde dann mit dem Quasi-Symphonieorchester. Klassisch begann es mit Beethovens kurzem aber klanggeballten Triumphmarsch, der aufhorchen ließ, wie sauber intoniert wurde, wie abwechslungsreich das Zuspiel der Gruppen herauskam. Das galt noch umfassender für die beiden Hauptattraktionen des Abends: die beiden Urauffüh-rungen der Abiturienten Simon Ebert und Konrad Bogen. Das waren durchdachte, komprimierte Fünf- und Sieben-Minuten-Orchesterwerke, hinter denen stark gestaltender Kompositionswille stand: Von Simon Ebert das klassisch gebaute Konzertstück mit Solovioline (Anica Keck) und dem Komponisten am Solocello, ideen- und empfindungsreich in Rondoform mit zwei Hauptthemen und Durchführungen im Moll-Bereich brillant ausgeführt. Von Konrad Bogen (am Klavier) „Colors“, deutlich jazzgeprägt, hintergründig polymetriert, voll beißender Dissonanzen und Cluster, sprunghafter Motivfolge, großangelegter Crescendi, Aufbau zu Fanfare und Depression in klagendem Oboensolo. Zusammengenommen eine erstaunliche Sicht zweier Abiturienten auf die Musik, mit verdienten Bravorufen gefeiert!

Romantisch träumerisch bis voluminös auftrumpfend folgte Genussmusik: Edvard Griegs Peer-Gynt-Melodien von zartem Streichersamt über weiche Holz bläserträume und perlende Harfenakkorde (2 Harfen!) bis zu atemloser Hatz in der Halle des Bergkönigs. Filmsound-Finale vom Piccolo-Thema bis zum Großflächenklang und Parforce-Marsch in Alan Silvestris „Forrest Gump-Suite“. Ein lange bejubeltes Schulorchesterkonzert ausgreifenden Stilmixes und prachtvoller Leistungen.

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