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Konstanz Grenzfall Vogelgrippe-Risiko

05.04.2007
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Im Kampf gegen die Vogelgrippe gilt am Bodensee seit dieser Woche das Motto: Gemeinsam forschen, getrennt handeln. Während die Schweiz alle Hühner ins Freie lässt, besteht am deutschen Ufer weiterhin eine 500 Meter breite Stallpflichtzone.

Bei der Stallpflicht geht es laut Marcel Falk, Sprecher des Schweizer Bundesamtes für Veterinärwesen, um die Frage: "Wie viel Risiko leisten wir uns?" Eine Frage, die Schweizer und Baden-Württemberger unterschiedlich beantworten. Schweizer Hühner und Gänse dürfen seit Ende März bis ans Bodenseeufer frei laufen. Baden-Württembergs Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) hat die Zone mit Stallpflicht dagegen am Montag nur von 1000 auf 500 Meter Uferabstand reduziert. Sie betrifft im Kreis Konstanz damit noch 75 Geflügelhalter mit je drei bis 50 Tieren.

Hauk-Sprecherin Isabel Kling sagt: "Die Schweizer haben eine andere Bewertung." Zudem erlaube die deutsche Rechtslage nicht, den Stallzwang ganz aufzuheben. Am Vorarlberger Ufer galt dagegen anders als in der Schweiz und in Deutschland schon im Winter keine Stallpflicht. Dennoch spricht Peter Hauk von einer "engen Abstimmung".

Kaum neue Erkenntnisse für Wissenschaftler

Die Wissenschaft kann nicht entscheiden, wer richtig liegt. Grund: Im vergangenen Winter gab es keinen Vogelgrippe-Ausbruch am Bodensee. Nicht ein Mal wurde der hoch ansteckende Erreger H5N1 nachgewiesen. Darum fehle schlicht die Datenbasis für eine Bewertung, sagt Wolfgang Fiedler, Leiter der Vogelwarte Radolfzell, die zur renommierten Max-Planck-Gesellschaft gehört. "Der Winter ist praktisch ausgefallen."

Die Wissenschaftler konnten am Bodensee kaum neue Erkenntnisse sammeln. Im grenzüberschreitenden Forschungsprojekt Constanze wurden weniger Vögel untersucht als vorgesehen. Tote Tiere gab es seltener als im kalten Winter zuvor. Und wegen des großen Futterangebots wirkten die Köder in den Fangreusen wenig verlockend. Alle untersuchten Tiere waren frei vom hoch ansteckenden Virustyp H5N1. Auch die am Mettnauufer gehaltenen Kontrollenten blieben gesund.

Immerhin konnten Fiedler und seine Kollegen in Wildvögeln am Bodensee einige harmlosere Grippeviren nachweisen. Dies zeige, die Vogelgrippe sei zumindest in dieser Form am Bodensee vorhanden, sagt Fiedler. Offen bleibe die Frage, ob nicht doch einzelne gesunde Vögel am Bodensee den Typ H5N1 in sich tragen. Um dies verlässlich sagen zu können, müssten Daten von 1000 Vögeln vorliegen. Untersucht wurden dieses Jahr am baden-württembergischen Ufer bislang 109 Tiere.

Keine Vogelgrippe am Bodensee

Einig sind sich Behörden auf beiden Seiten der Grenze und Fiedler, dass in der endenden Saison des Vogelzugs wohl nicht mehr mit Ausbruch der Vogelgrippe zu rechnen ist. "Fast alle Zugvögel sind wieder weg", sagt Fiedler. Ganz ausschließen lasse sich freilich nichts. "Die Vogelgrippe ist nicht vom Globus verschwunden", sagt der Vogelkundler. So sei sie in Ägypten ausgebrochen. "Das ist nicht so weit weg aus Sicht des Vogelzugs." Auch der zuständige Dezernatsleiter im Konstanzer Landratsamt, Rainer Wedlich, rechnet nicht mehr mit einem akuten Fall für den Krisenstab, sagt aber: "Das Forschungsprogramm läuft weiter - warten wir auf das nächste Jahr."


Am baden-württembergischen Bodenseeufer wurden 2007 bislang 109 Vögel auf Vogelgrippe getestet: Im Kreis Konstanz 79 Wildvögel und sechs Hausgeflügel-Tiere, im Bodenseekreis 24 Wildvögel. Alle Tiere waren frei von der hoch ansteckenden Virusvariante H5N1. Der letzte Nachweis des Virus am Bodensee liegt damit über ein Jahr zurück. Der letzte bestätigte Fall in Baden-Württemberg waren zwei Wildenten im Kreis Sigmaringen am 19. April 2006. Der letzte H5N1-Fall in Deutschland war im vergangenen August ein Schwan im Dresdner Zoo. Die Vogelgrippe ist eine Tierseuche, oberstes Ziel der Behörden ist es, das Übergreifen von Wildvögeln auf Nutztiere zu verhindern. (fvb)

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