Mein

Göttliche Weisheit

03.02.2003


Konstanz (as) Die Kirche St. Suso war am Sonntag anlässlich des Patroziniums voll besetzt. Aus nah und fern waren die Gläubigen zum Festgottesdienst gekommen, der vom Kirchenchor Bruder-Klaus und Orchester unter Leitung von Michael Auer mit der Nicolaimesse festlich umrahmt wurde. Das große Interesse lag wohl auch darin begründet, dass Pfarrer Andreas Rudiger den Patrologen und langjährigen Ordinarius für alte Kirchengeschichte der Universität Freiburg, Professor Karl-Suso Frank, als Festprediger gewonnen hatte.

Pfarrer Andreas Rudiger eröffnete, dass es dem Festprediger sicher gelänge, das Leben Heinrich Susos neu zu beleuchten. Und tatsächlich fesselte Karl-Suso Frank seine Zuhörer mit einer zeitgemäßen und überaus kurzweiligen Rede über den Gemeindepatron Suso, wobei der Festredner unterstellte, dass die Konstanzer mit der Biografie des Heinrich Suso sicherlich bestens vertraut wären, da dieser schließlich 1295 in Konstanz geboren wurde. "Die Mutter stammte aus Überlingen", so Frank, der erklärend anfügte, "und deshalb wollen die Überlinger den Suso auch gerne haben." Mit 13 oder 14 Jahren kam der junge Suso dann ins Dominikanerkloster Konstanz, wobei "er mehr gesteckt als freiwillig gegangen" wurde, wie Frank bemerkte. Gleichwohl sei Suso "in seinen Beruf hineingewachsen", habe in Köln studieren dürfen, und kam als Seelsorger und Lehrer zurück an den See, um die Theologie weiterzugeben. 1348 wurde er nach Ulm versetzt, wo er 1366 verstarb.

Um der Zuhörerschar das Wesen des Dominikaners nahe zu bringen, bediente sich Karl-Suso Frank eines Gemäldes. Auf diesem sei der fromme Dominikaner kniend abgebildet, der zu einer Frauengestalt aufblicke. In Gestalt einer "respektablen, schönen Frau" werde die göttliche Weisheit visualisiert. "Ich bin der Diener der göttlichen Weisheit", so habe sich Heinrich Suso einmal bezeichnet und diese weiterzugeben war sein Bemühen.

Doch was hält Heinrich Suso auf dem imaginären Bildnis in der Hand? Einen spitzen Griffel. "Man darf nicht alles nachmachen, was Heilige machen", warnte der Festredner und fuhrt fort: "Er ritzte sich den Namen Jesu in die Brust." Seine Leidenssehnsucht und seine Leidensfrömmigkeit gingen ein bisschen zu weit, kommentierte Frank, schließlich gehe es nicht darum, selbst zugefügtes Leid zu ertragen, sondern auferlegtes Leid zu erdulden. Doch sei es Suso gelungen, seine Empfindlichkeit in Empfindsamkeit umzuwandeln. Allerdings litt Suso unter der Bosheit der Mitmenschen. "Selbst im Kloster unter Brüdern und Schwestern geht's nicht immer glatt", meinte Frank und berichtete: "Sie haben Suso zum Prior gewählt und machten sich über ihn lustig." Der Dominikaner habe seine Not gehabt, damit fertig zu werden, doch der Blick auf Christus half ihm stets weiter. Nach dem Gottesdienst kamen die Besucher zu einem Umtrunk im Gemeindehaus zusammen.

zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Schreiben Sie Ihre Meinung
Überschrift
Text


noch 1000 Zeichen


Informiert bleiben:
Bei jedem neuen Kommentar in dieser Diskussion erhalten Sie automatisch eine Benachrichtigung
Unsere Community-Regeln