Die Verhandlungen um den Stellenabbau bei Nycomed/Takeda haben begonnen. Die zuständige Gewerkschaft bringt dabei auch mehr Druck von der Straße ins Gespräch.
– Die Unterlagen sind namentlich gekennzeichnet, damit keiner der Eingeweihten auch nur auf die Idee kommt, sie nach außen zu geben. „Streng vertraulich“ steht auf dem Takeda-Papier nach Gewerkschaftsangaben. Doch die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie erkennt auch an: Die Führungsspitze des Pharmakonzerns entspricht zumindest der in der vergangenen Woche erhobenen Forderung nach umfassender und transparenter Information. So sieht es aus zum Start der Verhandlungen um den Abbau von rund 700 Arbeitsplätzen allein in Konstanz und hunderter weiterer in ganz Deutschland.
Mit konkreten Ergebnissen sind die Vertreter von Arbeitgebern und Arbeitnehmern noch nicht auseinandergegangen, wie Betriebsratsvorsitzender Rolf Benz betont: „Wir werden den Auftrag aus dem Betriebsverfassungsgesetz gewissenhaft erfüllen und die umfänglichen Maßnahmen eingehend prüfen.“ Weiter kündigt Benz an: „Dieser Vorgang wird aus der Sichtweise der Arbeitgeberseite manchmal als lästig empfunden. Wir handeln aber im Auftrag unserer Kolleginnen und Kollegen.“ Die Strategie wolle man sich nun auf einer Klausurtagung erarbeiten.
Bei der IG BCE ringt man ebenfalls noch um die Linie, wie aus einer Pressemitteilung vom Montag hervorgeht. Manche Mitarbeiter wollten, dass ihre Vertreter auf Zeit spielen und die Kündigungen damit hinauszögern, andere wollten schnelle Klarheit. Wie es in diesem Zusammenhang mit der „Kompromissbereitschaft der Arbeitgeberseite“ aussieht, wurde am Freitag offenbar nicht so richtig klar. Auf jeden Fall bringt die Gewerkschaft auch einen verstärkten öffentlichen Druck ins Spiel: „Außerdem ist zu bedenken, dass ein gutes Ergebnis nicht immer am Verhandlungstisch alleine erzielt werden kann. Von Fall zu Fall ist auch eine Protestkundgebung notwendig“, heißt es in der Pressemitteilung weiter.
Ob und wann es wieder – wie bereits am 24. Januar – zu einer Großkundgebung kommt, ist ungewiss. Für den Moment wollen die Betriebsräte an ihren Mahnwachen jeden Mittwoch zwischen 17 und 18 Uhr gegenüber der Pforte von Takeda/Nycomed festhalten. Damit wollen sie auch daran erinnern, dass am Stellenabbau selbst zwar kaum mehr zu rütteln ist, bei der Ausgestaltung aber nach wie vor Verhandlungsspielraum besteht.
Drei weitere Termine haben die Arbeitgeber- und die Arbeitnehmerseite für März vereinbart. Die Betriebsräte lassen sich von Heiko Engeler unterstützen, einem Fachanwalt für Arbeitsrecht mit Erfahrung bei der Aufstellung von Sozialplänen. Ins Zentrum der Betrachtung dürfte die Sozialauswahl rücken, die mit einem Punktesystem die allergrößten Härten vermeiden soll.