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Ratgeber weiterführende Schule

Konstanz Geschichte über religiöse Verfolgung und eine schwere Krankheit

Die Exilsomalierin Ayana Yaris leidet unter einer seltenen Autoimmunerkrankung. In ihrem Buch „Die Ballerina und der Wolf“ beschreibt sie ihr Leiden ihre aufregende Jugend in Somalia kurz vor dem Bürgerkrieg.

Ayana Yaris bewegt sich behutsam, wenn sie in einem Café in Konstanz auf einen freien Tisch zugeht. Ihre Haltung ist leicht nach vorne geneigt, sie wirkt zierlich und ein wenig zerbrechlich. Durch eine besonders schwere Form der Autoimmunerkrankung Lupus, unter der die Exil-Somalierin seit vielen Jahren leidet, ist sie geschwächt. Auch wenn es ihr gerade gut geht, wie zurzeit: „Wenn mein Mann und ich hier in der Konstanzer Altstadt etwas trinken gehen, suchen wir immer einen nahen Parkplatz, damit ich nicht so weit laufen muss.“

Das war nicht immer so: „Ich war eine Balletttänzerin. Ich war jung und hatte etwas vor“, sagt sie und schaut dem Gesprächspartner fest in die Augen. Als Tochter eines wohlhabenden Kaufmannes, genoss sie im Somalia in den Jahren vor dem Sturz des Diktators Siad Barre 1991 und der Verschärfung des Bürgerkrieges eine westlich orientierte Bildung. In ihrer Heimatstadt Mogadischu gehörte sie zu der glücklichen Minderheit von Mädchen, die neben der Koranschule auch eine italienische Schule besuchen und am Institut Français Französisch lernen durfte. Und sie trainierte ehrgeizig Ballett – bis ihre Erkrankung ihr einen Strich durch die Rechnung machte.

Darüber, wie der in Somalia unerkannte Lupus ihr mehr und mehr die Kraft nahm und wie sie erst durch die Auswanderung nach Deutschland 1991 und die aufreibende Odyssee von Spezialist zu Spezialist eine Diagnose und medizinische Hilfe erhielt, hat Yaris jetzt ein Buch geschrieben.

Es ist ein Balanceakt zwischen einem medizinischen Sachbuch und einem autobiographischen Roman über ihr Leben geworden. Passagen über ihre Krankenhausaufenthalte in deutschen Kliniken und Rückblenden in ihr vorheriges Leben in Mogadischu wechseln sich ab. „Ich möchte diese Krankheit bekannter machen, damit mehr darüber geforscht wird“, beschreibt die Autorin, die seit sieben Jahren als Übersetzerin für Italienisch und Arabisch in Konstanz arbeitet, ihre Motivation. „Aber ich wollte auch einen Roman schreiben“, erzählt die Autorin weiter.

Dieser ist voll von politisch brisanten Themen rund um den Wandel Mogadischus von einer multikulturellen und multireligiösen Stadt, deren Kultur von somalischen Nomaden, arabischen Eroberern, italienischen Kolonialherren und indischen Kaufleuten geprägt war, zu einem Ort der Bedrohung westlich Denkender durch Islamisten.

Das Mädchen Ayana erlebt die Radikalisierung der Gesellschaft in der Romanhandlung am eigenen Leib: Wegen einer heimlichen Liebesbeziehung zu einem jungen Franzosen wird sie vom Natse, einer Art islamistischen Geheimdienst verfolgt. Ebenso dramatisch ist die Schilderung ihrer brutalen Beschneidung. „Alles beruht auf wahren Ereignissen“, sagt Yaris. Deswegen hat sie das Buch auch unter Pseudonym geschrieben. Ihren richtigen Namen möchte sie nicht nennen, auch nicht ihr Foto in der Zeitung sehen. „In meinem Buch beschreibe ich Verbrechen. Ich habe Angst, deswegen von radikal islamischen Exil-Somaliern bedroht zu werden.“

Als Co-Autor stand Yaris unter dem Pseudonym Robert Jung ihr deutscher Ehemann zur Seite. Aus der Sicht des Partners beschreibt er im Buch einen Tiefpunkt ihrer Krankheit, als sie wochenlang im Koma lag. „Ich weiß nie, wann mich wieder ein Schub trifft“, sagt Yaris. „Aber ich genieße die kleinen Momente.“

 

Das Buch

„Die Ballerina und der Wolf“ von Ayana Yaris und Co-Autor Robert Jung ist im PDK Verlag erschienen. Das Buch hat 200 Seiten und ist im Buchhandel erhältlich. In den Buchhandlungen Osiander und Zur Schwarzen Geiss in Konstanz, sowie La Piazza in Überlingen, Greuter in Singen und Bücherstube in Rielasingen ist der Roman vorrätig.

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