Gerry Mayr ist umtriebig. Nicht nur, dass er ein Motorradgeschäft in Konstanz hat und für die Biker Anlaufstation ist. Der 47-Jährige ist auch durch seine abenteuerlichen Projekte und Weltrekordversuche bekannt. Über diese spricht er gerne. Er ist anfangs jedoch zurückhaltend darin, über seine Rolle als Ersthelfer, womöglich sogar als Lebensretter zu reden. Er tut es dennoch, um damit ein Ziel zu verfolgt: zu animieren, in Notfallsituation nicht tatenlos zuzusehen.
Nachdem das Flugzeug vom Typ TB10 am Samstagabend am Konstanzer Flugplatz abgestürzt war, eilte Gerry Mayr als erster zur zerstörten und bereits brennenden Maschine. Die mitfliegende Frau sei zu diesem Zeitpunkt bereits außerhalb des Wracks gelegen, allerdings sei der Pilot noch auf seinem Sitz verharrt, blickt der Motorradhändler im Gespräch mit dem SÜDKURIER zurück. Seinen Aussagen zufolge habe es der Mann nicht geschafft, den Gurt zu öffnen. „Ich habe seine Hand zum Knopf geführt“, sagt Mayr. Mit dem Piloten, den er stützte, sei er dann um das Flugzeug gelaufen. Dort seien beide auf die am Boden liegende Frau gestoßen. Gerry Mayr forderte den Piloten zur Mithilfe auf, um dessen weiblichen Passagier in eine sichere Zone zu bringen. Zu diesem Zeitpunkt eilte bereits Robert Leitner, Flugleiter am Konstanzer Flugplatz, mit dem Löschfahrzeug heran und er sah eigenen Aussagen zufolge, wie Gerry Mayr mit den zwei Verletzten Schutz vor der brennenden Maschine suchte. Leitner „hat das absolut Richtige gemacht“, sagt Mayer, und das Löschfahrzeug zwischen Flugzeug und den Verletzten gestellt.
Bis zum Eintreffen der Rettungsfahrzeuge „habe ich versucht, die Frau zu beruhigen“, sagt Gerry Mayr. Die 44-Jährige hatte Brandverletzungen erlitten und musste später mit dem Hubschrauber in die Uniklinik nach Tübingen geflogen werden. Der Pilot wurde leicht verletzt; ebenso zwei weitere Personen, als das Flugzeug sie beim Absturz erfasste. Es hatte auf ein Zelt einer Fallschirmsprunggruppe zugesteuert. In diesem hatte sich Gerry Mayr über den Sport informiert. Als er das während des Starts stark schlingernde Flugzeug sah, habe er Personen am Zelt gewarnt. Warum die Maschine abstürzte, ist weiterhin noch nicht abschließend geklärt. Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung und die Kriminalpolizei arbeiten daran.
Für Gerry Mayr sagt, er habe durch seine vielen Aktivitäten in einem gewissen Maß auch Vorbildfunktion. Diese will er auch bei seinem Erlebnis auf dem Konstanzer Flugplatz schildern und damit auffordern, Zivilcourage zu zeigen. Schlimme Vorfälle in den vergangenen Jahren hätten demonstriert, dass sich nicht jeder zur Hilfe am nächsten aufgefordert fühle. Gerry Mayr erinnert in diesem Zusammenhang an äußerst brutale Angriffe von Gruppen auf Personen in U-Bahnen.
Immer wieder kommt es am Konstanzer Flugplatz zu Flugzeugabstürzen und Unfällen mit Verletzten und Toten. Jedes Mal stellt sich danach auch die Frage, wie sicher der Flugplatz ist. Lesen Sie alles darüber in unserem Themenpaket.
Das ist Dein Beruf, aber Herr Mayr ist sein Beruf nicht ... mehr ...