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Konstanz Gerhart von Graevenitz: Ein Brückenbauer für die Wissenschaft

Die Ernennung zum Ehrenbürger der Universität Konstanz nahm er dankbar an und warb für eine gute Zukunft seiner Hochschule: Der frühere Rektor ist der Uni noch immer tief verbunden

Von den vielen Auszeichnungen in einer erfolgreichen Karriere als Forscher und Wissenschaftsmanager bedeutete ihm diese außerordentlich viel: Als Gerhart von Graevenitz gestern Abend zum Ehrenbürger der Universität Konstanz ernannt war, fiel in seiner Rede besonders oft das Wort Dankbarkeit. Dankbarkeit für sein Team der Jahre 2000 bis 2009, Dankbarkeit für die Chance zu seinen Erfolgen, Dankbarkeit auch für ein Leben im Frieden: „Im Juli 1944 geboren zu werden, war alles andere als ein Glücksversprechen.“ Und der frühere Rektor auf dem Gießberg wäre wohl nicht er selbst, hätte er nicht mit dem Appell an seine Zuhörer geschlossen, die Hochschule weiter zu begleiten und zu unterstützen.

Dass Gerhart von Graevenitz die seltene Auszeichnung – erst zum vierten Mal verliehen in der 48-jährigen Geschichte der Universität – verdient hat, machte sein Nachfolger Ulrich Rüdiger deutlich: Von Graevenitz war es, der seine Universität auf die neuen Studiengänge Bachelor und Master früh einschwor und damit Einflussmöglichkeiten sicherte. Zugleich gestaltete er den Generationenwandel in der Professorenschaft. Vor allem aber legte er den Grundstein für den großen Triumph bei der ersten Runde der Exzellenzinitiative, „der auf immer mit dem Namen Gerhart von Graevenitz verbunden sein wird.“ Seither hat die kleine und junge Universität höchste Elite-Weihen.

Dass Wissenschaft im Spannungsfeld zwischen persönlichem Forscherdrang und gesellschaftlichen Erwartungen hin- und hergerissen ist, machte im Festvortrag Peter Strohschneider klar, der Präsident der mächtigen Deutschen Forschungsgemeinschaft. Von ihren Mitteln hängt der Betrieb auch der Konstanzer Universität zu einem großen – laut Strohschneider und von Graevenitz von einem ungesund großen – Teil ab. Doch gerade die Spannungslinien an einer Universität machten ihren Charakter und ihren Wert aus, so Strohschneider, die produktive Unruhe zwischen den Rändern und den Zentren von Wissenschaftsdisziplinen, das Suchen nach Wahrheiten in einer Gesellschaft, in der die Mehrheiten bestimmen, der Widerspruch im Streben nach Einheit und Vielfalt des Wissens.

Den früheren Rektor würdigte Strohschneider als einen Mann, der die Universität Konstanz „zu einem besonderen Ort des Erkenntnisgewinns gemacht hat.“ Damit aufgehört hat von Graevenitz mit der Pensionierung nicht und verschrieb sich wieder der Forschung. Im Sommer erscheint sein Buch über Theodor Fontane – der preußische Schriftsteller hat den Germanisten aus Süddeutschland immer fasziniert. Geholfen habe ihm dabei die Einbettung in das von ihm mit auf den Weg gebrachte Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“. Seine großen Erfahrungen in der Hochschulpolitik gibt er großzügig weiter – weil er weiß, dass Wissenschaft einen verlässlichen Rahmen braucht und wie schwierig es ist, ihn zu sichern.

An dem Abend, an dem er mit den höchsten Ehren ausgezeichnet wurde, die die Universität Konstanz zu vergeben hat, blickt von Graevenitz ein wenig wie auf ein Lebenswerk. Als abgeschlossen betrachtet er, der frisch gekürte Ehrenbürger, es noch lange nicht. Brückenbauer für die Wissenschaft zu sein, das ist für ihn mehr Auftrag als Ehrung.

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