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Konstanz Geldstrafe für Anleitung zum Selbstmord

Gericht ahndet Verstoß gegen das Jugendmedienschutzgesetz

Das Landgericht Konstanz hat die Verurteilung eines 41-jährigen Mannes aus dem Raum Konstanz wegen Vergehens gegen den gesetzlichen Jugendmedienschutz in zweiter Instanz bestätigt. Der psychisch auffällige Informatiker betrieb ab 2005 ein auch für Jugendliche zugängliches Internetforum, in dem detaillierte Anleitungen zu Selbstverletzung und Suizid gegeben wurden. Seine Berufung gegen eine im Mai vom Amtsgericht Konstanz verhängte Geldstrafe von 1100 Euro wurde verworfen.

Pillen gegen die Angst vor dem Suizd

In dem Forum, das immer noch existiert, wurden mehrere Selbsttötungsarten vorgestellt und die Durchführung zum „todsicheren“ Abgang erläutert. Dazu bot man "fachmännisch" mehrere Alternativen an: „Wie wäre es mit Pulsadern öffnen auf professionelle Art?“, die detailliert beschrieben wurden. Dazu wurden auch geeignetes, „professionelles“ Werkzeug angeboten und Pillen empfohlen, welche die Angst vor dem Freitod lindern sollen.

Da diese Seiten unkontrolliert auch für Kinder und Jugendliche zugänglich waren, verstieß der Betreiber gegen die im Staatsvertrag der Länder zum Jugendmedienschutz festgelegten Vorgaben. Verstöße können mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr geahndet werden. Im Jahr 2006 waren Mitarbeiter der Mainzer Zentralstelle für Jugendschutz im Internet bei einer Routinekontrolle auf die Seiten gestoßen. Ein erstes Strafverfahren war von der Staatsanwaltschaft Konstanz gegen Auflagen eingestellt worden. Unter anderem forderte man die Einführung einer Ausweispflicht, um unter 18-Jährige von der Nutzung auszuschließen.

Als man feststellen musste, dass diese Auflage nur unzureichend oder gar nicht befolgt wurde, kam es zu einem weiteren Strafbefehl, gegen den der 41-Jährige Einspruch einlegte. Vor der Berufungskammer behauptete der Mann, der das gesamte Verfahren ohne Rechtsbeistand bestreitet, er habe seinen Leidensgenossen nur helfen wollen: „Ich wollte den Leuten helfen, den inneren Leidensdruck abzubauen.“

Mit neun Jahren erste Selbstmordgedanken

Er selbst habe im Alter von neun Jahren zum ersten Mal Selbstmordgedanken gehabt. Vor zwölf Jahren sei er von Cuxhaven an den Bodensee gezogen. Seit 2003 habe er wegen einer depressiven Erkrankung und wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung insgesamt sieben Mal stationär in der Psychiatrie behandelt werden müssen. Dem Gericht legte er ein Attest seines Nervenarztes vor. Die Richter machten ihn jedoch, ebenso wie das Amtsgericht, voll für die Verstöße gegen das Jugendmedienschutzgesetz verantwortlich.

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