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Konstanz Gefährliche Schönheit

Bambus will hoch hinaus, wie der Größenvergleich mit dem zwölfjährigen Adrian zeigt. Das Großgras bietet ökologisch keinen Nutzen.
Bambus will hoch hinaus, wie der Größenvergleich mit dem zwölfjährigen Adrian zeigt. Das Großgras bietet ökologisch keinen Nutzen. | Bild: Hanser

Noch wird er von den Feldbotanikern ignoriert, denn eigenständige Vermehrungen über Samen sind in Mitteleuropa nicht bekannt und Ausbreitungen in der Natur gehen „lediglich“ von gepflanzten Beständen aus. Gemeint ist der Bambus. Aber derartig in die Fläche gehende Pflanzungen haben es in sich, denn sie sind kaum wieder einzugrenzen, es sei denn, man hat einen Bagger zur Hand und koffert das gesamte Erdreich aus.

Aber was heißt hier eigentlich „Bambus“? Das ist keine exakte Artbezeichnung, sondern vielmehr ein Sammelbegriff für die weltweit über 1300 existierenden Arten von ausdauernden Großgräsern, deren Stängel meist stark verholzen und selten blühen. Bambusarten bilden in der jeweiligen Heimat oft dichte Bestände und können durchaus mit Gehölzen konkurrieren. Dann bilden sich großflächige Reinbestände. Verschiedene winterharte und immergrüne Arten und Gattungen von Bambus werden in Mitteleuropa als Gartenpflanzen kultiviert. Sie dienen dann vor allen der Gestaltung und setzen in Gärten besondere Akzente.

Nicht nur die Auswahl ist groß, sondern auch ihre Lobby. Es haben sich Gesellschaften gebildet, die sich einzig der Verbreitung des Bambus als Gartenpflanze widmen. Und es gibt ja auch wirklich imposante Pflanzen. Die größten Bambuspflanzen weltweit (Dendrocalamus) haben 80 Zentimeter dicke Stämme und sind bis zu 38 Meter hoch. Auch kann man dem Bambustrieb beim Wachstum buchstäblich zusehen. Manche Arten erreichen in nur einem Monat ganze 22 Meter. Solche Giganten werden bei uns freilich nicht gepflanzt, doch ist trotzdem Vorsicht geboten, denn auch manche in Gartencentern verkauften Arten sind extrem schwer zu bändigen, haben sie einmal Fuß gefasst.

Besonders gefährlich sind dabei Arten, die nicht horstig bleiben, sondern mehrere Meter lange unterirdische Ausläufer bilden können, wie Arten der Gattung Phyllostachys. Solchen stellt man entweder eine sogenannte Wurzelsperre entgegen, oder man sieht von einer Auspflanzung ab, denn sonst überwinden sie die Gartengrenze und büxen aus. In Konstanz gibt es einige derart verselbstständigte Bambusbestände. Nur ständiges Absenseln der wilden Sprosse lässt noch Schlimmeres verhindern.

Man kann nur hoffen, dass die neuerliche Pflanzung am Verteiler vor der Ausfahrt zur Schweizer Rheinbrücke gut abgesichert ist, denn Bambus-Rhizome vermögen selbst Asphalt zu durchdringen. Und was ist schließlich rein ökologisch von Bambus-Auspflanzungen zu halten? Außer einer eingeschleppten Bambusblattlaus lebt bei uns kaum etwas von dem Großgras. Im Vergleich: unser heimisches Schilf (Phragmites australis) ist direkte Nahrungsquelle für über 100 Insektenarten.

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