Messe im Bierzelt - für Andreas Rudiger kein Problem. Der Pfarrer der katholischen Seelsorgeeinheit Petershausen sagt, die Frohe Botschaft könne man an vielen Orten verkündigen. So also auch am kommenden Sonntag, 21. September, um 10 Uhr beim Konstanzer Oktoberfest auf Klein Venedig.
Herr Pfarrer Rudiger, am Sonntag feiern Sie Gottesdienst im Oktoberfest-Zelt. Warum machen Sie das eigentlich?
Mit diesem Zeltgottesdienst wird das Anliegen des Orgelbauvereins St. Gebhard in der ganzen Stadt bekannt gemacht. Gleichzeitig wird die Frohe Botschaft dort verkündigt, wo Menschen zusammenkommen um Gemeinschaft zu erleben und miteinander zu feiern. Ich sehe das als eine Chance auch Menschen anzusprechen, die nicht regelmäßig den Gottesdienst am Sonntag mitfeiern.
"Oas-zwoa-gsuffa" und "Großer Gott, wir loben Dich", passt das wirklich zusammen?
Es war gute Tradition, dass neben einer katholischen Kirche oft ein Gasthaus stand. Die Namen vieler dieser Gasthäuser (Löwen, Engel, Kreuz, Adler usw.) verweisen auf einen genuin christlichen Zusammenhang. Nach der Feier der Heiligen Messe ging man zum Frühschoppen, um über die Predigt zu sprechen. Übrigens hat Jesus auf einer orientalischen Hochzeit sein erstes Wunder gewirkt, als nämlich der Wein ausgegangen war.
Was muss man beachten, wenn man einen solchen Gottesdienst plant?
Wie bei jedem Gottesdienst werden wir Menschen von Gott beschenkt. Diakon Sowa und Ministranten von St. Gebhard sorgen für eine würdige Feier. Die Musikkapelle Rulfingen wird unter der Leitung von Herbert Lutz den Zeltgottesdienst musikalisch gestalten. Nach dem Gottesdienst wird dann weitergefeiert, mit Ausschank, Versteigerung und großer Tombola. Es gibt wirklich wertvolle und attraktive Preise.
Ist es nicht auch ein Stückweit eine Bankrotterklärung, wenn die Kirche immer zu den Menschen kommen will, anstatt die Menschen daran zu erinnern, dass sie jederzeit in eine Kirche gehen dürfen?
Um die Frohe Botschaft des Glaubens den Menschen zu bringen tut es manchmal gut, auch neue Wege zu gehen. Möglicherweise wird ja der eine oder andere in diesem Zeltgottesdienst in seinem Herzen angesprochen, auch wieder einmal den Kontakt mit seiner Heimatgemeinde zu suchen. Gleichzeitig wird vielen Menschen das wohltätige Anliegen des Orgelbauvereins bewusst gemacht.
An welchem Ort, unter welchen Umständen wäre für Sie die Schmerzgrenze erreicht? Wo würden Sie niemals Gottesdienst feiern?
Ich habe letzten Sommer mit Jugendlichen in der Gebirgswüste im Sinai die Heilige Messe gefeiert, oder feiere sie mit Kranken und Sterbenden zu Hause am Bett. Klar ist der erste und eigentliche Ort der Messfeier der geweihte Altar in einer Kirche. Doch überall wo die Würde des Gottesdienstes gewahrt bleiben kann, ist es möglich zu feiern. Ob dies immer sinnvoll ist, bleibt die Frage.
Nach der Messe gibt es noch eine Versteigerung zugunsten des Orgelbauvereins. Im Zelt gibt es doch auch keine Orgel, oder?
Deshalb freue ich mich von Herzen, dass die Musikkapelle Rulfingen im Zeltgottesdienst den musikalischen Part übernimmt. Die Sprache der Musik spricht viele Menschen an. Deshalb sollen auch die Klänge einer neuen Orgel die inneren Seiten des Glaubens in uns zum Klingen bringen. So setze ich mich als Pfarrer auch ein für einen neuen Klang für Petershausen.
Fragen: Jörg-Peter Rau