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Konstanz Friedliche Nacht: Facebookparty fällt aus

Das Konstanzer Hörnle wird am Samstag wegen einer geplanten Facebook-Party komplett gesperrt. SÜDKURIER Online verfolgt das Geschehen mit einem Live-Ticker und fasst die Diskussion der User zu den harten Maßnahmen von Stadt und Polizei zusammen.


+++ Sonntag, 00:30 Uhr: Die Feierwilligen sind nun weitestgehend auch aus der Innenstadt, dem Stadtpark und dem Hafenbereich verschwunden. Alles in allem ist keine der Befürchtungen der Einsatzleitung eingetreten, insgesamt ist der Ablauf friedlich und routiniert. Die Vertreter von Stadt und Polizei gestehen den Präventivmaßnahmen im Voraus der geplanten Feier einen großen Anteil an der Durchsetzung des Verbots zu. Des Weiteren wurde auch die reibungslose Zusammenarbeit bei dieser geplanten Großveranstaltung gelobt. Man ist der Ansicht, dass bei den Feierwilligen offensichtlich die Vernunft gesiegt hat.

+++ Samstag, 23:00 Uhr: Soeben war das Polizeipräsidium kurz in Alarmbereitschaft versetzt worden, da aus dem Stadtpark die Meldung über eine sogenannte Lageverschärfung gekommen war. Die Aufruhr hat sich allerdings sehr kurz darauf wieder gelegt, da Entwarnung kam. Insgesamt ist der aktuelle Stand der Dinge weiterhin: 31 Platzverweise und neun Gewahrsamnahmen. Zwei minderjährige Jugendliche wurden bereits von den Eltern abgeholt, die verbleibenden sind zwischen 17 und 21 Jahre alt und wurden wegen Missachtung der ausgesprochenen Platzverweise oder auch Beamtenbeleidigung in Gewahrsam genommen. Die Nacht auf dem Präsidium wird teuer: knapp 120 Euro kommen insgesamt, laut der Gebührenordnung des Innenministeriums, auf die unfreiwilligen Gäste zu.

+++ Samstag, 22:00 Uhr: Die Anzahl der Neuankömmlinge hat sich am Hörnle derart reduziert, dass die Polizei in der letzten Stunde sukzessive Einheiten vom Strandbad Hörnle in den Konstanzer Stadtpark verlagert, wo sich die meisten Jugendlichen eingefunden haben. "S'is nix los" sagt etwa Jürgen Sträter von der Verkehrspolizei Rottweil über die Lage am Hörnle.

Im Gegenzug dazu gemischte Gefühle bei den Feierwilligen, die meisten wollten "eigentlich nur schauen was los ist" und haben sich dementsprechend nirgends versammelt. Sie verteilten sich, in Splittergruppen, auf den Hafenbereich, den Konstanzer Stadtpark und die Innenstadt. Ziemlich unbeirrt legten sie ihr Augenmerk auf gemütliches Beisammensitzen mit Musik, Gelächter und Alkohol unter Verzicht auf Begegnungen mit der Polizei oder Zusammenkunft im Sinne der Facebookparty.

Einige Jugendliche, die von weiter her gekommen sind, wirken desillusioniert und machen ihrem Verdruss teilweise lautstark Luft, jedoch nicht gegenüber der Polizei. Einige fühlen sich zu Unrecht des Platzes verwiesen, da sie nicht aus Gründen der Facebookparty hier seien. Dies ist auch bedingt durch die Ankunft verstärkter Polizeikräfte im Stadtpark und Hafenbereich, die gemäß der Allgemeinverfügung der Stadt verhindern möchte, dass die Facebookparty sich nun vielleicht in kleinerem Rahmen hierhin verlagert. Ferner greift ab 22:00 Uhr die Regelung der Nachtruhe. Ein friedlicher Ausklang des Abends, im Sinne der "Glocke", die man über Konstanz stülpen wollte, rückt in immer absehbarere Nähe und die Einsatzkräfte der Polizei hoffen, bald nach Hause gehen zu können.+++

+++Samstag, 21 Uhr: SÜDKURIER-Reporter Hannes Lustermann war für uns in der Stadt, an Bahnhöfen und direkt am Hörnle vor Ort. Einige anreisende Jugendliche in überschaubarer Anzahl seien bereits in Zügen und Bussen durch Flyer der Stadt auf das Partyverbot aufmerksam gemacht worden und haben ihre Reise abgebrochen. Größere Zusammenkünfte oder alternative Veranstaltungsorte seien bislang nicht bekannt.

Am Strandbad kamen dennoch immer wieder vereinzelt kleinere Gruppen von Personen an, denen der Zugang verweigert wurde. Jogger und Spaziergänger wurden ausnahmsweise von den Sicherheitskräften auf das Gelände gelassen. Die Polizei ist mit zwei Hundertschaften vor Ort, desweiteren umkreiste ein Hubschrauber weitflächig das Gebiet. Auch die Wasserschutzpolizei war im Einsatz. Die Polizei wird auch noch über Nacht vor Ort sein. Am morgigen Sonntag, ab 6 Uhr, ist die Sperrung wieder aufgehoben. +++

+++ Samstag, 20:30 Uhr: Die Polizei hat bis zum jetzigen Zeitpunkt ca. 30 Platzverweise ausgesprochen. Eine Personengruppe hatte sich im gesperrten Bereich zum Grillen getroffen. Ob die Personen aufgrund der Facebook-Einladung gekommen waren, sei nicht bekannt, sagte ein Polizeisprecher. Desweiteren sei die Situation eine Stunde vor Sonnenuntergang friedlich. +++

+++ Samstag, 17 Uhr: Die Polizei meldet bislang keine besonderen Vorkommnisse rund um das Strandbad Hörnle. 30-40 Partyteilnehmer seien bislang gezählt worden, nähere Angaben waren nicht zu erfahren. Man rechne jedoch gegen später mit größerem Andrang. +++


Heftige Diskussion unter Online-Usern über die Maßnahmen der Stadt

Hörnle gesperrt, saftige Strafen bis zu 5000 Euro, Androhung von Platzverweisen, Großeinsatz von Polizei und Ordnungskräften: Die Stadt Konstanz wollte unbedingt die am Samstag, 7. Juli, am Strandbad Horn geplante Facebook-Party verhindern. Die Einladung zur Party wurde im sozialen Netzwerk über ein gefälschtes Konto angelegt. Ein Sprecher der Polizei sagte am Freitag: "Wir wissen nicht, wer das gemacht hat." Insofern könne man auch noch keine Forderungen an einen Verantwortlichen stellen. Die betreffende öffentliche Facebook-Gruppe existiert mittlerweile nicht mehr.

Konstanz reagierte mit speziellen Vorkehrungen auf Berichte aus mehreren Städten, in denen Facebook-Partys schon außer Kontrolle geraten waren und hohe Kosten für die Allgemeinheit verursacht hatten. Doch die Maßnahmen der Stadt wurden auf SÜDKURIER Online und auf unseren Facebook-Profilen SÜDKURIER und Konstanzer Seegeflüster kontrovers diskutiert.

Einige User unterstützten die Maßnahmen der Stadt gegen die Facebook-Party. Wolfram Nabholz schrieb auf dem Konstanzer Seegeflüster: "Man sollte knallhart gegen die vorgehen, die so einen Quatsch organisieren!!! Haben die sonst nichts anderes zu tun ???" Und Erika Landthaler pflichtete ihm bei: "Leider scheint die heutige Party-Jugend Anstand nie ge- oder verlernt zu haben!! Ständig hinterlassener Müll und Glasflaschen von den Steuerzahler aufräumen zu lassen ist nicht drin !!! Wir haben auch Partys gemacht, und die waren auch nicht schlecht, aber so wie das nun ausartet sollte man noch viel strenger dagegen vorgehen!!!" SÜDKURIER-Online-User Matthias Schmidt hielt das harte Durchgreifen ebenfalls für den richtigen Weg. Seiner Meinung nach liegt das Problem in der heutigen Erziehung: "Das kommt dabei heraus, wenn den Kindern und Jugendlichen zuhause keine Grenzen mehr gesetzt werden. Die Eltern versagen und die Gesellschaft darf es ausbaden!"

Viele User drückten auf Facebook und SÜDKURIER Online aber auch ihr Unverständnis über die Reaktion der Stadt aus. SÜDKURIER-Online-User Hans Meier war der Meinung, dass die Stadt mit den Maßnahmen weit übers Ziel hinausschießt: "Das Bad den ganzen Samstag sperren? Kontrollen in Zügen? Geht's noch...Ist ja fast wie bei der Schweinegrippe. Es muss doch möglich sein, dies direkt am Schwimmbad unter Kontrolle zu halten." Tino Schumann hielt die Reaktion der Stadt ebenfalls für falsch und schrieb auf der SÜDKURIER-Facebookseite: "Meine Meinung: Eine schlechte Entscheidung. Sicher wirtschaftlich für uns eine Katastrophe. Aber abgesehen davon was kommt als nächstes? Sperren wir den Weihnachtsmarkt oder die Innenstadt am verkaufsoffenen Sonntag wegen der Ankündigung einer Facebook-Party? Terrorismus in kleiner Form und was macht die Stadt? Sie beugt sich der Facebook-Al Quaida. Das ist der falsche Weg." Ähnlich sah das Maja Alice Mogg, die auf dem Konstanzer Seegeflüster das Vorgehen der Stadt kritisierte: "Der Schuss kann auch übel nach hinten los gehen! Wohin werden sie sich denn dann verteilen und ihren Frust abbauen?" Ob der Großeinsatz der Polizei und die Sperrung des Hörnle der richtige Weg sind, bezweifelte auch Thorsten Stöckle: "Der Polizeieinsatz wird garantiert wesentlich teurer werden - sinnvoller wäre es doch, wenn man/die Stadt schon davon weiß, das Ganze in sinnvolle Bahnen zu lenken ...".

Auf Facebook wurden im Vorfeld der angekündigten Party denn auch einige Alternativen zu den harten Maßnahmen der Stadt angesprochen. Facebook-Nutzer Pille Palle sah das Ganze pragmatisch und schrieb auf der SÜDKURIER-Präsenz: "Zaun drum, Kassenhäuschen aufstellen, Bier und Wurstbuden von Lokalen anbieten und fertig ist die größte Beach-Party am See. Die Einnahmen sind dann zum Saubermachen und für die Ordnungshüter. Fertig." Maja Alice Mogg schlug auf dem Konstanzer Seegeflüster vor, die Party ins Bodenseestadion zu verlagern: "Ein paar coole neue Djs oder Bands hinstellen, die gerne mal vor Publikum umsonst sich vorstellen wollen, ein kleines Eintrittsgeld verlangen und schwub ist das Geld zum Saubermachen da!"

Gespalten waren auch die Teilnehmer an unserer  Online-Abstimmung:  Von bisher 1985 abgegebenen Stimmen (Stand: 6. Juli, 15.30 Uhr) waren 50,4 Prozent für die Aussage, dass die Maßnahmen der Stadt gegen die Facebook-Party sinnvoll sind. 49,6 Prozent hielten das Vorgehen für übertrieben.

Was halten Sie vom Vorgehen der Stadt Konstanz gegen die geplante Facebok-Party? Diskutieren Sie mit auf SÜDKURIER Online und auf unseren Facebook-Profilen SÜDKURIER und Konstanzer Seegeflüster.

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